Vorsteuerabzug und Vorsteue... / 2. Zuordnung von Leistungen zum Unternehmen der jPöR

Zuordnung als Voraussetzung für Vorsteuerabzugsrecht: Für die Entstehung des Rechts zum Vorsteuerabzug bedarf es nach dem bisherigen Verständnis außerdem einer Zuordnung der bezogenen Leistung zur wirtschaftlichen Tätigkeit bzw. zum Unternehmen.

Zuordnungsgebot und -verbot: Wird eine Leistung ausschließlich für unternehmerische Tätigkeiten bezogen, ist sie vollständig dem Unternehmen zuzuordnen (Zuordnungsgebot)[4]. Bei einer Leistung, die ausschließlich für nichtunternehmerische Tätigkeiten bezogen wird, ist eine Zuordnung zum Unternehmen ausgeschlossen (Zuordnungsverbot)[5]. Entsprechendes gilt, wenn der Unternehmer bereits bei Leistungsbezug beabsichtigt, die bezogene Leistung ausschließlich und unmittelbar für die Erbringung unentgeltlicher Wertabgaben zu verwenden[6].

Zuordnungswahlrecht: Im Gegensatz dazu steht einem Unternehmer, der einen einheitlichen Gegenstand gemischt, also für unternehmerische und nichtunternehmerische Zwecke verwendet, ein Zuordnungswahlrecht[7] zu: Er kann den Gegenstand insgesamt seinem Unternehmen[8], insgesamt dem nichtunternehmerischen Bereich[9] oder die anteilige unternehmerische Nutzungsquote dem Unternehmen zuordnen[10].

Kein Zuordnungswahlrecht bei nichtwirtschaftlicher Verwendung: Diese Möglichkeit besteht jedoch nicht, wenn keine teilweise private sondern eine nichtwirtschaftliche Verwendung beabsichtigt ist[11]. Handelt es sich bei der nichtwirtschaftlichen Tätigkeit um eine Verwendung für hoheitliche, nicht wettbewerbsrelevante Tätigkeiten, besteht keine Möglichkeit der vollständigen Zuordnung des Gegenstandes zum Unternehmen und damit nur eine Berechtigung zum anteiligen Vorsteuerabzug[12].

[4] Abschn. 15.2c Abs. 1 Satz 1 UStAE.
[5] EuGH v. 19.7.2012 – C-334/10 – X, ECLI:EU:C:2012:473, UR 2012, 726; BFH v.13.1.2011 – V R 12/08, BStBl. II 2012, 61; Abschn. 15.2c Abs. 1 Satz 2 UStAE.
[6] BFH v. 9.12.2010 – V R 17/10, BStBl. II 2012, 53; Abschn. 15.2b Abs. 2 Satz 5 UStAE.
[7] EuGH v. 8.3.2001 – C-415/98 – Bakcsi, ECLI:EU:C:2001:136, UR 2001, 149; BFH v. 17.12.2008 – XI R 64/06, BFH/NV 2009, 798; BFH v. 28.2.2008 – V R 25/96, BStBl. II 2003, 815; Abschn. 15.2c Abs. 2 Nr. 2 UStAE.
[8] EuGH v. 23.4.2009 – C-460/07 – Puffer, ECLI:EU:C:2009:254, UR 2009, 410; EuGH v. 14.9.2006 – C-72/05 – Wollny, ECLI:EU:C:2006:573, UR 2006, 638; EuGH v. 14.7.2005 – C-434/03 – Charles und Charles-Tijmens, ECLI:EU:C:2005:463, UR 2005, 563; EuGH v. 8.5.2003 – C-269/00 – Seeling, ECLI:EU:C:2003:254, BStBl. II 2004, 378 und nachfolgend BFH v. 24.7.2003 – V R 39/99, BStBl. II 2004, 371; BFH v. 19.7.2011 – XI R 21/10, BStBl. II 2012, 434; Abschn. 15.2c Abs. 2 Nr. 2b UStAE.
[9] EuGH v. 8.3.2001 – C-415/98 – Bakcsi, ECLI:EU:C:2001:136, UR 2001, 149 und nachfolgend BFH v. 31.1.2002 – V R 61/96, BStBl. II 2003, 813.
[10] EuGH v. 21.4.2005 – C-25/03 – HE, ECLI:EU:C:2005:241, BStBl. II 2007, 23.
[11] EuGH v. 10.9.2014 – C-92/13 – Gemeente ‘s-Hertogenbosch, ECLI:EU:C:2014:2188, UR 2014, 852; EuGH v. 12.2.2009 – C-515/07 – VNLTO, ECLI:EU:C:2009:88, UR 2009, 199.

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