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31.03.2015 | Top-Thema Tax Accounting: Integrierte Steuerbuchführung im Mittelstand

Wofür Tax Accounting?

Kapitel
Die Notwendigkeit von Tax Accounting wird durch die Einführung der E-Bilanz noch verstärkt.
Bild: Michael Bamberger

Die Bilanzierung in Deutschland wurde jahrelang durch die Anbindung der handels- und steuerlichen Gewinnermittlung mit Hilfe des Maßgeblichkeitgrundsatzes geprägt. Die Idee, durch die Erfüllung der gesetzlichen Normen und Vorschriften nur eine sog. Einheitsbilanz für handelsrechtliche und steuerliche Zwecke zu erstellen, ließ sich aber in der Praxis für größere Unternehmen äußerst selten bzw. nur mit großem Aufwand realisieren. Viele Studien in den 80-er und 90-er Jahren zeigten bei den mittelständischen Unternehmen aber eine überwiegende Anwendung einer solchen Einheitsbilanz.

Doch bereits aktuellere Studien, die Abschlüsse direkt vor der Einführung des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) untersuchen, zeigen eindeutig, dass es eine Vielzahl von Bilanzierungssachverhalte gibt, die handelsrechtlich und steuerrechtlich unterschiedlich zu erfassen sind.

Von der Einheitsbilanz zur E-Bilanz

Diese Unterschiede bei der steuerrechtlichen und handelsrechtlichen Bilanzierung wurden dann durch BilMoG und die Streichung der formellen Maßgeblichkeit in der Steuerbilanz (§ 5 Abs. 1 Satz 1 EStG) noch verstärkt. Aufgrund der aktuellen steuerlichen Rechtsprechung und gesetzlichen Anforderungen spricht man auch von einer Veränderung der Bilanzierungspraxis von der Einheitsbilanz hin zu einer E-Bilanz.

Geringe Steuerbelastung vs. geringer Bilanzierungsaufwand

Dies führt vor allem bei kleineren und mittelständischen Unternehmen zu einer eigenständigen Steuerbilanz mit der entsprechenden Steuerbuchhaltung (sog. Tax Accounting), wobei diese eigenständige Steuerbilanz auch das prägende Informations- und Steuerungsinstrument des Unternehmers darstellt. Gerade kleinere und mittelständische Unternehmen streben zum einen einen geringeren Bilanzierungsaufwand aber auch eine möglichst geringe Steuerbelastung durch die entsprechende Ausübung der steuerlichen Wahlrechte an.

Bedeutung des Tax Accounting steigt mit E-Bilanz

Dies verdeutlicht auch die Bedeutung des Tax Accounting. Eine bloße Überleitungsrechnung wird heutzutage für eine optimale Versorgung der Unternehmen mit den notwendigen Informationen und somit auch für eine effiziente Unternehmenssteuerung nicht ausreichen. Die Notwendigkeit von Tax Accounting wird durch die Einführung der E-Bilanz noch einmal erheblich verstärkt. Nach § 5b EStG müssen alle bilanzierenden Unternehmen in Deutschland spätestens seit dem Veranlagungsjahr 2013 (bzw. das vom Kalenderjahr abweichende Wirtschaftsjahr 2013/2014) den Inhalt ihrer Bilanzen und Gewinn- und Verlustrechnungen nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz durch Datenfernübertragung elektronisch an das Finanzamt übermitteln.

Von Dipl.-Bw. StB Darko Radevic und Dipl.-Math. oec Zhivko Kolev, Rödl & Partner, Stuttgart

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