Der zweite Entwurf hält noch eine Überraschung parat, die man nur mit einem überschießenden Vollzug einer Anmerkung aus der oben zitierten Gesetzesbegründung erklären kann. Am Ende der ergänzten Rz. 59 steht der Zusatz:

"Bei der Veräußerung ganz oder teilweise wertloser Wirtschaftsgüter ist bezogen auf den wertlosen Teil die Verrechnungsbeschränkung nach § 20 Abs. 6 Satz 6 zu berücksichtigen."

Der Streit um die Zulässigkeit dieser Ausweitung des Anwendungsbereichs ist vorprogrammiert. Dem Ansinnen liegt offenbar die Vorstellung zugrunde, dass der Gedanke einer "Teilbarkeit" sich nicht auf Kapitalforderungen beschränkt, sondern auch auf die nachfolgenden Konstellationen bei Wirtschaftsgütern erstreckt. Hier wird nicht nur der Wortlaut überdehnt, sondern es bleibt (im Gesetz) unklar, wann von einer Teilwertlosigkeit überhaupt auszugehen ist. Schließlich kann man jeden finalen Wertpapierverlust als das Ergebnis einer "Teilwertlosigkeit" hinstellen. Denn wäre das Wertpapier noch voll werthaltig, dann hätte man bei der Veräußerung keinen Verlust erzielt.

In der nachfolgenden Darstellung der vier gesetzlich geregelten Fälle wird daher streng am Wortlaut eine Auslegung vorgenommen. Es bleibt zu hoffen, dass der Irrweg im aktuellen Entwurf der Rz. 59 wieder zurückgenommen wird.

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