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Ausbildungskostenurteil: BMF kündigt restriktive Auslegung an

Nach den jüngsten Urteilen zur steuerlichen Absetzbarkeit von Ausbildungskosten rechnet das BMF nach Angaben des Magazins "Der Spiegel" mit Steuerausfällen in Höhe von rund einer Milliarde Euro.

Man werde den Richterspruch des BFH sehr restriktiv auslegen, um den Schaden für die öffentlichen Kassen in engen Grenzen zu halten, hieß es aus dem Ministerium.

Der BFH hatte am Mittwoch geurteilt, dass Berufseinsteiger die Kosten für eine Ausbildung oder ein Erststudium steuerlich geltend machen können. In den ersten Berufsjahren könnten sie damit ihr zu versteuerndes Einkommen mindern.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) stellte eine Änderung des Einkommensteuergesetzes in Aussicht. "Ich bin für eine Gesetzesänderung", sagte er der "Welt am Sonntag". "Wir brauchen eine klare Linie. Als ich Steuerrecht gelernt habe, war klar, dass die Erstausbildung nicht als Werbungskosten oder Sonderausgabe anerkannt wird." Ohne eine klare Regelung sei eine Abgrenzung gegenüber zu Recht anrechenbaren Kosten sehr schwierig. "Theoretisch könnte man ja auch behaupten, dass für Lebensmittel getätigte Ausgaben Werbungskosten sind: Man muss ja essen, um zu studieren oder arbeiten zu können", sagte Schäuble.

Spürbar von dem Urteil profitieren dürfte nach Ansicht von Experten nur ein kleiner Teil der Studenten und Auszubildenden. Begünstigt seien, meint etwa der Münsteraner Steuerrechtsprofessor Joachim Englisch, vor allem drei Gruppen: Wer an einer teuren Privat-Uni studiert, wer ein Erststudium im Ausland absolviert oder wer eine spezielle, kostenpflichtige Ausbildung macht. Selbst in diesen Fällen "bringt das gar nicht so wahnsinnig viel", erklärte der Saarbrücker Steuerberater Gerhard Wernet, der eines der Urteile erstritt, dem "Spiegel". Sein Mandant, ein Pilot, erhalte von den insgesamt rund 75.000 Euro Ausbildungskosten am Ende wohl nur etwa 15.000 Euro als Steuerersparnis zurück.

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