Entscheidungsstichwort (Thema)

Wahlrecht zwischen Sofortversteuerung und Zuflussbesteuerung bei Veräußerung einer wesentlichen Beteiligung gegen Kaufpreisraten. Aussetzung der Vollziehung bzgl. Einkommensteuer 2000

 

Leitsatz (redaktionell)

Wird eine wesentliche Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft gegen einen in Raten zu zahlenden Kaufpreis veräußert, hat der Verkäufer generell ein Wahlrecht zwischen Sofortversteuerung und Zuflussbesteuerung (a.A. FG Düsseldorf, Urteil vom 25.8.2005, 15 K 2016/03 E).

 

Normenkette

EStG § 17

 

Tenor

Der Einkommensteuerbescheid 2000 vom 22. April 2005 wird i.H. eines weiteren Teilbetrages von 85.517,87 Euro bis einen Monat nach Bekanntgabe der Einspruchsentscheidung von der Vollziehung ausgesetzt.

Die Kosten des Verfahrens werden dem Antragsgegner auferlegt.

Die Entscheidung ergeht unanfechtbar.

 

Tatbestand

I.

Die Beteiligten streiten um die steuerliche Behandlung eines Veräußerungsgewinns.

Der Antragsteller war alleiniger Gesellschafter der S GmbH (künftig: GmbH). Das Stammkapital der GmbH betrug 50.000 DM. Mit notariellem Vertrag vom 29. Dezember 2000 (Rbh, Bl. 10 ff.) übertrug der Antragsteller seine Anteile an der GmbH zum Kaufpreis von 500.000 DM an die FA SL in Luxemburg. Der Antragsteller ist allein vertretungsberechtigter Verwaltungsrat der SL. In einer Zusatzvereinbarung vom 11. Januar 2001 (Rbh, Bl. 8) wurde vereinbart, dass der Kaufpreis i.H. von 50.000 DM zum 3. Januar 2006 fällig sein solle. Der Restkaufpreis ist in Raten von 50.000 DM jeweils zum 1. Werktag eines Jahres, erstmals zum 1. Werktag im Jahre 2007 zu zahlen.

Im Einkommensteuerbescheid des Streitjahres 2000 vom 22. April 2005 berücksichtigte der Antragsgegner hinsichtlich der Anteilsveräußerung einen Veräußerungsgewinn i.H. von 450.000 DM. Gegen diesen Bescheid legte der Antragsteller am 23. Mai 2005 Einspruch ein (Rbh, Bl. 3). Über den Einspruch ist noch nicht entschieden.

Den zeitgleich gestellten Antrag auf Aussetzung der Vollziehung (Rbh, Bl. 3) wies der Antragsgegner am 24. Mai 2005 zurück (Rbh, Bl. 4). Am 25. August 2005 (Rbh, Bl. 29) gewährte der Antragsgegner bezüglich eines Teilbetrages von 53.141,64 Euro die Aussetzung der Vollziehung, nachdem er zu der Auffassung gekommen war, dass der Gesamtkaufpreis abzuzinsen sei (Rbh, Bl. 22).

Am 26. September 2005 beantragte der Antragsteller beim Finanzgericht sinngemäß (Bl. 1),

den Einkommensteuerbescheid 2000 vom 22. April 2005 i.H. eines Teilbetrages von 85.517,87 Euro bis einen Monat nach Bekanntgabe der Einspruchsentscheidung von der Vollziehung auszusetzen.

Der Antragsteller macht geltend (Bl. 1), die Versteuerung dürfe erst mit Beginn der Zahlungen im Jahre 2006 erfolgen.

Der Antragsgegner beantragt (Bl. 12)

den Antrag auf Aussetzung der Vollziehung als unbegründet zurückzuweisen.

Der Antragsgegner macht geltend, ein Wahlrecht, wonach bei einer Anteilsveräußerung entweder ein Veräußerungserlös sofort oder erst im Zahlungszeitpunkt zu erfassen sei, bestehe im Streitfall deswegen nicht, weil bei der Zusatzvereinbarung lediglich eine Kaufpreisstundung vereinbart worden sei und nicht etwa eine Leibrente. Im Vordergrund habe offensichtlich weniger die Versorgung des Antragstellers gestanden als vielmehr die Realisierung des Planes der Verlagerung inländischer Einkünfte in das steuergünstigere Luxemburg.

Wegen weiterer Einzelheiten wird auf die Schriftsätze der Beteiligten sowie die beigezogenen Verwaltungsakten verwiesen.

 

Entscheidungsgründe

II.

Der Antrag auf Aussetzung der Vollziehung ist nach § 69 Abs. 4 Satz 1 FGO zulässig; er ist auch begründet.

1. Die Aussetzung der Vollziehung soll erfolgen, wenn ernstliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit des angefochtenen Verwaltungsaktes bestehen oder wenn die Vollziehung für den Betroffenen eine unbillige und nicht durch überwiegende öffentliche Interessen gebotene Härte zur Folge hätte (§ 69 Abs. 2 FGO).

Nach der ständigen Rechtsprechung des BFH, der sich der erkennende Senat bisher immer angeschlossen hat, bestehen ernstliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit eines angefochtenen Steuerbescheides dann, wenn eine summarische Prüfung ergibt, dass neben den für die Rechtmäßigkeit sprechenden Umständen gewichtige gegen die Rechtmäßigkeit sprechende Umstände zutage treten, die Unentschiedenheit oder Unsicherheit in der Beurteilung der Rechtsfrage oder Unklarheit in der Beurteilung der Tatfragen bewirken. Dabei brauchen die für die Unrechtmäßigkeit des Verwaltungsaktes sprechenden Bedenken nicht zu überwiegen, d.h. ein Erfolg des Steuerpflichtigen braucht nicht wahrscheinlicher zu sein als ein Misserfolg (BFH-Beschlüsse vom 30. Juni 1967 III B 21/66, BStBl. III 1967, 533; vom 28. November 1974 V B 52/73, BStBl. II 1975, 239).

2. Bei summarischer Prüfung bestehen ernstliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit des streitigen Bescheides.

2.1. Rechtsgrundlagen

Nach § 17 Abs. 1 Satz 1 EStG in der im Streitjahr 2000 geltenden Fassung gehört zu den Einkünften aus Gewerbebetrieb auch der Gewinn aus der Veräußerung von Anteilen an einer Kapitalgesellschaft, w...

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