Rn. 36

Stand: EL 147 – ET: 11/2020

Ein Vermögensvorteil, mithin "Gut" iSd § 8 Abs 1 EStG, ist auch ein Anspruch auf Güter in Geldeswert; folglich liegt ein Sachbezug auch dann vor, wenn der ArbG dem ArbN durch einen Gutschein ein Recht, nämlich den Anspruch, eine Sach- oder Dienstleistung beziehen zu können, einräumt, BFH v 11.11.2010, VI R 27/09, BStBl II 2011, 386.

 

Rn. 37

Stand: EL 147 – ET: 11/2020

Die Forderung und das WG, auf das sich die Forderung bezieht, sind nicht identisch, jedoch auch nicht mehrere WG; sie sind Gegenstände eines zweistufigen Vorgangs. Eine Forderung erfüllt deshalb erst dann den Einnahmebegriff, wenn ihr Wert zugeflossen ist, vgl BFH v 23.07.1999, VI B 116/99, BStBl II 1999, 684. Das setzt den Erwerb der wirtschaftlichen Verfügungsmacht voraus, vgl BFH v 27.05.1993, I R 19/92, BStBl II 1994, 246. Dies ist bei Gutscheinen, die zum Bezug einer Sachleistung berechtigen, bereits im Zeitpunkt der Erlangung des Gutscheins der Fall, BFH v 11.11.2010, VI R 27/09, BStBl II 2011, 386; BFH v 11.11.2010, VI R 41/10, BStBl II 2011, 389. Vgl aber zum Zufluss von Pachtzahlungen in Form von Hotelgutscheinen BFH v 21.08.2012, IX R 55/10, BFH/NV 2013, 354 erst bei Verwertung der Hotelgutscheine. Erwirbt der StPfl, zB ein ArbN, einen unmittelbaren (vgl BFH v 16.04.1999, VI R 60/96, BStBl II 2000, 406) und unentziehbaren Rechtsanspruch gegen einen Dritten, zB gegen eine Versicherung, liegt ein Zufluss nicht in dem Anspruch selbst, sondern in den Aufwendungen des ArbG, die zum Erwerb dieses Anspruchs geführt haben; diese stellen die Einnahme des ArbN dar, vgl BFH v 14.04.2011, VI R 24/10, BStBl II 2011, 767; BFH v 23.07.1999, VI B 116/99, BStBl II 1999, 684.

 

Rn. 38

Stand: EL 147 – ET: 11/2020

Scheck oder gezogener Wechsel als Anweisungen (vgl § 738 BGB, § 1 Nr 2 ScheckG, Art 1 Nr 2 WG) begründen Forderungen gegen den Bezogenen (Angewiesenen, §§ 738f BGB) auf Zahlung von Geld; sie sind nicht identisch mit der Geldforderung gegen den Aussteller (Anweisenden). Da der Besitz der Scheckurkunde faktisch die Verfügungsmöglichkeit über die Schecksumme zur Folge hat (Art 28 ScheckG), kommt dem Scheck die Funktion eines Zahlungsmittels im bargeldlosen Zahlungsverkehr zu und damit die eines geldwerten Guts iSd § 8 Abs 1 EStG, BFH v 20.03.2001, IX R 97/97, BStBl II 2001, 482. Dies gilt auch dann, wenn auf die Zahlung kein Anspruch besteht. Etwas anderes gilt nur bei einem ungedeckten Scheck oder in dem Fall, dass der Empfänger sich verpflichtet hat, den Scheck später einzulösen, BFH v 30.10.1989, IV R 97/78, BStBl II 1981, 305.

 

Rn. 39

Stand: EL 147 – ET: 11/2020

Wird der Zufluss eines Guts in Geld oder Geldeswert angenommen, obwohl das Gut selbst dem StPfl noch nicht zugegangen ist, ist für die Bewertung grundsätzlich vom Nennwert des Guts, das der StPfl zu fordern hat, auszugehen. Das kann aber besonders in den Fällen der Leistung an Erfüllungs statt anders sein, s Rn 43.

 

Rn. 40

Stand: EL 147 – ET: 11/2020

Stellt der Erwerb einer Forderung bzw die Aufwendungen, die zum Erwerb der Forderungen geführt haben, eine Einnahme iSd § 8 Abs 1 EStG dar, wirkt sich die Erfüllung der Forderung nicht noch einmal als Einnahme aus, vgl BFH v 23.07.1999, VI B 116/99, BStBl II 1999, 684; BFH v 27.05.1993, VI R 19/92, BStBl II 1994, 246.

 

Rn. 41

Stand: EL 147 – ET: 11/2020

Was für die Forderung gilt, gilt entsprechend erst recht für das nicht handelbare wie für das handelbare Optionsrecht. Dieses bildet erst die Vorstufe einer Forderung, welche erst durch die Ausübung des Optionsrechts entsteht; erst in diesem Augenblick erfolgt der Zufluss, vgl BFH v 20.11.2008, VI R 25/05, BStBl II 2009, 382; BFH v 30.09.2008, VI R 67/05, BStBl II 2009, 282; BFH v 23.01.2005, VI R 124/99, BStBl II 2005, 766; BFH v 24.01.2001, I R 119/98, BStBl II 2001, 512; BFH v 24.01.2001, I R 100/98, BStBl II 2001, 509; ausführlich dazu s Rn 123. Spätere Wertminderungen sind für die Bemessung des Vorteils ohne Bedeutung, BFH v 27.07.2011, VI B 160/10, BFH/NV 2011, 1869.

Entsprechendes gilt, wenn dem ArbN im Rahmen seines Arbeitsverhältnisses durch die Übertragung einer nicht handelbaren oder handelbaren Wandelschuldverschreibung ein Anspruch auf die Verschaffung von Aktien eingeräumt wird, BFH v 20.11.2008, VI R 25/05, BStBl II 2009, 382; BFH v 23.01.2005, VI R 124/99, BStBl II 2005, 766. Gewährt der ArbN seinem ArbG ein Darlehen, das mit einem Wandlungsrecht zum Bezug von Aktien versehen ist (Wandeldarlehen), liegt nicht bereits in der Hingabe des Darlehens ein Zufluss von Arbeitslohn, BFH v 23.06.2005, VI R 10/03, BStBl II 2005, 770. Ein Zufluss erfolgt erst in dem Zeitpunkt, in dem der ArbN das Wandlungsrecht ausübt. Im Zeitpunkt der Darlehensveräußerung realisiert sich die bis dahin latent bestehende Möglichkeit zum verbilligten Aktienerwerb zu einem festgelegten Wandlungspreis, BFH v 23.06.2005, VI R 10/03, BStBl II 2005, 770 unter 4.; BFH v 17.07.2009, VI R 69/06, BStBl II 2010, 69. Die Höhe des gewährten Vorteils bemisst sich nach dem v Darlehenserwerber gezahlten K...

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