07.10.2014 | Kanzleinachfolge

Sofort loslassen, aber immer parat

Die Übergabe der eigenen Kanzlei an einen Nachfolger zählt für Steuerberater mit zu den größten Herausforderungen im Berufsleben.
Bild: Haufe Online Redaktion

Mit der Nachfolgeregelung in der eigenen Steuerkanzlei warten Steuerberater ab, oft viel zu lange. Manche Fachleute fordern radikal, dass die Steuerberater bereits beim Start in die Selbstständigkeit die Nachfolge regeln sollten.

Eine der schwierigsten und sensibelsten Managementaufgaben im Leben eines Steuerberaters ist die Regelung seiner eigenen Nachfolge. Der Prozess der Übergabe ist oft langwierig, denn neben dem Preis ist häufig auch die Sympathie zwischen Käufer und Verkäufer entscheidend.

Noch viel stärker als bei einem Industrieunternehmen prägt der Kanzleiinhaber mit seiner Persönlichkeit die Geschicke seiner Kanzlei, oft über mehrere Jahrzehnte. Somit liegt die Messlatte hoch bei den Steuerberatern, die Ihre Kanzlei verkaufen wollen. Beispiel StB Alexander Schmidt (Name der Redaktion bekannt) aus Hessen. Als er vor Jahrzenten den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt hatte, war die Situation anders: Er hatte damals die Kanzlei von dem früheren Inhaber gekauft und sich auf ein Rentenmodell geeignet, was er nach eigenen Aussagen im Nachhinein in dieser Form nie wieder akzeptieren würde.

Um nun aber das Beste aus seiner Praxis herauszuholen beschloss Schmidt, auf die Unterstützung von Kanzleivermittlern zurückzugreifen.

 Vermittler bewirkt bis zu 30 Prozent höhere Verkaufspreise

Hier zeigt die Erfahrung, dass die Vermittler meist für die Dienste eine Provision von drei Prozent erheben. Doch das rechnet sich offenbar für Verkäufer und Vermittler, denn nach der Ansicht von Fachleuten kassiert der Verkäufer durch die Einschaltung eines Kanzleivermittlers einen um zwischen 20 bis 30 Prozent höheren Preis. Doch bevor der Kaufpreis auf dem Konto des Verkäufers landet, gibt es, so die Erfahrung von StB Schmidt, einiges zu tun. In seinem Fall dauerte das Aufbereiten der notwendigen Unterlagen rund drei Monate. Doch das hat sich bezahlt gemacht, denn mit dem Interessenten, StB Kevin Morawitz (Name der Redaktion bekannt), hat es schließlich geklappt.

Schmidt und Morawitz fanden einander sympathisch, beide vereinbarten einen Test in Form eines fünfmonatigen Angestelltenverhältnisses. Morawitz versprach sich einen wirklichen Einblick in eine Kanzlei. Schließlich entschied er sich für die Kanzlei, da ihm ihre strategische Ausrichtung passte, ebenso der assoziierte Rechtsanwalt. Auch die Altersstruktur der Mitarbeiter war ihm sympathisch. Nach dem Ende der fünf Monate gab es noch eine Abschiedsveranstaltung für die Mandanten, dann packte Alexander Schmitt seine Koffer und ging auf Weltreise.

Ein Mandant hat sich dafür entschieden, bei Schmitt zu bleiben, zudem wollte er seinen Nachfolger für ein halbes Jahr moralisch und vertraglich beratend unterstützen. Ganz kann Schmitt noch nicht von der Steuerberatung lassen, denn selbst in der Zeit danach nimmt er an Fortbildungen teil und beschäftigt sich weiterhin mit seinem Hobby, dem Steuerrecht.

 

Diese Meldung ist Teil unserer Serie rund um „Kanzleinachfolge

und Kanzleikauf“. Sie entstand in Kooperation mit der Glawe GmbH, Köln.

Schlagworte zum Thema:  Nachfolger, Verkauf, Kauf

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