• 2018

Kryptowährungen im Privatvermögen / § 23 Abs. 1 EStG / § 22 Nr. 3 EStG

 

Vorgänge, die im Privatvermögen gehaltene Kryptowährungen betreffen, können steuerlich relevante Einkünfte zur Folge haben. Gewinne aus dem Verkauf von Kryptowährungen können zu Einkünften aus privaten Veräußerungsgeschäften nach § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG führen. Entsprechendes gilt beim Erwerb von Wirtschaftsgütern oder Dienstleistungen mittels Kryptowährungen. Keine Anwendung dürfte § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 4 EStG - z. B. bei Vermietung der Coins - finden, da diese Regelung auf Steuersparmodelle beschränkt sein dürfte. Anzuwenden ist grundsätzlich die Fifo-Methode. Ist eine hinreichende Individualisierung möglich, kommt auch eine Einzelbewertung in Betracht. Vermieden werden kann die Anwendung des Fifo-Verfahrens durch Verschieben der Kryptowährungen in eine Wallet. Der Tausch einer Kyptowährung gegen eine andere innerhalb eines Jahres nach Anschaffung führt zur Anwendung von § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG. Der Bezug von neuen Coins im Rahmen eines Krypto Airdrops führt zu einem unentgeltlichen Vorgang, wobei deren spätere Veräußerung - von § 23 Abs. 1 Satz 3 EStG abgesehen - nicht steuerbar ist. Der Handel mit Kryptowährungen ist regelmäßig als private Vermögensverwaltung zu beurteilen. Die Grenze zur Gewerblichkeit ist überschritten, wenn das Tätigwerden dem Leitbild eines Wertpapierhandelsunternehmens oder eines Finanzunternehmens entspricht. Beim privaten Mining dürften Einkünfte nach § 22 Nr. 3 EStG nicht vorliegen. Auch die spätere Veräußerung von durch privates Mining generierten Kryptowährungen führt nicht zu einem steuerbaren Vorgang. Das Entgelt, welches der Miner im Rahmen der Verifizierung von Transaktionen erhält, führt zur Anwendung von § 22 Nr. 3 EStG.

(so Heuel/Matthey, Steuerliche Behandlung von Kryptonwährungen im Privatvermögen - Wann müssen Bitcoin-Gewinne versteuert werden?, NWB 2018, 1037)

Veräußerung abgespaltener Bitcoin Cash im Privatvermögen / § 23 Abs. 1 Nr. 2 EStG

 

Zum 1.8.2017 wurde den Inhabern von Bitcoin die gleiche Anzahl von Bitcoin Cash gutgeschrieben. Es stellt sich die Frage, wie Gewinne aus der Veräußerung abgespaltener Bitcoin Cash, die im Privatvermögen gehalten werden, steuerlich zu behandeln sind. Anzuwenden sein dürfte in diesen Fällen § 23 Abs. 1 Nr. 2 EStG. § 23 Abs. 1 Nr. 2 EStG setzt einen Anschaffungsvorgang mit entsprechenden Anschaffungskosten voraus. Die Anschaffung der Bitcoins Cash dürfte mit der Anschaffung der ursprünglichen Bitcoins erfolgt sein. Der Anschaffungszeitpunkt der Bitcoin Cash entspricht dem Anschaffungszeitpunkt der ursprünglichen Bitcoins. Damit ergeben sich für die Bitcoin Cash Anschaffungskosten in anteiliger Höhe der bei der ursprünglichen Anschaffung der Bitcoins angefallenen Kosten. Veräußerungsgewinne hinsichtlich abgespaltener Bitcoin Cash, die im Privatvermögen gehalten werden, unterliegen damit bei Vorliegen der Voraussetzungen des § 23 Abs. 1 Nr. 2 EStG der Besteuerung.

(Siegel, Bitcoins: Zur Besteuerung von erfüllten Hoffnungen - Gegenposition zur Annahme steuerfreier Betcoin-Cash-Veräußerungsgewinne bei Richter/Augel (FR 2017, 1131), FR 2018, 306)

Veräußerung abgespaltener Bitcoin Cash im Privatvermögen / § 23 Abs. 1 Nr. 2 EStG

 

Die Veräußerung der zum 1.8.2017 den Inhabern von Bitcoin in gleicher Anzahl gutgeschriebenen Bitcoin Cash dürfte nicht der Besteuerung unterliegen. Insbesondere ergibt sich in diesen Fällen nicht eine Besteuerung aus § 23 Abs. 1 Nr. 2 EStG. Dies deshalb, weil die Anwendung von § 23 EStG die wirtschaftliche Identität von angeschafftem und veräußertem Wirtschaftsgut voraussetzt. Wegen der fehlenden Funktionsgleichheit fehlt es an dieser wirtschaftlichen Identität zwischen Bitcoin und Bitcoin Cash.

(so Richter/Augel, Zur Besteuerung abgespaltener Bitcoin-Cash - Erwiderung auf den Beitrag von Siegel (FR 2018, 306), FR 2018, 308)

Kryptowährungen / Verkauf / Fork / Tausch / Bezahlung / Mining / Umsatzsteuerliche Behandlung / § 23 Abs. 1 Nr. 2 EStG / § 22 Nr. 3 EStG / § 15 EStG / § 18 EStG / Art. 135 Abs. 1 Buchst. e MwStSystRL

 

Kryptowährungen als solche führen im Privatvermögen nicht zu Einkünften aus Kapitalvermögen. Der Handel mit Kryptowährungen kann zur Anwendung von § 23 Abs. 1 Nr. 2 EStG führen. Bei mehreren Krypto-Erwerben gilt die First-in-first-out-Methode. Im Rahmen einer Fork hat der Erhalt und die Veräußerung der neuen Coins nicht die Anwendung von § 23 Abs. 1 Nr. 2 EStG zur Folge. Auch eine Schenkungsbesteuerung scheidet insoweit aus. Zur Anwendung von § 23 Abs. 1 Nr. 2 EStG führt auch der Tausch zweier Kryptowährungen. Keine steuerlichen Konsequenzen dürfte die Bezahlung mit Kryptowährungen auslösen. Werden die Kryptowährungen im Betriebsvermögen gehalten, liegen bei den genannten Transaktionen keine Einkünfte nach § 23 Abs. 1 Nr. 2 EStG, sondern betriebliche Einkünfte nach §§ 15, 18 EStG vor. Im Gegensatz zum Privatvermögen führt im betrieblichen Bereich die Fork ebenfalls zu betrieblichen Einkünften i. S. v. §§ 15...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Steuer Office Excellence. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Steuer Office Excellence 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge