Preißer/Rödl/Seltenreich, E... / 1.2 Nationales Erbrecht
 

Rz. 4

Das niederländische materielle Erbrecht wurde zum 01.01.2003 reformiert. Gesetzliche Erben sind in einer ersten Ordnung zunächst der Ehegatte zusammen mit den Kindern, dann in einer zweiten Ordnung die Eltern des Erblassers zusammen mit dessen Geschwistern, in einer dritten Ordnung sodann die Großeltern und zuletzt die Urgroßeltern des Erblassers (4. Ordnung). Innerhalb der einzelnen Ordnungen erben die gesetzlichen Erben grundsätzlich zu gleichen Teilen. Zudem besteht für deren jeweilige Abkömmlinge ein uneingeschränktes Eintrittsrecht. Sind keine Erben vorhanden, steht dem Staat zu, was nach der Nachlassabwicklung noch übrig ist,

 

Rz. 5

Erbt ein überlebender Ehegatte neben Kindern des Erblassers, erhält er das alleinige Eigentum am Nachlass. Den Kindern steht lediglich ein Anspruch gegen den Ehegatten in Höhe ihres Erbteils zu (Forderungsrecht), der grundsätzlich erst bei Versterben des Ehegatten oder dessen Insolvenz bzw. ähnlichen Fällen fällig wird.

 

Rz. 6

Als letztwillige Verfügung steht nur das Testament zur Verfügung, wobei das gemeinschaftliche Testament unzulässig ist, Erbverträge sind ebenfalls unzulässig. Das Testament steht zum einen als notarielles Testament zur Verfügung, welches entweder als öffentliches Testament, d. h. als Testament, das vom Notar aufgenommen wird, oder als Depottestament, welches beim Notar verschlossen abgegeben wird, errichtet werden kann. Inhaltlich kann insbesondere die Erbfolge geregelt, ein Vermächtnis aufgenommen, eine Last – ggf. auch als auflösende Bedingung – aufgenommen oder auch ein Testamentsvollstrecker ernannt werden. Weiterhin besteht die Möglichkeit der Errichtung eines sog. Codicil, einem vom Erblasser eigenhändig geschriebenen, datierten und unterzeichneten Schriftstück, für dessen Errichtung ein Notar nicht erforderlich ist. Ein Codicil kann aber nur begrenzten Regelungsinhalt haben, insbesondere kann kein Testamentsvollstrecker ernannt werden.

 

Rz. 7

Abkömmlingen, welche gesetzliche Erben geworden wären, steht ein Pflichtteilsrecht in Höhe des hälftigen gesetzlichen Erbteils zu. Auch insoweit besteht nur ein schuldrechtlicher Anspruch der Pflichtteilsberechtigten. Zuwendungen zu Lebzeiten des Erblassers innerhalb von fünf Jahren vor dem Erbfall sind vom Pflichtteilsanspruch in Abzug zu bringen. Dem überlebenden Ehegatten steht kein Pflichtteilsrecht zu. Er kann lediglich ein Nießbrauchrecht an der Ehewohnung und am Hausrat geltend machen.

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