23.10.2014 | Kanzleinachfolge

Es bleibt in der Familie

Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Eigentlich ist die Übergabe einer Kanzlei auf die nachfolgende Generation einfach: der alte Kanzleichef geht, der neue kommt. Bei einer familieninternen Übergabe kann es aber doch etwas anders sein, da sich die Beteiligten seit Jahren kennen.

In Hinblick auf die Erfolgsfaktoren gibt es keinen Unterschied zwischen einer externen und internen Nachfolgelösung, wie nachfolgendes Beispiel zeigt. Die 33-jährige StB Martina Schwarzmann (Name der Redaktion bekannt) aus dem rheinland-pfälzischen Bad Kreuznach hat zusammen mit ihrem Mann StB/WP Günther Schwarzmann vor rund drei Jahren die Mehrheitsanteile ihres Vaters WP/StB Gustav Koschnik in den rheinland-pfälzischen Städten Koblenz, Neuwied und Mayen. Koschnik konzentrierte sich auf die Kanzlei in Bad Kreuznach.

Martina Schwarzmann sprichtim Rückblick von den Schwierigkeiten, die ein solcher Schritt mit sich bringt, denn ihr Vater Gustav habe Schwierigkeiten bei der Übergabe und dem definitiven Loslassen gehabt. Schwarzmann habe ihren Vater regelrecht unter Druck setzen müssen, damit dieser sie und ihren Mann alleine gewähren ließ. Beide wollten damit beweisen, dass sie es ohne Unterstützung des Vaters schaffen konnten und damit geeignet seien, die drei Kanzleien zu übernehmen. In den letzten drei Jahren konnten die beiden Schwarzmanns neue Mandate hinzugewinnen und den Beratungsumfang bei bereits bestehenden ausbauen. Im gleichen Zeitraum wuchs die Zahl der Beschäftigten um acht weitere Angestellte.

Bei manchen Alt-Mandanten war anfangs der Vater dabei

Allerdings kamen den Schwarzmanns auch Zweifel, gerade in Hinblick darauf ob und wie sie von den Mandanten akzeptiert würden, schließlich waren beide Berufsträger zu Beginn des „Tests“ noch keine 30 Jahre alt. Um mögliche Probleme bei Mandanten zu umschiffen, hat sie der Vater begleitet und so für Entspannung gesorgt.

Im Rahmen der - unentgeltlichen - Übergabe auf die nachfolgende Berater-Generation in Form eines Gesellschaftsvertrags legten Koschnik, seine Tochter und sein Schwiegersohn fest, dass Koschnik zeitlich begrenzt mitarbeiten sollte. Im Anschluss soll eine Lösung in Hinblick auf Versorgungsmöglichkeiten für Koschnik gesucht werden.

Nachdem sich das Ehepaar Schwarzmann mit Vater bzw. Schwiegervater darauf geeinigt hatte, die drei Kanzleien künftig allein zu betreiben, profitieren heute beide Seiten voneinander, denn beide Seiten kooperieren gelegentlich sogar miteinander – fall- aber nicht mandantenbezogen.

Inzwischen ist sogar eine Lösung für die Kanzlei in Bad Kreuznach gefunden, denn die zweite Tochter von Koschnik, die als studierte Betriebswirtin seit ein paar Jahren in einer Frankfurter Steuerkanzlei arbeitet, steht kurz vor ihrem Steuerberaterexamen.

 

Diese Meldung ist Teil unserer Serie rund um „Kanzleinachfolge und Kanzleikauf“. Sie entstand in Kooperation mit der Glawe GmbH, Köln.

Schlagworte zum Thema:  Kanzlei, Kanzleimanagement, Kanzleiorganisation

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