Die auf den Bermudas ansässige Anwaltskanzlei Appleby äußerte sich zu den Enthüllungen. Bild: Project Photos GmbH & Co. KG

Nach den "Panama Papers" gibt es eine neue Veröffentlichung zu millionenfachen Daten über Steuerschlupflöcher und womöglich brisante Geschäftskontakte. 

Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung", die dem Netzwerk investigativer Journalisten (ICIJ) angehört, geht es um Dokumente zu Briefkastenfirmen von einer Anwaltskanzlei auf den Bermudas und einer Firma in Singapur. Das neue riesige Datenleck wurde von den Autoren "Paradise Papers" getauft.

Insgesamt gehe es um 13,4 Millionen Dokumente aus Steuerparadiesen weltweit, es würden die Namen von mehr als 120 Politikern aus fast 50 Ländern auftauchen, dazu Unternehmer, Sportler und Unternehmer. Auch zu Geschäftspraktiken einiger Weltkonzerne gebe es Informationen.

Auswertung seit einem Jahr 

Insgesamt waren mehr als 90 Medien und 380 Journalisten beteiligt, in Deutschland neben der "SZ" auch der Norddeutsche Rundfunk (NDR) sowie der Westdeutsche Rundfunk (WDR), zudem unter anderem die "New York Times", die BBC, der "Guardian" und "Le Monde". Die Daten wurden über ein Jahr ausgewertet und bieten tiefe Einblicke, wie versucht wird, mit den Steuer- und Finanzkonstrukten den eigenen Reichtum zu mehren.

Anwaltskanzlei räumt Datenverlust ein

Die auf den Bermudas ansässige Anwaltskanzlei Appleby hatte vor wenigen Tagen eingeräumt, dass möglicherweise illegal Datenmaterial dem ICIJ zugespielt worden sei; man habe entsprechende Medienanfragen bekommen. Die Firma betont, auf legale Offshore-Praktiken zu setzen und im Einklang mit den Gesetzen zu handeln. Man nehme alle Vorwürfe aber "extrem ernst". Nach sorgsamer und intensiver Prüfung sei man zu dem Ergebnis gekommen, dass es keinerlei Belege für Fehlverhalten seitens der Firma oder ihrer Klienten gebe. Appleby sprach nicht von einem Datenleck, sondern von einem illegalen "Cyber-Angriff".

Maas für transparentere Steuerregeln in EU

Nach der Veröffentlichung zu millionenfachen Daten über Steuertricks hat Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) transparentere Steuerregeln in der Europäischen Union gefordert. "Nur so können wir auch weltweit glaubwürdig für mehr Steuergerechtigkeit eintreten", sagte Maas am Montag in Berlin. Die Veröffentlichung unter dem Namen "Paradise Papers" zeigten einmal mehr, wie notwendig diese Arbeit sei.

"Großunternehmen sollten transparenter machen müssen, wo sie wie viel Steuern zahlen", forderte der geschäftsführend amtierende Minister. Es könne sein, dass etwa Internetgiganten in Europa riesige Milliardengewinne erzielten, aber nur minimale Steuern zahlten. "Wir müssen Steuerschlupflöcher innerhalb der EU schließen", sagte Maas weiter. "Das ist eine Frage der Gerechtigkeit."

"Panama Papers" hatten ähnliche Dimension

Die vorherigen "Panama Papers"-Enthüllungen führten 2016 weltweit zu Ermittlungen. Unterlagen der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca, die von ICIJ-Journalisten weltweit ausgewertet wurden, zeigten, dass zahlreiche Politiker, Sportler und andere Prominente Vermögen in Offshore-Firmen hielten - was nicht unbedingt strafbar ist. Die 11,5 Mio. Dateien umfassten E-Mails, Urkunden und Kontoauszüge zu 214.000 Gesellschaften vor allem in der Karibik.

Schlagworte zum Thema:  Internationales Steuerrecht, Steueroase, Steuerhinterziehung, Steuergestaltung

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