04.08.2014 | BFH Kommentierung

Ermäßigte Umsatzsteuer für Feuerwerksveranstaltung

Bild: Project Photos GmbH & Co. KG

Eintrittsgelder für einen Feuerwerkswettbewerb können dem ermäßigten Steuersatz unterliegen.

Hintergrund

A veranstaltet jährlich einen internationalen Feuerwerkswettbewerb. Dabei treten verschiedene Teams an, die Feuerwerksdarbietungen erbringen. Die Vorführungen bestehen aus verschiedenen Feuerwerken ohne und mit Musikunterlegung durch das Abspielen von Tonträgern. Bewertet werden Kreativität, Vielfalt von Farben und Effekten, die Synchronisation zur Musik sowie die künstlerische und technische Ausführung.

Das FA unterwarf die Eintrittsgelder dem Regelsteuersatz. Dagegen vertrat A die Auffassung, es handele sich um eine mit einer Theatervorführung vergleichbare Darbietung, die dem ermäßigten Steuersatz unterliege.  

Mit der Revision wandte sich das FA gegen den Vergleich mit einer Theateraufführung. Es fehle an der menschlichen Kommunikation zwischen Akteuren und Publikum.

Entscheidung

Ebenso wie das FG ist auch der BFH der Auffassung, dass der ermäßigte Steuersatz anwendbar ist.

Der BFH weist das Argument des FA, es liege keine begünstigte Veranstaltung vor, weil es an einem unmittelbaren körperlichen Kontakt der Künstler mit dem Publikum fehle, zurück. Bei dem Feuerwerkswettbewerb handelt es sich um ein von Musik unterlegtes Schauspiel für das Publikum, das von den Künstlern auf dem ihnen von A zur Verfügung gestellten Gelände selbst inszeniert wird. Ein darüber hinaus gehender engerer Kontakt zwischen dem Künstler und dem Publikum ist nicht erforderlich. Der BFH zieht den Vergleich zu Puppenspielern, bei denen ebenfalls kein unmittelbarer Kontakt mit dem Publikum stattfindet, ohne dass die Steuersatzermäßigung in Frage gestellt wird.

Im Streitfall gehen die Darbietungen über das bloße Abspielen eines Tonträgers hinaus. Denn es findet eine Synchronisation des Feuerwerks mit Musik statt, sodass die Veranstaltung einem "Techno-Konzert" ähnlich wahrgenommen wird.

Hinweis

Der BFH versteht unter begünstigten Vorführungen nicht nur Aufführungen von Theaterstücken, Opern und Operetten, sondern auch Darbietungen der Pantomime und Tanzkunst, der Kleinkunst und des Varietés bis zu den Puppenspielen und Eisrevuen. Begünstigt sind auch "Mischformen" von Sprech-, Musik- und Tanzdarbietungen, so dass eine Unterhaltungsshow in Gestalt einer Kampfkunstshow ("Budo-Gala") ebenfalls eine Theatervorführung sein kann.

Der BFH verweist als Parallele auf seine Entscheidung zum "Techno-Konzert" (BFH v. 18.8.2005, V R 50/04, BStBl II 2006, 101). Danach ist das bloße Abspielen eines Tonträgers kein Konzert. Denn ein Konzert verlangt den Einsatz von Instrument und/oder Stimme. Wird die Musik jedoch durch Verfremden und Mischen bestehender Musikstücke dargeboten, können Plattenteller, Mischpulte usw. "Instrumente" sein, wenn sie (wie konventionelle Musikinstrumente) zum Vortrag eines Musikstücks und nicht nur zum Abspielen eines Tonträgers genutzt werden. So gesehen kann eine "Techno"-Veranstaltung ein Konzert darstellen. Ebenso kann es sein, wenn - wie im Streitfall - Farb-, Licht und Klangelemente kreativ kombiniert werden.

Urteil v. 30.4.2014, XI R 34/12, veröffentlicht am 30.7.2014

Alle am 30.7.2014 veröffentlichten Entscheidungen im Überblick

Schlagworte zum Thema:  Steuersatz, Umsatzsteuer

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