Entscheidungsstichwort (Thema)

Diskriminierung. Niederlassungsfreiheit. Gesundheit der Bevölkerung. Apotheken. Nähe. Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln. Betriebserlaubnis. Territoriale Verteilung der Apotheken. Aufstellen von Grenzen aufgrund eines Kriteriums der Bevölkerungsdichte. Mindestentfernung zwischen den Apotheken. Bewerber, die der beruflichen Tätigkeit in einem Teilbereich des nationalen Hoheitsgebiets nachgegangen sind. Vorrang

 

Normenkette

AEUV Art. 49; Richtlinie 2005/36/EG

 

Beteiligte

Blanco Pérez und Chao Gómez

José Manuel Blanco Pérez

María del Pilar Chao Gómez

Consejería de Salud y Servicios Sanitarios

Principado de Asturias

 

Tenor

1. Art. 49 AEUV ist dahin auszulegen, dass er grundsätzlich einer nationalen Regelung wie der in den Ausgangsverfahren fraglichen nicht entgegensteht, die die Erteilung von Niederlassungserlaubnissen für neue Apotheken begrenzt, indem sie vorsieht, dass

  • in jedem Apothekenbezirk grundsätzlich nur eine einzige Apotheke pro Einheit von 2 800 Einwohnern errichtet werden kann,
  • eine zusätzliche Apotheke nur errichtet werden kann, wenn diese Schwelle überschritten wird, wobei diese Apotheke bei einer Überschreitung um mehr als 2 000 Einwohner errichtet wird, und
  • jede Apotheke eine Mindestentfernung gegenüber bereits bestehenden Apotheken zu beachten hat, wobei diese Entfernung im Allgemeinen 250 Meter beträgt.

Art. 49 AEUV steht jedoch einer solchen nationalen Regelung entgegen, sofern die Grundregeln von 2 800 Einwohnern und 250 Metern in jedem räumlichen Bezirk mit besonderen demografischen Merkmalen die Errichtung einer hinreichenden Zahl von Apotheken, die einen angemessenen pharmazeutischen Dienst gewährleisten können, verhindern, was das nationalen Gericht zu prüfen hat.

2. Art. 49 AEUV in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 und 2 der Richtlinie 85/432/EWG des Rates vom 16. September 1985 zur Koordinierung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften über bestimmte pharmazeutische Tätigkeiten und mit Art. 45 Abs. 2 Buchst. e und g der Richtlinie 2005/36/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 7. September 2005 über die Anerkennung von Berufsqualifikationen ist dahin auszulegen, dass er Kriterien wie denjenigen, die in den Nrn. 6 und 7 Buchst. c des Anhangs des Decreto 72/2001 regulador de las oficinas de farmacia y botiquines en el Principado de Asturias (Dekret 72/2001 zur Regelung des Apothekenwesens im Principado de Asturias) vom 19. Juli 2001 aufgestellt werden, entgegensteht, aufgrund deren die Inhaber neuer Apotheken ausgewählt werden.

 

Tatbestand

In den verbundenen

betreffend ein Vorabentscheidungsersuchen nach Art. 234 EG, eingereicht vom Tribunal Superior de Justicia de Asturias (Spanien) mit Entscheidungen vom 26. Oktober und 22. Oktober 2007, beim Gerichtshof eingegangen am 24. Dezember und 27. Dezember 2007, in den Verfahren

José Manuel Blanco Pérez,

María del Pilar Chao Gómez

gegen

Consejería de Salud y Servicios Sanitarios (C-570/07),

Principado de Asturias (C-571/07)

Beteiligte:

Federación Empresarial de Farmacéuticos Españoles (C-570/07),

Plataforma para la Libre Apertura de Farmacias (C-570/07),

Celso Fernández Gómez (C-571/07),

Consejo General de Colegios Oficiales de Farmacéuticos de España,

Plataforma para la Defensa del Modelo Mediterráneo de Farmacias,

Muy Ilustre Colegio Oficial de Farmacéuticos de Valencia,

Asociación Nacional de Grandes Empresas de Distribución (ANGED)

erlässt

DER GERICHTSHOF (Große Kammer)

unter Mitwirkung des Präsidenten V. Skouris, der Kammerpräsidenten K. Lenaerts und E. Levits sowie der Richter C. W. A. Timmermans, A. Rosas, E. Juhász, G. Arestis, A. Borg Barthet, M. Ilešič, J. Malenovský (Berichterstatter), U. Lõhmus, A. Ó Caoimh und L. Bay Larsen,

Generalanwalt: M. Poiares Maduro,

Kanzler: M. Ferreira, Hauptverwaltungsrätin,

aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 19. Mai 2009,

unter Berücksichtigung der Erklärungen

  • von Herrn Blanco Pérez, Frau Chao Gómez und der Plataforma para la Libre Apertura de Farmacias, vertreten durch D. Cueva Díaz, abogado,
  • der Consejería de Salud y Servicios Sanitarios und des Principado de Asturias, vertreten durch R. Paredes Ojanguren, abogado,
  • der Federación Empresarial de Farmacéuticos Españoles, vertreten durch R. Ariño Sánchez, abogado,
  • des Consejo General de Colegios Oficiales de Farmacéuticos de España, vertreten durch A. García Castillo, C. Ruixo Claramunt, M. Troncoso Ferrer und I. Igartua Arregui, abogados,
  • der Plataforma para la Defensa del Modelo Mediterráneo de Farmacias und des Muy Ilustre Colegio Oficial de Farmacéuticos de Valencia, vertreten durch E. Navarro Varona und E. García Aguado, abogados,
  • der Asociación Nacional de Grandes Empresas de Distribución (ANGED), vertreten durch J. Pérez-Bustamante Köster, abogado,
  • der spanischen Regierung, vertreten durch J. M. Rodríguez Cárcamo als Bevollmächtigten,
  • der belgischen Regierung, vertreten durch L. Van den Broeck als Bevollmächtigten,
  • der griechischen Regierung, vertreten durch K. Georgiadis, S. Alexandridou ...

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