ir müssen erkennen, dass Digitalisierung im Kern nichts anderes als "Dematerialisierung" ist. Was für ein schreckliches Wort. Hier soll es aber nicht darum gehen, einen verschwommenen Begriff durch einen genauso vagen zu ersetzen. Denn: Dematerialisierung kling abstrakt, ist aber ganz konkret. Schauen Sie auf Ihr Smartphone. Ihre Apps sind nichts anderes als Softwareprogramme, die Ihnen Dienste anbieten. Es gibt eine eine App fürs Telefon, eine für die Foto- und Videokamera, eine Straßenkarten-App, eine Musik-App, eine App für Emails, eine fürs Banking, eine für Flug- und Bahntickets, eine für Taxiservices, eine für die Zeitung etc. Kurz: Alles was Sie bisher physikalisch mit sich herumgeschleppt haben, Foto- und Videokamera, Flug- und Bahntickets, Zeitung, Straßenkarten, Briefe etc. wurde aus der physikalischen Welt der Atome in Bits und Bytes umgewandelt und auf Ihrem Smartphone gebündelt. Alle diese Dinge und viele, viele mehr wurden "dematerialisiert". Somit ist die Digitalisierung in ihrem Kern nichts anderes, als ein großer Verschiebebahnhof, wo wir (fast) alles aus unserer physikalischen Welt in die digitale Welt verladen.

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Alles, was wir mit dem Internet verbinden, enthält einen digitalen Zwilling.

Der Nutzen liegt darin, dass alles, was aus der physikalischen in die digitale Welt verschoben wird, einen "digitalen Zwilling" bekommt. Was ist ein digitaler Zwilling? Wenn Sie im Internet etwas bestellt haben und ungeduldig auf die Lieferung Ihres Pakets warten, bietet Ihnen der Logistikdienstleister die Möglichkeit eines Trace & Tracking. Sie können Ihr Paket im Internet verfolgen. Wirklich Ihr Paket? Nein, Sie verfolgen nicht das physische Paket, sondern seinen digitalen Zwilling. Der digitale Zwilling ist dabei nichts anderes als ein paar Daten (ein Daten-Set), die Ihnen Auskunft darüber geben, zu welchem Zeitpunkt sich Ihr Paket an welchem Ort befindet.

Alles, was wir mit dem Internet verbinden, enthält einen digitalen Zwilling aus Daten. (Fast) Alles aus unserer Welt der Atome, also Materialien, Autos, Maschinen, Flugzeuge, Bankkonten, Geschäftsprozesse, künstliche Hüften, oder Ihr Herz (kein Witz!) kann einen digitalen Zwilling erhalten. Wie schon das Beispiel mit dem Paket zeigt: Mit Hilfe digitaler Zwillinge erhalten Sie eine bisher nicht gekannte freie Sicht (Transparenz) auf Ihre wirtschaftliche und auch private Welt. Tragen Sie einen Fitness-Tracker (AppleWatch, Fitbit, oder Ähnliches) an Ihrem Handgelenk? Dann haben Ihr Herz und Ihre Beine einen digitalen Zwilling.

 

Das ist die ziemlich einfache Logik der Digitalisierung: Zuerst Dematerialisierung durch "Verschiebung" der physischen Objekte in die digitale Welt. Als Ergebnis erhält man viele Daten (Big Data), die man dann, ebenfalls digital (d. h. automatisiert, Software-gestützt), analysieren kann.

Digitale Zwillinge schaffen also eine bisher nicht gekannte Daten-Transparenz - in Echtzeit. Sie wissen damit immer, was in der physischen Welt los ist. Was das Geschäftsmodell der Steuerberatung bisher schützt ist, dass sehr viele Transaktionen noch keinen digitalen Zwilling besitzen. Belege und Rechnungen liegen meist nur analog vor. Sie müssen zuerst in die Computersysteme eingegeben werden. Im nächsten Schritt werden sie dann kontiert und gebucht. Sobald aber Belege und Rechnungen mit dem Zeitpunkt ihrer Entstehung dematerialisiert sind und einen digitalen Zwilling besitzen (bzw. letztlich ausschließlich digital existieren), lassen sich sämtliche steuerrelevanten Transaktionen automatisieren. Das ist die ziemlich einfache Logik der Digitalisierung: Zuerst Dematerialisierung durch "Verschiebung" der physischen Objekte in die digitale Welt. Als Ergebnis erhält man viele Daten (Big Data), die man dann, ebenfalls digital (d.h. automatisiert, software-gestützt), analysieren kann. Hier kommt nun unser letztes Buzzword der Digitalisierung ins Spiel: Die Künstliche Intelligenz.

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Künstliche Intelligenz bedeutet im Kern nichts anderes als eine "Industrialisierung von Problemfindung und Problemlösung".

Was heißt Künstliche Intelligenz? Auch hier will ich nicht in die technischen Feinheiten aus Deep Learning, Maschine Learning und Künstlicher Intelligenz einsteigen. Stattdessen fragen wir: Was macht Künstliche Intelligenz im Kern aus? Künstliche Intelligenz bedeutet im Kern nichts anderes als eine "Industrialisierung von Problemfindung und Problemlösung". Zugegeben, auch das klingt etwas sperrig. Dabei steht der Begriff der Industrialisierung schon immer für eine grundlegend veränderte Sichtweise auf Wertschöpfungsprozesse. So löste die industrielle Revolution einst tiefgreifende Veränderungen in der Güterproduktion aus. Die Wertschöpfung wurde aus den Manufakturen und Werkstätten in die Fabriken verlagert. Die entscheidende Erkenntnis hieraus: Sobald man einen Wertschöpfungsprozess industrialisieren kann, läuft er im Vergleich zur Werkstattfertigung schneller, billiger und einfacher ab. Die Wertschöpfung wird effizienter und man kann, bei gleichbleiben...

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