Dienstwagenbesteuerung in Corona-Zeiten

Derzeit verrichten viele Beschäftigte ihre Tätigkeit im Homeoffice. Wiederum andere sind an ihrer Tätigkeit gänzlich gehindert. Auch private Fahrten beschränken sich aufgrund der Kontaktsperre auf ein Minimum. Währenddessen steht der Firmenwagen in der Garage oder in einigen Fällen beim Arbeitgeber. 

Nachfolgend erfahren Sie, ob und wenn ja, welche lohnsteuerlichen Folgen dies hat.

Geldwerter Vorteil auch bei geringer Privatnutzung

Darf ein Firmenwagen privat genutzt werden, so liegt für den Mitarbeiter eine Bereicherung vor. Bei Anwendung der sogenannten Ein-Prozent-Regelung wird pauschal für jeden Kalendermonat ein Prozent des inländischen Bruttolistenpreises im Zeitpunkt der Erstzulassung zzgl. der Kosten für Sonderausstattungen - einschließlich Umsatzsteuer - als Sachbezug (Arbeitslohn) angesetzt. 

Der pauschale Nutzungswert für Privatfahrten ist auch dann anzusetzen, wenn das Kraftfahrzeug tatsächlich nur gelegentlich überlassen wird. Gleiches gilt, wenn der Mitarbeiter das Fahrzeug aktuell nur selten für private Fahrten nutzt. Auf die Möglichkeit kommt es an

Die Monatsbeträge brauchen jedoch nicht angesetzt zu werden:

  • für volle Kalendermonate, in denen Mitarbeitern kein betriebliches Kraftfahrzeug zur Verfügung steht, oder
  • wenn Mitarbeitern das Kraftfahrzeug aus besonderem Anlass oder zu einem besonderen Zweck nur gelegentlich (von Fall zu Fall) für nicht mehr als fünf Kalendertage im Kalendermonat überlassen wird. In diesem Fall sind der pauschale Nutzungswert für Privatfahrten und der pauschale Nutzungswert für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte je Fahrtkilometer mit 0,001 Prozent des inländischen Listenpreises des Kraftfahrtzeugs zu bewerten (Einzelbewertung). Zum Nachweis der Fahrtstrecke müssen die Kilometerstände festgehalten werden. 

Hinweis: Wird Mitarbeitern ein Kraftfahrzeug mit der Maßgabe zur Verfügung gestellt, es für Privatfahrten nicht zu nutzen, ist von dem Ansatz des pauschalen Nutzungswertes abzusehen, wenn das Nutzungsverbot durch entsprechende Unterlagen (z. B. eine arbeitsvertragliche oder andere arbeits- oder dienstrechtliche Rechtsgrundlage) nachgewiesen wird. 

Einzelbewertung bei wenigen Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte

Kann ein Dienstwagen (auch) für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte genutzt werden, ist dieser Vorteil grundsätzlich mit 0,03 Prozent des Bruttolistenpreises pro Entfernungskilometer zu bewerten. Der Zuschlag gilt unabhängig von der Anzahl der monatlichen Fahrten. Ein z. B. durch Urlaub oder Krankheit bedingter Nutzungsausfall ist im Nutzungswert pauschal berücksichtigt. Das gilt auch für die aktuelle Situation. Ebenso kann das häusliche Arbeitszimmer nicht zur ersten Tätigkeitsstätte werden (und der geldwerte Vorteil dadurch auf Null sinken). 

Unter bestimmten Voraussetzungen ist jedoch eine Einzelbewertung der tatsächlichen Fahrten mit 0,002 Prozent des Bruttolistenpreises je Entfernungskilometer möglich. Diese Bewertungsmethode kommt insbesondere bei einer selten aufgesuchten ersten Tätigkeitsstätte in Betracht. Der Mitarbeiter hat in diesem Fall gegenüber dem Arbeitgeber monatlich fahrzeugbezogen schriftlich zu erklären, an welchen Tagen (mit Datumsangabe) das betriebliche Kraftfahrzeug tatsächlich für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte genutzt wurde. 

Der Arbeitgeber muss jedoch die Anwendung der 0,03-Prozent-Regelung oder der Einzelbewertung für jedes Kalenderjahr einheitlich festlegen. Die Methode darf während des Kalenderjahres nicht gewechselt werden. Beschäftigte, die bereits bisher die Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte nach der Einzelbewertung ermittelt haben, profitieren demnach von den verringerten Fahrten in der derzeitigen Situation. Bei Arbeitgebern oder Arbeitnehmern, die den geldwerten Vorteil in den Vormonaten des Jahres 2020 pauschal mit 0,03 Prozent ermittelt haben, ist ein Wechsel derzeit nicht möglich. Aber: Ist der Arbeitnehmer einen vollen Kalendermonat krank oder im Urlaub, entfällt der Zuschlag von 0,03 Prozent. Zur Frage, ob bei Homeoffice über einen vollen Kalendermonat hinaus etwas ähnliches gilt, empfiehlt sich eine Anrufungsauskunft beim zuständigen Betriebsstättenfinanzamt.

Hinweis: Im Rahmen ihrer Einkommensteuerveranlagung sind die Mitarbeiter nicht an die im Lohnsteuerabzugsverfahren angewandte 0,03-Prozent-Regelung gebunden und können für das gesamte Kalenderjahr zur Einzelbewertung wechseln. 

Alternative: Fahrtenbuchmethode statt Ein-Prozent-Regelung

Als Alternative zu den Pauschalen kommt für Dienstwagennutzer die Ermittlung der privaten Nutzungsvorteile anhand eines ordnungsgemäßen Fahrtenbuchs in Betracht. Weniger Fahrten in Corona-Zeiten führen entsprechend auch zu geringeren geldwerten Vorteilen. Wird das Kraftfahrzeug sowohl für Privatfahrten als auch für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte überlassen, kann die individuelle Nutzungswertermittlung aber weder auf Privatfahrten, noch auch Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte beschränkt werden. Ein unterjähriger Wechsel zwischen der Ein-Prozent-Regelung und der Fahrtenbuchmethode für dasselbe Kraftfahrzeug ist nicht zulässig. Auch hier gilt also: ein kurzfristiger Corona-Wechsel ist nicht möglich.

Hinweis: Bei der Veranlagung zur Einkommensteuer ist der Arbeitnehmer nicht an das für die Erhebung der Lohnsteuer gewählte Verfahren gebunden. Ein Fahrtenbuch muss in diesem Fall jedoch laufend und zeitnah geführt worden sein. Eine nachträgliche Erstellung wird nicht anerkannt. 

Vorstehende Informationen und weitergehende Einzelheiten finden Sie im BMF-Schreiben v. 4.4.2018 (IV C 5 - S 2334/18/10001), in unserem Top-Thema Firmenwagenüberlassung an Arbeitnehmer sowie in R 8.1 Abs. 9 LStR.