Preißer/Rödl/Seltenreich, E... / 6.1 Anzuwendendes Erbrechtstatut: Nachlasseinheit oder Nachlassspaltung
 

Rz. 90

In den Staaten mit romanischem Recht gilt der Grundsatz der Nachlasseinheit. Sämtliches Vermögen des Erblassers vererbt sich nach dessen Heimatrecht (Lex patriae) bzw. nach dem Recht des Staates in dem der Erblasser seinen letzten gewöhnlichen Aufenthalt hatte (EU-ErbVO). Demnach richtet sich auch die Nachfolge in das in Ländern mit romanischem Recht belegene Vermögen ausländischer Staatsangehöriger in den meisten Fällen nach dem Heimatrecht bzw. dem Recht des letzten gewöhnlichen Aufenthalts des Erblassers. Nach der EU-ErbVO besteht eine begrenzte Wahlmöglichkeit hinsichtlich des Erbrechts. So kann ein Erblasser stets das Recht desjenigen Staates wählen, dessen Staatsangehörigkeit er besitzt. Für die Nachfolgeplanung eines deutschen Staatsangehörigen mit Vermögen in kontinentaleuropäischen Staaten kommt dem Ort seines letzten gewöhnlichen Aufenthalts damit nur dann keine entscheidende Bedeutung zu, wenn er eine Rechtswahl zugunsten des deutschen Rechts getroffen hat.

 

Rz. 91

Die angloamerikanischen Länder hingegen folgen i. d. R. dem Grundsatz der Nachlassspaltung (so z. B. die meisten Staaten der USA, England, Südafrika, Australien). Das Anknüpfungskriterium für das Erbstatut beurteilt sich dabei für die einzelnen Vermögensgegenstände unterschiedlich. Gewöhnlich richtet sich die Nachfolge in bewegliches Vermögen nach dem Recht des letzten Domizils des Erblassers, während für die Nachfolge in unbewegliches Vermögen das Recht des Belegenheitsstaates eingreift. In dem häufig anzutreffenden Fall, dass ein deutscher Erblasser auch Immobilienvermögen in den USA besaß, sind folglich mehrere Erbstatute anwendbar. Dies führt zu wesentlich größeren Problemen im Rahmen der internationalen Nachfolgeplanung, da die einzelnen Statute nicht aufeinander abgestimmt sind. Ein zu errichtendes Testament muss somit hinsichtlich Form und Inhalt den Wirksamkeitsvoraussetzungen verschiedener Erbrechtsordnungen genügen oder es sind für die einzelnen Nachlassgegenstände sogar mehrere gleichlaufende Testamente zu errichten.

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