05.01.2015 | Serie Neue Geringfügigkeitsrichtlinien

Kein RV-Mindestbeitrag für Minijobber

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Die 175 EUR-RV-Grenze muss nicht immer beachtet werden
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Arbeitgeber müssen bei rentenversicherungspflichtigen Minijobs grundsätzlich die Mindestbeitragsbemessungsgrundlage von 175 Euro beachten. Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Grenze aber auch ignoriert werden, zum Beispiel wenn der Minijobber anderweitig Rentenansprüche aufbaut.

Für Minijobber, die rentenversicherungspflichtig sind und weniger als 175 EUR im jeweiligen Kalendermonat verdienen, ist ein Mindestbeitrag zur Rentenversicherung zu zahlen. Von diesem Grundsatz gibt es allerdings Ausnahmen.

 

Höhe und Zahlung des Mindestbeitrags für Minijobs

Ausgehend vom vollen Beitragssatz der allgemeinen Rentenversicherung beläuft sich der Mindestbeitrag für Minijobs im Jahr 2015 auf 32,73 EUR (175 EUR x 18,7%). Der Beitragsanteil des Arbeitgebers beträgt 15% des tatsächlichen Arbeitsentgelts, der Arbeitnehmer muss den Restbetrag übernehmen. Minijobber mit einem monatlichen Arbeitsentgelt unterhalb von 175 EUR werden in höherem Maße als die ansonsten üblichen 3,7 % belastet (News v. 25.11.2014). Für jeden Entgeltabrechnungszeitraum (Kalendermonat) ist gesondert zu prüfen, ob der Mindestbeitrag zu zahlen ist.

Beitragsberechnung bei mehreren rentenversicherungspflichtigen Minijobs

Für die Prüfung der Mindestbeitragsbemessungsgrundlage sind mehrere rentenversicherungspflichtige geringfügig entlohnte Beschäftigungen zusammenzurechnen. Alt-Minijobs, die rentenversicherungsfrei sind, werden nicht berücksichtigt.
Beispiel:
1. RV-pflichtiger Minijob 120 EUR, 2. rv-pflichtiger Minijob 60 EUR
Ergebnis: Das rv-pflichtige Gesamtentgelt in Höhe von 180 EUR beträgt mindestens 175 EUR. Die Beiträge sind somit aus jedem Minijob vom tatsächlichen Arbeitsentgelt zu zahlen.

Minijob neben rentenversicherungspflichtiger Hauptbeschäftigung

Sofern der Minijob neben einer rentenversicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung ausgeübt wird, muss der der Arbeitgeber die Mindestbeitragsbemessungsgrundlage nicht prüfen. In diesem Fall wird unterstellt, dass die beitragspflichtigen Einnahmen in der Rentenversicherung mindestens 175 EUR im Monat betragen. Zur rentenversicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung gehören beispielsweise

  • Beschäftigungen im Rahmen betrieblicher Berufsbildung bzw. Berufsausbildung oder außerbetrieblicher Berufsausbildung,
  • versicherungspflichtige Beschäftigungen, die für die Dauer des Bezuges von Entgeltersatzleistungen nach dem Sozialgesetzbuch unterbrochen werden (z. B. Krankengeld, Übergangsgeld, Kurzarbeitergeld),
  • Zeiten der Ableistung eines freiwilligen sozialen oder ökologischen Jahres bzw. des Bundesfreiwilligendienstes oder
  • Beschäftigungen als Werkstudent.

Der Hauptbeschäftigung vergleichbare Sachverhalte

Der der rentenversicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung vergleichbare Sachverhalte liegen vor, wenn der Minijobber gleichzeitig z. B.

  • eine rentenversicherungspflichtige selbstständige Tätigkeit ausübt,
  • als Pflegeperson rentenversicherungspflichtig ist oder
  • Kindererziehungszeiten in der Rentenversicherung erwirbt.

In diesen Fällen ist die Einhaltung der Mindestbeitragsbemessungsgrundlage ebenfalls nicht zu prüfen.

Warum ein Rentenversicherungs-Mindestbeitrag für Minijobber?

Die Mindestbeitragsbemessungsgrundlage dient dem Zweck, rentenversicherungspflichtigen Minijobbern erst ab einem bestimmten Verdienst einen Anspruch auf das volle Leistungspaket der gesetzlichen Rentenversicherung zu gewährleisten. Ein Missbrauch der Rentenversicherung zu Lasten der Solidargemeinschaft soll damit vermieden werden.

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