Tz. 59

Stand: EL 93 – ET: 06/2018

Vor Inkrafttreten des SEStEG entschied die Bilanzierung bei dem übertragenden Rechtsträger über den Wertansatz (s Urt des BFH v 28.05.2008, BStBl II 2008, 916 zum Wahlrecht nach § 20 Abs 2 UmwStG aF und s Urt des BFH v 20.08.2015, BFH/NV 2016, 41 zu § 3 UmwStG aF). Nach Inkrafttreten des SEStEG ist ein wirksamer Antrag Voraussetzung dafür, dass Bw oder Zwischenwerte angesetzt werden dürfen. Da es sich hierbei um eine Ausnahme von der Regelbewertung (= gW) handelt, kommt dem Antrag auf Bw- oder Zwischenwertansatz eine zentrale Bedeutung zu. Denn eine fehlende, unwirksame oder verspätete Antragstellung hat die Vollaufdeckung der stillen Reserven in dem übergehenden Vermögen zur Folge (s § 11 UmwStG Tz 41). Ebenso s Koch (BB 2011, 1067, 1068), s Birkemeier (in R/H/vL, 2. Aufl, § 3 UmwStG Rn 131), s Schmitt (in S/H/S, 7. Aufl, § 3 UmwStG Rn 65), s Schnitter (in F/D, § 3 UmwStG Rn 111) und s Schmitt/Schlossmacher (DB 2010, 522, 523). Ein Antrag ist nicht möglich, soweit sich nach § 3 Abs 2 S 1 Nr 1 bis 3 UmwStG zwingend ein höherer Wertansatz ergibt (s Tz 74ff). GlA s Schmitt (in S/H/S, 7. Aufl, § 3 UmwStG Rn 65).

 

Tz. 60

Stand: EL 93 – ET: 06/2018

Für den Antrag auf Ansatz des Bw oder eines Zwischenwerts sieht § 3 Abs 2 S 1 UmwStG keine bestimmte Form vor (s UmwSt-Erl 2011 Rn 03.29). Für die Auslegung des Antrags gelten die allgemeinen zivilrechtlichen Grundsätze (s UmwSt-Erl 2011 Rn 03.29). Aus Nachweisgründen ist uE zur Schriftform zu raten. Der Wertansatz in der stlichen Übertragungs-Bil ist nach Inkrafftreten des SEStEG nur noch dann maßgeblich, wenn ein ausdrücklicher Antrag in schriftlicher oder mündlicher Form nicht vorliegt und in dem Bil-Ansatz ein konkludenter Antrag auf Bw- oder Zwischenwertansatz gesehen werden kann (s UmwSt-Erl 2011 Rn 03.01 und 03.29). Handelt es sich um einen stlich zulässigen Wert und ist dieser zweifelsfrei erkennbar, liegen uE die Voraussetzungen eines wirksamen konkludenten Antrags vor. Ebenfalls hierzu s Damas (DStZ 2007, 129, 130), s Birkemeier (in R/H/vL, 2. Aufl, § 3 UmwStG Rn 136) und s Koch (BB 2011, 1067, 1068).

Wird für einzelne WG unzutr ein Bw- oder Zwischenwertansatz beantragt, obwohl diese zwingend mit dem gW oder dem Zwischenwert anzusetzen sind (s Tz 74ff), führt dies uE nicht zu einem gänzlich unwirksamen Antrag. Soweit als der begehrte Bw- oder Zwischenwertansatz zulässig ist, ist dieser uE zu gewähren.

 

Tz. 61

Stand: EL 93 – ET: 06/2018

In der Aufnahme des Bewertungsansatzes in einer notariellen Urkunde kann uE hingegen kein wirksamer Antrag iSd § 3 Abs 2 UmwStG gesehen werden, da diese keine Erklärung der Überträgerin gegenüber dem zuständigen FA darstellt, sondern nur eine verpflichtende Regelung zwischen den Beteiligten trifft, die ggf bei Nichtbeachtung zu zivilrechtlichen Schadensersatzansprüchen führt. GlA s Birkemeier (in R/H/vL, 2. Aufl, § 3 UmwStG Rn 136a), s Schnitter (in F/D, § 3 UmwStG Rn 119) und s Schmitt (in S/H/S, 7. Aufl, § 3 UmwStG Rn 65). Ebenso zu einem Antrag, der den vertraglichen Vereinbarungen zwischen Überträgerin und Übernehmerin widerspricht, s Schmitt/Schlossmacher (DB 2010, 522). Zweifelnd s Koch (BB 2011, 1067, 1068). Weiter s Viskorf/Haag (Beihefter zu DStR 45/2010, 75, 79). Anders kann es uE jedoch in den Fällen sein, in denen die notarielle Urkunde eine ausdrückliche "Antragsklausel" enthält (s Stümper/Walter, GmbHR 2008, 1147, 1149).

Wegen weiterer Einzelheiten s § 11 UmwStG Tz 43.

 

Tz. 62

Stand: EL 93 – ET: 06/2018

Bei einem Antrag auf Zwischenwertansatz ist allerdings eine Konkretisierung des Antrags dergestalt erforderlich, dass entweder die Quote oder der absolute Betrag der aufzudeckenden stillen Reserven angegeben wird. Wegen weiterer Einzelheiten s § 11 UmwStG Tz 43. Ebenso s Koch (BB 2011, 1067, 1069). Nicht zulässig ist uE eine variable Angabe zB iHd verbleibenden Verlustvortrags (s nachstehend). GlA s Birkemeier (in R/H/vL, 2. Aufl, § 3 UmwStG Rn 137), s Schnitter (in F/D, § 3 UmwStG Rn 119) und s Brinkhaus/Grabbe (in H/M, 4. Aufl, § 3 UmwStG Rn 102). AA s IDW (Ubg 2011, 549, 557) und s Demuth (KÖSDI 2012, 17 784, 17 788). Lässt sich auch im Wege der Auslegung der gewählte Zwischenwertansatz nicht konkretisieren, ist der Antrag wegen Unbestimmtheit unwirksam, so dass es zum Regelansatz in Form des gW kommt.

 

Tz. 63

Stand: EL 93 – ET: 06/2018

Das Wertansatzwahlrecht und damit das Antragswahlrecht steht der Überträgerin zu. Birkemeier (in R/H/vL, 2. Aufl, § 3 UmwStG Rn 140ff) geht uE zutr davon aus, dass bis zur HR-Eintragung das Wahlrecht von dem zuständigen Organ der übertragenden Kö (Vorstand, Gf oder phG) und nach der HR-Eintragung von dem dann zuständigen Organ der Übernehmerin (zB Gf) auszuüben ist. Ebenso s Koch (BB 2011, 1067, 1068), s Brinkhaus/Grabbe (in H/M, 4. Aufl, § 3 UmwStG Rn 101), s Schnitter (in F/D, § 3 UmwStG Rn 112), s Schmitt (in S/H/S, 7. Aufl, § 3 UmwStG Rn 73) und s Urt des BFH v 20.08.2015 (BFH/NV 2016, 41 zu § 3 UmwStG aF). Hierzu auch s Schwetlik (GmbH-StB 2016, 31).

 

Tz. ...

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