Insolvenzwelle: Handlungsbedarf für gesunde Unternehmen

Zahlungsunfähige Unternehmen müssen nach dem Wiederaufleben der Insolvenzantragspflicht am 1.10.2020 nun Farbe bekennen. Allerorts bereitet man sich auf die befürchtete Insolvenzwelle vor. Auch für gesunde Unternehmen besteht Handlungsbedarf. 

Der Kreditversicherer Atradius erwartet nach einer aktuellen Untersuchung mehr Insolvenzen als damals nach der Finanzkrise im Jahr 2008/2009. Bis Ende 2021 sagen auch die Analysten der Kreditversicherungsgesellschaft Euler Hermes einen Anstieg der Firmenpleiten um 12 % voraus. 

Bei der Bundesagentur für Arbeit rüstet man sich derzeit schon auf eine nahende Insolvenzwelle. 1,6 Mrd. EUR seien bereits an Insolvenzgeld für das kommende Jahr eingeplant, also noch einmal 650 Mio. mehr als für das Corona-Jahr 2020. Zusätzlich arbeite man 250 neue Mitarbeiter ein, um für den Ernstfall gerüstet zu sein, sagte der Vorstandsvorsitzende Detlev Scheele in einem Interview mit der Bild-Zeitung Anfang Oktober. 

Mehr Insolvenzen – restriktivere Kreditvergabepolitik der Banken

Trifft Deutschland die Insolvenzwelle mit voller Wucht, geht damit natürlich auch ein Anstieg der Kreditausfallrate einher. Kein Wunder also, dass man im Ratingunternehmen Moody ähnlich düster in die Zukunft sieht. Hier befürchtet man, dass sich der Prozentsatz an Problemkrediten bei den meisten europäischen Banken bis 2022 verdoppeln bis verdreifachen könnte.

All dies bringt zwar die Banken nicht ins Wanken, weil die EZB für ausreichend Liquidität gesorgt hat. Es führt aber zu einer strengeren Kreditvergabepolitik bei den Instituten. Und diese wiederum trifft auch gesunde Unternehmen, die beispielsweise zur Überbrückung von vorübergehenden Liquiditätsengpässen Kredite brauchen. Für einen wachsenden Anteil der Unternehmen ist bereits jetzt der Kreditzugang schwieriger geworden. Die Banken setzen restriktivere Maßstäbe bei den Finanzierungsverhandlungen. Dies zeigte bereits die KfW-ifo-Kredithürde für das 2. Quartal 2020.

Rasches Umdenken in den Unternehmen gefragt

Ob Zahlungsausfälle oder Umsatzeinbrüche – insbesondere für mittelständische Unternehmen kann die beginnende Insolvenzwelle jederzeit zu einem ernst zu nehmenden Risiko werden. Sie kann die eigene Liquidität von heute auf morgen gefährden und obendrein das Rating verschlechtern.

Ob ein Finanzierungspartner den benötigten Kredit gewährt, basierte bisher maßgeblich auf den verpflichtend zu erstellenden Ratings. Allerdings sind Banken derzeit gut beraten, nicht allein auf die Ratings zu setzen, wenn eine Bonitätsprüfung ansteht. Denn diese basieren auf einer Datengrundlage, die vor der Krise galt. 2020 hat einen deutlichen Einschnitt in die Kontinuität der Unternehmensdaten gerissen. Dadurch arbeiten die Algorithmen der Rating-Systeme nicht mehr zuverlässig. Bankinstitute werden sich künftig intensiver mit konkreten Unternehmenszahlen und -planungen beschäftigen müssen – allein deswegen, weil sie sich nicht mehr auf ihre bisherigen Rating-Systeme als singuläres Bewertungsinstrument bei der Kreditvergabe verlassen können.

Wichtiger denn je für Ihre Mandanten: aussagekräftige Finanz- und Liquiditätsplanung

Wurden bei Kreditentscheidungen der Banken bislang zumeist die drei vergangenen Geschäftsjahre und die Planung unter die Lupe genommen, ist im Corona-Jahr 2020 aus den GuV der letzten Geschäftsjahre wenig zu ziehen. 

Frank Liebold, Country Director Germany der Atradius Kreditversicherung, bringt es auf den Punkt: "Wenn ich eine 2019er Bilanz analysiere, bin ich Geschichtsforscher." Aktuell wird daher primär eine aussagekräftige Finanz- und Liquiditätsplanung im Fokus der Banken stehen, wenn es um Finanzierungen geht. Rainer Kurth, Vorstand der Sparkasse Hagen-Herdecke, sagte anlässlich einer Podiumsdiskussion: "Wenn wir uns von der singulären Rating-Bonität verabschieden müssen, dann ist es umso wichtiger, dass die Unternehmen jetzt schon vernünftige Steuerungsgrößen für das nächste Jahr definieren." Als Steuerberater können Sie hier Ihre Mandanten aktiv unterstützen. Entsprechenden Beratungsbedarf prognostiziert Jörg Niermann, Geschäftsführer von Haufe-Canei. Er rechnet damit, dass sich Mandanten künftig stärker vermehrt an ihre Steuerberater wenden, wenn Finanzierungsgespräche bevorstehen.

So können Sie Ihre Mandanten jetzt unterstützen

Planungen und Reports mit herkömmlichen Methoden wie z.B. Excel zu erstellen, ist zu zeitaufwendig. Komplexe Planungstools kosten Einarbeitungszeit. Mit einer smarten Software-Lösung wie etwa Haufe Better Business lassen sich Liquiditätsplanungen und regelmäßige Soll-Ist-Vergleiche zeitsparend erstellen, so wie Bankpartner sie erwarten.

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