12.04.2013 | BFH Kommentierung

Büroetage in allein genutztem Gebäude als häusliches Arbeitszimmer

Miete für die Büroräume
Bild: Haufe Online Redaktion

Bei Büroräumen gilt die Abzugsbeschränkung, wenn sie sich in einem ausschließlich vom Steuerpflichtigen genutzten Zweifamilienhaus zusammen mit dessen Wohnräumen befinden und zwischen den Räumlichkeiten keine allgemein zugängliche oder von Dritten benutzte Verkehrsfläche liegt.

Hintergrund

Kläger ist ein Arzt, der nebenberuflich als Erfinder Einkünfte aus selbständiger Arbeit erzielte. Für diese Tätigkeit unterhielt er ein ausschließlich beruflich genutztes Büro, das sich im Obergeschoss des von ihm allein bewohnten Zweifamilienhauses befand. Zwischen den Büro- und Wohnräumen des Klägers bestand keine direkte Verbindung. Ein Zugang zwischen den Gebäudeteilen war nur von außen über einen separaten Treppenaufgang möglich, der über eine eigene Eingangstür verfügte. Zudem hatte der Kläger für die Räumlichkeiten zwei unterschiedliche Mietverträge abgeschlossen.
Die Miete für die Büroräume setzte er in voller Höhe als Betriebsausgaben an. Das Finanzamt behandelte die Aufwendungen dagegen als beschränkt abzugsfähige Betriebsausgaben, da es von einem häuslichen Arbeitszimmer ausging. Die hiergegen erhobene Klage war erfolgreich, allerdings legte die Finanzverwaltung Revision ein.

Entscheidung

Der BFH teilt die Auffassung der Finanzverwaltung und ging im Streitfall von einem häuslichen Arbeitszimmer aus. Daher war der Betriebsausgabenabzug der Höhe nach beschränkt. Ein häusliches Arbeitszimmer liegt vor, wenn ein Büro in die häusliche Sphäre eingebunden ist. Dies ist regelmäßig der Fall, wenn die betrieblich oder beruflich genutzten Räume zur Wohnung oder dem Wohnhaus des Steuerpflichtigen gehören. Eine unmittelbare Verbindung zur Wohnung ist dabei aber nicht zwingend erforderlich. Grenzen die als Arbeitszimmer genutzten Räumlichkeiten an die Privatwohnung unmittelbar an, oder liegen sie auf derselben Etage unmittelbar gegenüber, kann ebenfalls von einer inneren Verbindung zwischen den Arbeits- und Privaträumen auszugehen sein. Hiervon ging der BFH auch im Streitfall aus, da das gesamte Grundstück und Gebäude ausschließlich vom Kläger genutzt wurde und auf dem Weg zwischen den Räumlichkeiten keine der Allgemeinheit zugängliche oder von fremden Dritten benutzte Verkehrsfläche betreten werden muss.

Hinweis

Auch wenn sich ein Büro in demselben Haus und unter demselben Dach wie die Privatwohnung eines Steuerpflichtigen befindet, muss dieses nicht zwingend ein häusliches Arbeitszimmer darstellen. Ein uneingeschränkter Betriebsausgabenabzug ist bei einer klaren Trennung von Büro- und Wohnbereich möglich. Ein separater Eingang alleine ist hierfür aber nur dann ausreichend, wenn er über eine für die Allgemeinheit zugängliche und auch von anderen Personen genutzte Verkehrsfläche von den Wohnräumen abgegrenzt ist. Dem dürfte Genüge getan sein, wenn im Gebäude auch Räumlichkeiten an Dritte vermietet werden und die Eingänge zu allen Räumlichkeiten über das gleiche Treppenhaus zu erreichen sind.

Urteil v. 15.1.2013, VIII R 7/10, veröffentlicht am 10.4.2013

Alle am 10.4.2013 veröffentlichten Entscheidungen im Überblick

Schlagworte zum Thema:  Arbeitszimmer, Einkommensteuer, Büro, Arzt, Betriebsausgaben

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