Praxis-Tipp: E-Ladestationen richtig bilanzieren

Mit dem JStG 2019 wurden wichtige steuerliche Anreize geschaffen, um die weitere Kohlenstoffdioxidbelastung in der Luft zu mindern. Doch wie erfolgt die Bilanzierung der Anschaffung und Instandhaltung einer E-Ladestation?

Zuordnung zum Betriebsvermögen

Wird die E-Ladestation auf dem Grundstück oder an dem Gebäude des Betriebs errichtet, handelt es sich um Betriebsvermögen. Ob das betrieblich genutzte Grundstück oder Gebäude im Eigentum des Unternehmens steht oder lediglich angemietet ist, spielt insoweit keine Rolle.

Betriebsvorrichtung, Mietereinbau, Scheinbestandteil oder selbstständiger Gebäudeteil?

Eine E-Ladestation stellt eine Betriebsvorrichtung dar, wenn das Gewerbe des Unternehmers damit unmittelbar betrieben wird. Ist also der Geschäftszweck auf die Lieferung von Strom ausgelegt, stellt die E-Ladestation eine Betriebsvorrichtung dar. Die E-Ladestation wird als Betriebsvorrichtung unabhängig vom Gebäude bzw. dem Parkplatz bilanziert und abgeschrieben.

Praxis-Hinweis: Wie Sie die Nutzungsdauer ermitteln

Die E-Ladestation ist in den amtlichen AfA-Tabellen noch nicht explizit aufgeführt. Als Maßstab für die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer sollten 8 – 10 Jahre realistisch sein. Laut amtlicher AfA-Tabelle beträgt die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer von mobilen Batterieladestationen im Steinkohlebergbau 8 Jahre und bei stationären Anlagen 10 Jahre.

Praxis-Beispiel:

Der Hauptgeschäftszweck der Köpi-GmbH ist der Betrieb der E-Ladestationen. Die auf dem Gelände vorhandenen E-Ladestationen betreiben das Geschäft der GmbH unmittelbar und stellen deshalb Betriebsvorrichtungen dar. Insgesamt befinden sich 20 E-Ladestationen auf dem Betriebsgelände. Jede E-Ladestation hat in der Anschaffung 7.500 EUR (inkl. Aufbau und Inbetriebnahme) brutto gekostet, die E-Ladestationen wurden im Juni 2020 angeschafft.

Die Köpi-GmbH bucht den Erwerb wie folgt:

Konto SKR 03/04 Soll

Kontobezeichnung

Betrag

Konto SKR 03/04 Haben

Kontobezeichnung

Betrag

0280/0470

Betriebsvorrichtungen

126.050,42

1200/1800

Bank

150.000

1576/1406

Abziehbare Vorsteuer 19%

23.949,58





Zum 31.12.2020 bucht die GmbH folgende Abschreibung auf die E-Ladestationen (ausgehend von einer betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer von 8 Jahren):

Konto SKR 03/04 Soll

Kontobezeichnung

Betrag

Konto SKR 03/04 Haben

Kontobezeichnung

Betrag

4830/6220

Abschreibung auf Sachanlagen (ohne AfA auf KfZ und Gebäude)

9.191,17

0280/0470

Betriebsvorrichtungen

9.191,17


Wird die E-Ladestation in fremden Gebäuden eingebaut, kann es sich um einen Mietereinbau handeln. Im Falle eines Mietereinbaus handelt es sich wieder um eine Betriebsvorrichtung für den einbauenden Unternehmer, mit der Folge, dass die Grundsätze über die Betriebsvorrichtungen Anwendung finden. Voraussetzung ist auch hier wieder, dass die E-Ladesäule dem betriebenen Gewerbe unmittelbar dienen muss bzw. dazu bestimmt ist.

Handelt es sich bei der E-Ladestation weder um eine Betriebsvorrichtung noch um ein Mietereinbau, kann es sich unter Umständen noch um einen zum Gebäude zählenden Bestandteil oder einen selbstständigen Gebäudebestandteil handeln.

Liegt ein einheitlicher Nutzungs- und Funktionszusammenhang zwischen dem Gebäude und der E-Ladestation vor, zählt sie als Bestandteil des Gebäudes. In der Praxis wird die E-Ladestation wohl häufig im Bereich des Parkplatzes installiert, wodurch die Frage lauten müsste: befindet sich die E-Ladestation in einem einheitlichen Nutzungs- und Funktionszusammenhang mit dem Parkplatz oder ist die Parkmöglichkeit eine Hauptleistung und die Lademöglichkeit eine Nebenleistung hierzu?

Antwort: Meines Erachtens nach dürfte es sich bei Park- und Ladeleistung um eine einheitliche Leistung handeln.

Sonstige selbstständige Gebäudebestandteile liegen vor, wenn Gebäudeteile vorliegen, die nicht in einem einheitlichen Nutzungs- und Funktionszusammenhang mit dem Gebäude stehen. Bereits die Tatsache, dass die E-Ladestationen fest mit dem Boden verbunden werden, führt dazu, dass sie nicht als selbstständiges bewegliches Wirtschaftsgut angesehen werden können.

Scheinbestandteile liegen i. d. R. wohl nicht vor, weil die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer der E-Ladestation nicht über der des Gebäudes oder Parkplatzes liegen wird.

Praxis-Tipp: Wann eine E-Ladestation ein selbstständiges bewegliches Wirtschaftsgut ist

Mobile Ladestationen, die nicht fest mit dem Boden verbunden sind, können selbstständige bewegliche Wirtschaftsgüter darstellen. Die Abschreibung erfolgt damit unabhängig von der Abschreibungsdauer des Gebäudes.

Statt Abschreibung über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer sofort abzugsfähiger Erhaltungsaufwand?

Ggf. könnte man darüber nachdenken, dass die Nachrüstung der Parkflächen mit E-Ladestationen zu einer über die ursprüngliche Nutzung hinausgehende erweiterte Nutzung der Parkflächen führt und damit eine sog. Standardhebung erfolgt. In diesem Fall stellen die Aufwendungen für die E-Ladestationen nachträgliche Anschaffungskosten der Parkfläche dar. Aus einer Parkmöglichkeit wird eine Park- und Lademöglichkeit.

Sofort abzugsfähiger Erhaltungsaufwand wird bei der „Nachrüstung“ der Parkflächen mit E-Ladestationen nicht angenommen.

Die Wartung und Instandhaltung der E-Ladestationen stellen sofort abzugsfähige Betriebsausgaben dar.

Fortführung des Beispiels:

Die Köpi-GmbH muss im Februar 2021 an 5 E-Ladestationen die Kabel (die zum E-Auto führen) austauschen lassen. Hierfür erhält die GmbH eine Rechnung über 350 EUR brutto von der Handwerkerfirma.

Konto SKR 03/04 Soll

Kontobezeichnung

Betrag

Konto SKR 03/04 Haben

Kontobezeichnung

Betrag

4805/6470

Reparaturen und Instandhaltungen von anderen Anlagen und Betriebs- und Geschäftssausstattung

294,11

1200/1800

Bank

350

1576/1406

Abziehbare Vorsteuer 19%

55,89





Hinweis:Vermietung der E-Ladestation prüfen

Betrieb von E-Ladestationen stellt eine gewerbliche Tätigkeit dar. Werden im Rahmen einer vermögensverwaltenden Tätigkeit (zum Beispiel Vermietung von Wohnungen) E-Ladestationen an den ebenfalls vermieteten Parkplätzen der Wohnungsmieter installiert und an diese mitvermietet, kann es zu einer Infektion der Einkünfte kommen. Infektion meint, dass die gewerblichen Einkünfte aus der Vermietung von E-Ladestationen auf die nicht gewerblichen Einkünfte aus der Vermietung von Wohnungen übergreift und diese sodann auch der Gewerbesteuer unterliegen würden. Dies führt im Ernstfall zu einer höheren Steuerbelastung, weil zusätzlich Gewerbsteuer anfallen würde.

Um dies zu vermeiden, bietet es sich an die Vermietung der E-Ladestationen von einer anderen Gesellschaft als der vermögensverwaltenden Gesellschaft vorzunehmen, um der Infektion vorzubeugen. Ggf. kann in der E-Ladestation-Gesellschaft dann auch die umsatzsteuerliche Kleinunternehmerregelung in Anspruch genommen werden.

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Schlagworte zum Thema:  Elektromobilität, Bilanzierung