04.01.2013 | BFH Kommentierung

Keine Teilwertabschreibung wegen Unverzinslichkeit einer Forderung

Die Unverzinslichkeit einer Forderung rechtfertigt nicht immer eine Teilwert-AfA
Bild: Haufe Online Redaktion

Die auf der Unverzinslichkeit einer im Anlagevermögen gehaltenen Forderung beruhende Teilwertminderung ist keine voraussichtlich dauernde Wertminderung und rechtfertigt daher keine Teilwertabschreibung.

Hintergrund
Die A-GmbH, die 100 % der Anteile an der B-GmbH hält, gewährte dieser in 2003 auf 9 Jahre ein unverzinsliches Darlehen in Höhe von 1.803.500 EUR. Zum 31.12.2003 wies die A-GmbH die Darlehensforderung abgezinst (Zinssatz von 5,5 %) mit 1.110.176 EUR aus. Dem widersprach das FA und erhöhte den Gewinn um den Abzinsungsaufwand (689.658 EUR). Das FG wies die Klage mit der Begründung ab, die bloße Unverzinslichkeit des Darlehens eines Alleingesellschafters führe nicht zu einer Teilwertminderung.

Entscheidung
Die Revision wurde zurückgewiesen.
Der BFH führt zunächst aus, dass eine unverzinsliche (oder niedrig verzinsliche) Forderung, mit deren Befriedigung erst in geraumer Zeit gerechnet werden kann, weniger wert ist als eine nominal gleich hohe Forderung, die kurzfristig eingezogen werden kann. Der Teilwert liegt daher regelmäßig unterhalb des Nominalwerts und ist durch Abzinsung der künftigen Rückzahlung zu ermitteln.

Dieser Grundsatz gilt jedoch nicht ausnahmslos. So kann bei einer Betriebsaufspaltung die Teilwertabschreibung eines eigenkapitalersetzenden Darlehens, das der Gesellschafter des Besitzunternehmens der Betriebskapitalgesellschaft gewährt hat, nicht auf die Unverzinslichkeit der Darlehensforderung gestützt werden. Denn ein gedachter Erwerber des Besitzunternehmens würde den Wert der Forderung ähnlich wie den Wert der Anteile am Betriebsunternehmen selbst ermitteln. Das FG hat diese Rechtsprechung dahin fortentwickelt, dass die Unverzinslichkeit des Darlehens eines Alleingesellschafters grundsätzlich nicht zu einer Teilwertminderung führt, und zwar unabhängig davon, ob die Forderung eigenkapitalersetzenden Charakter hat.

Der BFH lässt diese - noch nicht ausdiskutierte - Frage ausdrücklich offen. Denn selbst wenn in diesem Fall eine Teilwertminderung anzunehmen wäre, müsste eine Teilwertabschreibung jedenfalls deshalb ausscheiden, weil die Wertminderung nicht als "voraussichtlich dauernd" anzuerkennen wäre.

Der BFH zieht die Parallele zu gesunkenen Wechselkursen festverzinslicher Wertpapiere. Bei diesen fehlt es an einer dauernden Wertminderung, da der Inhaber unabhängig vom Kursverlauf das gesicherte Recht hat, am Ende der Laufzeit den Nominalwert zu erhalten. Ebenso ist es bei einer unverzinslichen Forderung. Auch hier ist der aktuelle Wert zwar vor dem Fälligkeitszeitpunkt gemindert, er steigt jedoch sukzessive und erreicht bei Fälligkeit den Nominalbetrag. Die Wertminderung ist somit nur vorübergehend und daher nicht dauerhaft, jedenfalls solange kein Risiko hinsichtlich der Rückzahlung besteht.

Anmerkung
Der BFH hebt hervor, dass die Übertragung der für festverzinsliche Wertpapiere entwickelten Grundsätze nicht bedeutet, dass die Dauerhaftigkeit der Wertminderung nur bei einer endgültig wertgeminderten Forderung angenommen werden kann. Die Dauerhaftigkeit wird nur dann ausgeschlossen, wenn feststeht, dass die Wertminderung keinen Bestand hat, nicht schon dann, wenn nur die Möglichkeit einer vollständigen Wertaufholung besteht.

Der Fall verdeutliche eine Asymmetrie, die auch als "umgekehrte Imparität" bezeichnet wird: Der Darlehensgeber (A-GmbH) muss die Forderung mit dem Nominalbetrag ansetzen, während der Schuldner (B-GmbH) die Rückzahlungsverpflichtung - ungeachtet dessen, dass es sich um ein Gesellschafterdarlehen handelt - abzuzinsen hat.

Urteil v. 24.10.2012, I R 43/11, veröffentlicht am 2.1.2013

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Schlagworte zum Thema:  Forderung, Abschreibung, Teilwert, Darlehen

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