15.02.2016 | BVerfG Pressemitteilung

"Treaty override" verstößt nicht gegen Grundgesetz

DBA können durch nationale Regelungen "überschrieben" werden.
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Überschreibung eines Doppelbesteuerungsabkommens durch innerstaatliches Gesetz (sog. "Treaty override") ist verfassungsrechtlich zulässig. Dies hat das Bundesverfassungsgericht entschieden.

Im Kurztext zur Pressemitteilung heißt es:

Der Gesetzgeber ist auch dann nicht am Erlass eines Gesetzes gehindert, wenn dieses zu völkerrechtlichen Verträgen im Sinne von Art. 59 Abs. 2 Satz 1 GG im Widerspruch steht. Dies hat der Zweite Senat durch heute veröffentlichten Beschluss in einem Verfahren der konkreten Normenkontrolle entschieden, das sich auf das Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung zwischen Deutschland und der Türkei aus dem Jahr 1985 (DBA-Türkei 1985) bezieht. Nach Art. 59 Abs. 2 Satz 1 GG kommt völkerrechtlichen Verträgen, soweit sie nicht in den Anwendungsbereich speziellerer Öffnungsklauseln (Art. 1 Abs. 2, 23, 24 GG) fallen, innerstaatlich der Rang eines einfachen Bundesgesetzes zu. In diesem Fall verlangt das Demokratieprinzip, dass spätere Gesetzgeber die Rechtsetzungsakte früherer Gesetzgeber innerhalb der vom Grundgesetz vorgegebenen Grenzen revidieren können. Etwas anderes folgt weder aus dem Rechtsstaatsprinzip noch aus dem Grundsatz der Völkerrechtsfreundlichkeit des Grundgesetzes. Auch letzterer hat zwar Verfassungsrang, beinhaltet jedoch keine verfassungsrechtliche Pflicht zur uneingeschränkten Befolgung aller völkerrechtlichen Normen. Die Richterin König hat ein Sondervotum zu dem Beschluss abgegeben.

BVerfG, Beschluss v. 15.12.2015, 2 BvL 1/12

In der vollständigen Pressemitteilung Nr. 9/2016 ist auch der Beschluss verlinkt.

Schlagworte zum Thema:  Doppelbesteuerungsabkommen

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