Handeln ist noch möglich: Es ist aber, wie gesagt, noch nicht gänzlich zu spät nachzubessern. So kann man die vorgenannten Probleme bei der Steuersatzanhebung zum 1.1.2021 vermeiden, indem man zumindest für diese auf Korrekturen nach § 27 Abs. 1 Satz 2 und 3 UStG verzichtet.

Zielführend: Das würde auch dem Ziel der Maßnahme – der Stimulierung der Wirtschaft – entgegenkommen, weil möglicherweise der eine oder andere Auftrag schon im 2. HJ 2020 erteilt und bezahlt würde, der – wenn die Steuer bei Leistungsbeendigung ohnehin wieder bei 19 % liegt – gar nicht oder zumindest erst erheblich später erteilt würde.

Bliebe es nämlich bei der finalen Besteuerung der Vorauszahlungen,[63] hätten Käufer, die größere Anschaffungen tätigen wollen, einen größeren Anreiz, die Waren jetzt, also im 2. HJ 2020, zu bestellen (und anzuzahlen). Dann könnten sie bei den Einkäufen, bei denen sich die Einsparungen wirklich bemerkbar machen, die Steuersatzsenkung "mitnehmen". Die Nichtanwendung von § 27 Abs. 1 Satz 2 und 3 würde also die von der Steuersatzsenkung erwünschte Wirkung in vielen Fällen erst ermöglichen.

Vereinfachung und Rechtssicherheit: Das würde auch weite Teile des BMF-Schreibens überflüssig machen. Für die Unternehmen würde ein Großteil der Komplexität aus dem Hin und Her der Steuersätze herausgenommen (zumindest aus dem "Her"; für das "Hin" ist es leider schon zu spät). Außerdem würde das auch die zivilrechtlichen Ansprüche klären.

[63] Zu beachten ist, dass im 2. HJ 2020 vereinnahmte Vorauszahlungen – auch bei Leistungserbringung in 2021 – mit dem Steuersatz von 16 % zu versteuern sind. In dieser Höhe steht auch dem Leistungsempfänger der Vorsteuerabzug zu. Für die Versteuerung mit 19 % und insbesondere die Geltendmachung dieser 19 % als Vorsteuer besteht – so sehr das unter Praxisgesichtspunkten wünschenswert erscheinen mag – bis zur endgültigen Leistungserbringung keine gesetzliche Grundlage. Diese Abrechnung wäre auch problematisch, wenn der Steuersatz nicht – wie momentan vorgesehen – zum 1.1.2021 wieder erhöht würde.

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