Die Entgeltumwandlung in einer betrieblichen Altersversorgung (bAV) ist eine Handlungsalternative, wenn

  • ein Minijob im Versicherungsstatus vorliegt und
  • neben dem Minijob kein weiteres Arbeitsverhältnis ausgeübt wird und
  • der zeitliche Umfang einer geringfügigen Beschäftigung nicht eingeschränkt, sondern eher noch erweitert werden soll.

Eine Anhebung der Vergütung auf das aktuelle Mindestlohnniveau führt zu einer Steigerung der Lohn- und Lohnnebenkosten, die durch eine Entgeltumwandlung "abgefangen" werden kann. Entgeltumwandlungen zugunsten einer betrieblichen Altersversorgung[1] sind – im Gegensatz zur Nutzung bei 520-EUR-Minijobs – bei sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen weit verbreitet.

Der Anreiz für Arbeitnehmer, dass der Nettoaufwand bei Abschluss einer betrieblichen Altersversorgung vergleichsweise gering ist, kommt bei 520-EUR-Minijobs wegen der vom Arbeitgeber zu tragenden Abgaben nur in geringem Umfang oder gar nicht zum Tragen. Dafür stellt sich jedoch – insbesondere für den Arbeitgeber – ein positiver, anderer Effekt ein: Durch die Entgeltumwandlung kann die Verdienstgrenze von 520 EUR künstlich nach oben verschoben werden, ohne dass der Status eines Minijobs verloren geht. Die Abgabenlast kann dauerhaft gesenkt werden, weil durch die Entgeltumwandlung zur betrieblichen Altersversorgung bis zu 282 EUR (2021: 284 EUR) monatlich beitragsfrei sind. Dies ist auch für den Arbeitnehmer vorteilhaft. Er erhält sein Gehalt weiterhin brutto für netto und baut sich eine zusätzliche Alterssicherung auf.

Ab dem 1.1.2022 sind Arbeitgeber verpflichtet, sowohl bei Alt- als auch bei Neuverträgen einen Arbeitgeberzuschuss in Höhe von 15 % des umgewandelten Entgelts an den Arbeitnehmer auszuzahlen. Dies bedeutet, dass die Beitragsersparnis des Arbeitgebers ungefähr zur Hälfte aufgezehrt wird. In demselben Maße erhöht sich der bei der monatlichen Entgeltabrechnung an den Arbeitnehmer auszuzahlende Betrag.[2]

 
Praxis-Beispiel

Entgeltumwandlung (bAV) und Minijob

Eine Verkäuferin soll ab Oktober 2022 für einen Stundenlohn von 12 EUR an 55 Stunden im Monat bei einem Lebensmittelkonzern arbeiten. Einmalzahlungen werden nicht gezahlt. Das regelmäßige monatliche Arbeitsentgelt beträgt somit 660 EUR (55 Stunden x 12 EUR). Die Arbeitnehmerin möchte in einer geringfügig entlohnten Beschäftigung versicherungsfrei in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung arbeiten. Da sie mit diesem Entgelt aber die für Minijobber maßgebliche 520-EUR-Grenze überschreitet, regt der Arbeitgeber an, dass die Arbeitnehmerin eine bAV abschließt. Sie greift den Vorschlag auf und schließt eine Vereinbarung über eine Entgeltumwandlung in Höhe von 150 EUR zugunsten einer bAV (Direktversicherung) ab.

Die Verkäuferin ist familienversichert in der gesetzlichen Krankenversicherung und hat sich von der Rentenversicherungspflicht im 520-EUR-Minijob befreien lassen.

Ergebnis: Sozialversicherungsrechtliche Beurteilung der Beschäftigung

 
Monatliche Vergütung (mtl. Arbeitszeit 55 Stunden x Mindestlohn 12 EUR) 660,00 EUR
abzgl. Beiträge zur Direktversicherung: 150,00 EUR
regelmäßiges monatliches Arbeitsentgelt: 510,00 EUR
Ergebnis: Trotz der wöchentlichen Arbeitszeit von 55 Stunden liegt aufgrund der Entgeltumwandlung nach wie vor noch ein 520-EUR-Minijob vor.
Berechnung des Bruttoaufwands pro Arbeitsstunde für den Arbeitgeber (ohne Unfallversicherungsbeiträge)
Monatliche Vergütung (einschließlich Entgeltumwandlung): 660,00 EUR
zzgl. gesetzliche Abgaben an die Minijob-Zentrale (31,28 % von 660 EUR) 159,53 EUR
zzgl. Arbeitgeberzuschuss (15 % von 150 EUR) 22,50 EUR
Bruttoaufwand insgesamt: 842,03 EUR
Bruttoaufwand pro Stunde (842,03 : 55 Stunden) 15,30 EUR
Das Beispiel belegt, dass durch eine Entgeltumwandlung im Falle einer Vergütungserhöhung auf mehr als 520 EUR pro Monat der Status eines 520-EUR-Minijobs aufrechterhalten werden kann.

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