Preißer/Rödl/Seltenreich, E... / 2 Erbschaftsteuerrecht
 

Rz. 16

Liechtenstein hat mit Wirkung zum 01.01.2011 die Erbschaft- und Schenkungsteuer abgeschafft. Allerdings wurde eine Anzeigepflicht für Erwerbe ab 10.000 CHF eingeführt, die aber nur deklaratorischen Charakter hat. Die nachstehenden Ausführungen betreffen daher nur Altfälle vor diesem Zeitpunkt, also Schenkungen, die vor diesem Zeitpunkt bewirkt wurden und Todesfälle, in denen die Rechtskraft der Einantwortungsurkunde vor diesem Zeitpunkt lag.

 

Rz. 17

Für den Zeitraum vor dem 01.01.2011 gilt Folgendes: Unbeschränkte Steuerpflicht bestand, wenn der Erblasser oder Schenker zum Zeitpunkt seines Todes Wohnsitz oder Aufenthalt in Liechtenstein hatte.

 

Rz. 18

Hatte nur der Erwerber seinen Wohnsitz in Liechtenstein, unterlag er der unbeschränkten Steuerpflicht nur, wenn er nicht nachweisen konnte, dass er im Ausland durch eine gleichartige Steuer belastet war. Im Übrigen wurde im Rahmen der beschränkten Steuerpflicht die Übertragung von in Liechtenstein belegenem Grundbesitz der Besteuerung unterworfen.

 

Rz. 19

Liechtenstein erhob bis zum 01.01.2011 zum einen eine Schenkungsteuer, zum anderen eine Nachlasssteuer und eine Erbanfallsteuer. Der persönliche Freibetrag belief sich für Ehegatten und Abkömmlinge – für letztere für jeden Stamm – auf 10.000 CHF. Die Nachlasssteuer wurde auf eine entsprechende Quote am Nachlass nicht erhoben. Es bestand weiterhin eine Steuerbefreiung für Zuwendungen zur Ausbildung i. H. v. 10.000 CHF und Haushaltsgegenstände bis zum Wert von 2.000 CHF, sofern sie Haushaltsangehörigen zugewendet wurden. Kunstgegenstände waren beim Erwerb durch in Liechtenstein ansässige Erwerber sachlich steuerbefreit, sofern sie mindestens zehn Jahre im Familienbesitz des Erblassers waren.

 

Rz. 20

Die Höhe der Schenkungsteuer richtete sich nach dem Verwandtschaftsgrad ohne Berücksichtigung der Erwerbshöhe. Zuwendungen, die den gesetzlichen Erbteil überschreiten, wurden mit dem 1,5-Fachen des für den jeweiligen Verwandtschaftsgrad vorgesehenen Prozentsatzes besteuert. Zusätzlich wurde für einen Erwerb des einzelnen Erwerbers von über 20.000 CHF ein entsprechend der Erwerbshöhe gestaffelter Teilmengenzuschlag berechnet. Der Steuersatz betrug für:

 
Erwerber Steuersatz
Abkömmlinge, Eltern, Ehegatten 0,5 %
Großeltern, Geschwister 2 %
Neffen, Nichten, Stiefkinder, Schwiegerkinder 5 %
Onkel, Tanten 9 %
Sonstige Verwandte und Verschwägerte bis zum 2. Grad 12 %
Sonstige Erwerber 18 %
 

Rz. 21

Die Erbanfallsteuer berechnete sich in entsprechender Weise. Zugrunde zu legen war der nach Abzug der Nachlasssteuer verbleibende Betrag.

 

Rz. 22

Die Nachlasssteuer berechnete sich nach einem progressiven Teilmengentarif. Dieser ermäßigte sich für Kinder, Eltern und den Ehegatten des Erblassers auf 50 %. Die Steuersätze beliefen sich wie folgt:

 
Erwerbsteil bis Steuersatz auf Erwerbsteil
  200.000 CHF 1 %
  600.000 CHF 2 %
1.200.000 CHF 3 %
2.000.000 CHF 4 %
übersteigender Betrag 5 %

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