Die ertragsteuerliche Behan... / IV. Ermittlung des steuerpflichtigen Ertrags (§ 18 InvStG)

1. Allgemeines

Die Ermittlung der Höhe einer Vorabpauschale vollzieht sich in mehreren Teilschritten. Nach § 18 Abs. 1 InvStG ist die Vorabpauschale der Betrag, um den die Ausschüttungen eines Investmentfonds innerhalb eines Kalenderjahres den Basisertrag für dieses Kalenderjahr unterschreiten.

2. Basisertrag

Der Basisertrag wird durch Multiplikation des Rücknahmepreises des Investmentanteils zu Beginn des KJ mit 70 % des Basiszinses nach § 18 Abs. 4 InvStG ermittelt.

 

Beraterhinweis

Wird kein Rücknahmepreis festgesetzt, so tritt der Börsen- oder Marktpreis an die Stelle des Rücknahmepreises. Liegen der Rücknahmepreis oder der Börsen- oder Marktpreis in einer Fremdwährung vor, sind diese in Euro umzurechnen. Hierbei kann auf die von der EZB veröffentlichten Referenzkurse zurückgegriffen werden.

3. Basiszins

Ableitung aus der Rendite öffentlicher Anleihen: Der Basiszins ist aus der langfristig erzielbaren Rendite öffentlicher Anleihen abzuleiten. Dabei ist auf den Zinssatz abzustellen, den die Deutsche Bundesbank anhand der Zinsstrukturdaten jeweils auf den ersten Börsentag des Jahres errechnet (vgl. § 18 Abs. 4 InvStG).

 

Beraterhinweis

Der Basiszins wird durch das BMF jährlich im BStBl. bekannt gemacht. Für das Jahr 2019 beträgt der Basiszins 0,52 % (vgl. BMF v. 9.1.2019 – IV C 1 - S 1980-1/14/10001: 038; abrufbar unter https://www.bundesfinanzministerium.de/Web/DE/Themen/Steuern/Steuerarten/Investmentsteuer/investmentsteuer.html). Der Basiszins für das Jahr 2018 beträgt 0,87 % (vgl. BMF v. 4.1.2018 – IV C 1 - S 1980-1/14/10001:038, BStBl. I 2018, 249).

Steuerstundungseffekt aufgrund niedrigen Basiszinses: Das allgemeine Zinsniveau ist zurzeit vergleichsweise niedrig. Dieses niedrige Zinsniveau führt dazu, dass der Basisertrag ebenfalls relativ gering ausfällt. Daraus können sich aufgrund der geringen Vorabpauschale ggf. Steuerstundungsvorteile ergeben (zu weiteren Einzelheiten vgl. Delp, DB 2017, 447).

a) Verwaltungskostenpauschale

70 %-Regelung: Nach § 18 Abs. 1 InvStG ist der Basiszins i.S.d. § 18 Abs. 4 InvStG (nur) zu 70 % anzusetzen. Der Grund für den Abschlag von 30 % liegt darin, der Basiszinssatz als pauschale Berechnungsgrundlage unberücksichtigt lässt, dass der Anleger im Ergebnis die Fondserträge abzgl. der Verwaltungskosten des Fonds erhält. Aus diesem Grund wird zur Berechnung der Vorabpauschale der Basiszins um den durchschnittlichen Kostenanteil von 30 % auf den Gesamtertrag gemindert. Basisertrag: Der Betrag, der sich aus der Multiplikation des Rücknahmepreises zu Beginn des Kalenderjahres mit 70 % des Basiszinssatzes ergibt, wird als "Basisertrag" bezeichnet (vgl. BT-Drucks. 18/8045, 89).

b) Begrenzung des Basisertrags

Der Basisertrag ist auf den Mehrbetrag begrenzt, der sich zwischen dem ersten und dem letzten im Kalenderjahr festgesetzten Rücknahmepreis zzgl. der Ausschüttungen innerhalb des KJ ergibt (risikolose Marktverzinsung). Hinzurechnung von Ausschüttungen: Die Ausschüttungen des KJ werden dem Mehrbetrag hinzugerechnet, da diese bereits den letzten im KJ festgesetzten Rücknahmepreis gemindert haben.

 

Beraterhinweis

Im Ergebnis bedeutet das, dass die Versteuerung einer Vorabpauschale nicht in Betracht kommt, sofern im KJ keine Wertsteigerung eingetreten ist. Wenn Wertverluste eintreten oder die Ausschüttungen die Wertsteigerung übertreffen, ist keine – auch keine negative – Vorabpauschale anzusetzen (vgl. BT-Drucks. 18/8045, 89).

c) Teilfreistellung

Unter den Voraussetzungen des § 20 InvStG werden Vorabpauschalen teilweise steuerfrei gestellt.

4. Zuflusszeitpunkt

Die Vorabpauschale gilt am ersten Werktag des folgenden Kalenderjahres als zugeflossen (vgl. § 18 Abs. 3 InvStG). Durch diese Zuflussfiktion wird die Besteuerung beim Anleger sichergestellt.

 

Beraterhinweis

Steuerpause in 2018: Aufgrund der Zuflussfiktion zum ersten Werktag des Folgejahres trat aufgrund der erstmaligen Anwendung der Neuregelungen des InvStRefG ab 2018 im Kalenderjahr 2018 eine einmalige Steuerpause hinsichtlich der Vorabpauschale ein. Der erstmalige Zufluss der Vorabpauschale ist somit im Kalenderjahr 2019 anzunehmen.

5. Vorgehensweise zur Ermittlung der Vorabpauschale

Der zutreffende Ansatz von Vorabpauschalen ermittelt sich in folgenden Schritten:

  • Schritt 1: Ermittlung des Basisertrags.
  • Schritt 2: Ermittlung des Höchstbetrags.
  • Schritt 3: Ansatz des geringeren Betrags (Basisertrag oder Höchstbetrag).
  • Schritt 4: Ermittlung der anzusetzenden Vorabpauschale.
 

Beispiel – zur Berechnung der Vorabpauschale

Der Basiszins für das Jahr 2018 beträgt 0,87 %, der Rücknahmepreis zum Beginn des Jahres 2018 beträgt 150 EUR, der Rücknahmepreis zum Ende des Jahres 2018 beträgt 153 EUR und die Ausschüttung je Investmentanteil im Kalenderjahr 2018 beträgt 0,15 EUR. Die Investmentanteile wurden ganzjährig gehalten.

 

Lösungsvorschlag

Schritt 1: Ermittlung des Basisertrags

Rücknahmepreis zu Beginn des Kalenderjahres 150 EUR x 0,87 % x 70 % = 0,91 EUR (auf zwei Nachkommastellen gerundet)

Schritt 2: Ermittlung des Höchstbetrags

Rücknahmepreis zum Ende des Kalenderjahres 153 EUR abzgl. Rücknahmepreis zu Beginn des Kalenderjahres 150 EUR = 3 EUR zzgl. Ausschüttungen des Kalenderjahres 0,15 EUR = 3,15 EUR

Schritt 3: Ansatz des geringeren Betrags ...

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