VAT E-Commerce Package (Stu... / 4. Moderner Onlinehandel und grenzüberschreitende Fulfillment-Strukturen

Lieferzeiten von maximal 1 Tag sind im Onlinehandel keine Seltenheit mehr. Die Erwartungshaltung der Konsumenten ist bereits seit einigen Jahren darauf ausgerichtet – befördert durch die Vorgaben der großen elektronischen Marktplätze von A wie Amazon bis Z wie Zalando, über deren Plattformen mittlerweile über 70 Prozent des Onlinehandels in der EU abgewickelt wird.

Es sind auch jene Plattformen, die ihren Marktplatzhändlern anbieten, den Großteil des sog. Fulfillments zu übernehmen – also Lagerung, Verpackung, Versand an den Kunden sowie die Bearbeitung von Retouren.

Damit Kunden und Produkte so schnell wie möglich zueinanderkommen, müssen sich beide schon vor dem Kauf in enger räumlicher Nähe zueinander befinden.

Das führt häufig dazu, dass die Marktplätze die Produkte ihrer Händler regelmäßig grenzüberschreitend innerhalb der EU in sog. Fulfillment-Center umlagern – abhängig von der Auslastung der Lager und der prognostizierten Nachfrage der Kunden.

Bislang ist das eine Win-win-Situation. Die Händler sparen sich den Unterhalt einer kostenintensiven Logistik-Infrastruktur und selbst kleine Unternehmen können mit ihren Produkten einen Markt mit fast 500 Millionen potentiellen Konsumenten erreichen. Die Marktplätze profitieren von dem erhöhten Umsatzvolumen und bauen ihr Geschäftsmodell im Zukunftsmarkt Logistik aus. Die Verbraucher erhalten ihre Einkäufe oft schon innerhalb 1 Tages.

Führend ist dabei Amazon. Das sog. Pan EU Programm, bei dem Amazon die Waren der Händler in mindestens sechs weiteren EU-Staaten vorhält bzw. vorab verbringt – in der Funktion des Logistikers – hat es kürzlich sogar bis vor den BFH geschafft (BFH v. 28.5.2020 – XI B 113/19, UR 2020, 509; UStB 2020, 218).

Aus umsatzsteuerlicher Sicht beginnt an dieser Stelle die Komplexität. Die stetigen – teilweise mehrmals im Monat – grenzüberschreitenden Umlagerungen stellen aus dieser Perspektive steuerbare Umsätze dar:

  • innergemeinschaftliche (i.g.) Verbringungen im Ursprungsland und
  • korrespondierende i.g. Erwerbe im Bestimmungsland,

wie sie in der folgenden Grafik am Beispiel von Fulfillment-Centern in Polen und Tschechien dargestellt sind.

Diese – und auch weitere – Transaktionen führen letztendlich dazu, dass der OSS für dieses stetig wachsende Segment von Unternehmen nicht die erhoffte Vereinfachung mit sich bringen wird.

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