Eltern erhalten für erwachsene Kinder zeitlich unbegrenzt Kindergeld, wenn das Kind behindert ist und es deshalb seinen Unterhalt nicht selbst bestreiten kann. Dies gilt nach aktueller Rechtsprechung auch, wenn der Gendefekt erst nach Erreichen Altersgrenze diagnostiziert wurde.

Im Urteilsfall wurde bei der Tochter des Klägers eine Muskelerkrankung diagnostiziert, bei der es zu einer fortschreitenden Abnahme der Muskelkraft kommt. Festgestellt wurde dies, als die Tochter 30 Jahre alt war.

Das FG entschied zugunsten des Klägers auf Gewährung des Kindergelds (Mehr zum Thema in Ihrem Produkte Haufe Index 2345630). Nach Auffassung des Gerichts ist für die Frage des Vorliegens einer Behinderung der objektive Befund der Erbkrankheit und nicht dessen Kenntnis entscheidend. Die Behinderung habe unabhängig von der Diagnose bereits vor Vollendung des 27. Lebensjahrs vorgelegen. Unerheblich sei auch, dass das Unvermögen, denLebensunterhalt selbst zu bestreiten, vor Erreichen der Altersgrenze noch nicht vorgelegen habe. Die Revision zum BFH (XI R 8/17) wurde zugelassen.

FG Köln, Urteil v. 12.1.2017, 6 K 889/15, veröffentlicht am 30.3.2017

Schlagworte zum Thema:  Kindergeld, Finanzgericht