I. Allgemeines

 

Rz. 1

Stand: EL 126 – ET: 04/2022

Für die steuerliche Behandlung nebenberuflicher Musiker, die in Gaststätten oder bei Vereinsveranstaltungen auftreten, gilt nach dem Urteil des BFH vom 10.09.1976, BStBl II 1977, 178: Ein Arbeitsverhältnis zum Veranstalter liegt nicht vor, wenn der Musiker oder die Kapelle, der er angehört, nur gelegentlich – etwa nur für einen Abend oder an einem Wochenende – zu Festveranstaltungen verpflichtet wird. Ein Arbeitsverhältnis liegt nach § 1 Abs. 2 LStDV (Anhang 8) vor, wenn der oder die Musiker, in der Betätigung ihres geschäftlichen Willens unter der Leitung des Veranstalters stehen, in einen längerfristigen betrieblichen Ablauf (Veranstaltungsreihe o. Ä.) eingebunden und dessen Weisungen zu folgen verpflichtet ist.

Im Zweifel ist zur Vermeidung einer Lohnsteuerhaftung zu prüfen und zu dokumentieren, ob die auftretenden Musiker selbständig tätig oder im Rahmen eines Dienstverhältnisses (Anstellung) beschäftigt werden.

 

Rz. 2

Stand: EL 126 – ET: 04/2022

Musiker und andere Unterhaltungskünstler, die für einen bestimmten Veranstalter laufend tätig werden, sind nach der Rechtsprechung Arbeitnehmer (nichtselbständig tätig). S. zu Pianisten in einem Restaurant FG Baden-Württemberg vom 24.04.2007, 4 K 200/04 (rkr.). Der Veranstalter ist in diesen Fällen verpflichtet, Lohnsteuerabzugsbeträge einzubehalten und abzuführen. Ggf. sind auch Sozialabgaben (Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung) zu entrichten.

 

Rz. 3

Stand: EL 126 – ET: 04/2022

Wenn Musiker, Unterhaltungskünstler oder Musikgruppen selbständig auftreten, ist zu klären, ob es sich bei den erzielten Honoraren um Einnahmen aus Gewerbebetrieb (s. § 15 EStG, Anhang 10) oder aus einer freiberuflichen Tätigkeit (s. § 18 EStG, Anhang 10) handelt. Diese Frage ist danach zu beurteilen, ob die Darbietungen als künstlerisch anzusehen sind. Eine künstlerische Tätigkeit liegt vor, wenn der Schaffende eine eigenschöpferische Leistung vollbringt, in der seine individuelle Anschauungsweise und Gestaltungskraft zum Ausdruck kommt und die, neben einer hinreichenden Beherrschung der Technik, eine künstlerische Höhe erreicht.

 

Rz. 4

Stand: EL 126 – ET: 04/2022

Erreichen Darbietungen eines Tanz- und Unterhaltungsorchesters einen bestimmten Qualitätsstandard, liegt eine künstlerische Tätigkeit i. S. v. § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG vor, beispielsweise wenn Musiker als Musikinterpreten tätig sind. Die Feststellung ist im Zweifel auf Grund eines Gutachtens zu treffen (s. BFH vom 14.12.1976, BStBl II 1976, 474). Bei der entgeltlichen Ausübung von Musik zu Unterhaltungszwecken, bei der die Darbietung einer künstlerischen Leistung nicht im Vordergrund steht, handelt es sich nicht um die Ausübung eines freien Berufes, sondern um gewerbliche Tätigkeit. Allerdings hat die Rechtsprechung selbst bei Büttenrednern auf Karnevalssessionen keine Gewerblichkeit angenommen, FG Düsseldorf vom 25.02.2004, 7 K 7162/01 G. Auch ein selbstständiger Discjockey, der bei Hochzeiten, Geburtstagsfeiern oder Firmenveranstaltungen Musikstücke anderer Urheber aufführt, denen er unter Verwendung von Plattenteller, Mischpult, CD-Player und Computer als "Instrumente" einen neuen Charakter verleiht, vollbringt eine eigenschöpferische Leistung und damit eine künstlerische Tätigkeit, FG Düsseldorf vom 12.08.2021, 11 K 2430/18 G. Abzugrenzen ist also von reinen Discjockeys, die sich auf ein Musikabspielen beschränken, Sinngemäß gilt dies bei Musikgruppen. Schließen sich Musiker zur Erreichung gemeinsamer Zwecke zu einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (BGB-Gesellschaft) nach §§ 705ff. BGB (s. Anhang 12a) zusammen, ohne dass jegliche Gestaltungshöhe erreicht wird, sind diese Mitunternehmer im Rahmen eines gemeinsamen Gewerbebetriebes tätig. Eine Personengesellschaft (und ggf. steuerlich eine Mitunternehmerschaft) ist beispielsweise anzunehmen, wenn eine gemeinsame Kasse geführt wird, wenn also das Entgelt an den Kapellenleiter oder an den sonst mit der Vertretung der Musikband beauftragten Musiker entrichtet wird und dieser die auf die einzelnen Musiker entfallenden Beträge aufteilt.

Sowohl im Fall der gewerblichen als auch im Fall der selbstständigen (freiberuflichen) Betätigung müssen die Betreffenden, bei einer Musikgruppe gesondert und einheitlich (§ 180 Abs. 1 Nr. 2a AO), am Ende eines jeden Kalenderjahres ihren Gewinn ermitteln, d. h., sie müssen ihre im Laufe des Kalenderjahres aufgezeichneten Betriebseinnahmen um die aufgezeichneten Betriebsausgaben (alle mit der gewerblichen bzw. freiberuflichen Tätigkeit in wirtschaftlichem Zusammenhang stehenden Ausgaben wie z. B. Aufwendungen für Instrumente, Reisekosten, Ausgaben für Werbung usw.) kürzen. Für die betrieblich verwendeten Wirtschaftsgüter (Instrumente) ist die Nutzungsdauer zu bestimmen und die so ermittelte Abschreibung vorzunehmen. Einzelheiten zur Abschreibung der Wirtschaftsgüter s. "Absetzungen für Abnutzung (AfA)".

II. Abgabe einer Gewerbesteuererklärung

 

Rz. 5

Stand: EL 126 – ET: 04/2022

Im Falle der gewerblichen Betätigung kann auf die Abgabe einer Gewerbesteuererklärung n...

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