09.05.2011 | Kanzlei & Co.

Studie: Familienunternehmen erfolgreich führen

Rechtzeitige Nachfolgeplanung, langfristige Vermögensverwaltung und erfolgreiches Krisenmanagement sind wichtige Eckpfeiler, um Familienunternehmen erfolgreich zu führen. Leistungsträger an das Unternehmen zu binden ist ein zentraler Erfolgsfaktor.

Familienunternehmen müssen viele Interessen unter einen Hut bringen

In Familienunternehmen müssen zahlreiche Interessen in Einklang gebracht werden. Die Interessen der Familie, der Eigentümer und des Unternehmens zählen dazu. Dies ist wichtig, weil Konflikte zwischen den Familienangehörigen schnell auf das Unternehmen überspringen können. Das Management und die Eigentümerstruktur können somit beeinflusst werden. Zu den erfolgreichsten Familienunternehmen zählen jene, die alle drei Interessensbereiche zusammenführen.

Nachfolgeplanung sollte rechtzeitig begonnen werden

Das größte Risiko für Familienunternehmen ist die Übergabe des Unternehmens auf die nächste Generation. Mit 31% befindet sich ein Großteil der befragten Familienunternehmen noch in der ersten Generation. 36% von ihnen haben den Sprung in die zweite Generation bereits geschafft. Darüber hinaus sinkt die Anzahl stark. Weitere 19% der Befragten führen ihr Unternehmen in der dritten, 7% in der vierten und 5% in der fünften Generation.

Die Gründe für den Niedergang vieler Familienunternehmen ab der zweiten Generation sind vielfältig. Zu den wichtigsten Gründen zählen die folgenden:

  • In einigen Fällen sind die Gründer so intensiv in das Tagesgeschäft eingebunden, dass ihnen die Zeit für die Auswahl eines Nachfolgers fehlt.
  • Einige Unternehmer scheuen sich davor, die Kontrolle abzugeben. Die jahrelange Bindung zum Unternehmen ist so intensiv, dass sie sich eine Weitergabe der Verantwortung nicht vorstellen können.
  • Die Nachfolgeplanung kann ein sehr emotionaler Vorgang werden. Dies ist besonders der Fall, wenn mehrere Kandidaten aus der Gründerfamilie zur Auswahl stehen.

Wichtig für die Nachfolgeplanung ist daher, rechtzeitig transparente Kriterien für die Kandidatenwahl aufzustellen und diese an alle Interessensgruppen zu kommunizieren. Nachvollziehbare Entscheidungen erhöhen die Akzeptanz der Entscheidungen und können Probleme innerhalb der Familie reduzieren. Allerdings besteht bei der Nachfolgeplanung noch Nachholbedarf. Immerhin knapp die Hälfte der Befragten besitzt keine Nachfolgeplanung. Weitere 18% haben lediglich für einen kleinen Teil der relevanten Positionen Vorsorge getroffen. Ähnlich ist die Situation bei Notfallplänen: Sollte der aktuelle Besitzer versterben, bevor eines seiner Kinder alt genug für die Nachfolge ist, haben fast zwei Drittel der Befragten keine Vorbereitungen getroffen.

Vermögensverwaltung und Anreizgestaltung sind Knackpunkte

Mehrere Familienunternehmen haben aufgrund der Wirtschaftskrise signifikante Vermögensverluste hinnehmen müssen. Knapp über 60% der Studienteilnehmer besitzt nicht genügend Vermögen, um allen Familienangehörigen einen ausreichenden Anteil zu gewähren. Umso erstaunlicher ist es, dass sich viele mit den Themen Erbschaftssteuer und Unternehmensbewertung nur ungenügend beschäftigen.

Im Gegensatz dazu legt die Mehrheit der Familienunternehmen großen Wert auf die Bindung wichtiger Leistungsträger. Zu den wichtigsten Maßnahmen zählen:

  • attraktive Gehälter mit 75%,
  • herausfordernde Aufgaben im Beruf mit 63%,
  • gute Management-Techniken mit 59% und
  • Karriereoptionen mit 57%

Trotz der Attraktivität dieser Maßnahmen sollten Familienunternehmen für die nächste Management-Generation bedarfsorientierter vorgehen. Zukünftige Manager achten viel mehr auf ihre Work-Life-Balance und Weiterentwicklungsperspektiven im Unternehmen als die jetzigen.

Krisenmanagement kann Fortbestand von Familienunternehmen sichern

Familienunternehmen müssen zahlreiche Konfliktpotenziale in den Griff bekommen. Zu den drei häufigsten Konfliktherden zählen:

  • Entscheidungen für die strategische Ausrichtung des Familienunternehmens mit 44%
  • Erfolge der Familienmitglieder, die aktiv im Geschäft mitarbeiten mit 36%
  • Ungenügende Kommunikation zwischen aktiven und inaktiven Familienmitgliedern mit 31%

Weniger Unstimmigkeiten liegen hingegen bei der Frage vor, ob Gewinne neu investiert sollten oder als Dividende ausgezahlt werden. Ähnliches gilt für die Festsetzung der Gehälter der aktiven Familienmitglieder. Familienräte und offizielle Vereinbarungen zwischen den Eigentümern zählen zu den wichtigsten Mechanismen, um Konflikte zu vermeiden.

Grundlagen

Studie „PWC Family Business Survey 2010/11“ wurde von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Price Waterhouse Coopers durchgeführt. Befragt wurden über 1.600 Manager und Eigentümer in Familienunternehmen in über 30 Ländern.

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