Nachträgliche Beseitigung der Rechtswidrigkeit eines wegen einer vGA geänderten ESt-Bescheids des Anteilseigners Wird ein ESt-Bescheid des Anteilseigners einer Kapitalgesellschaft wegen einer vGA nach Ablauf der Festsetzungsfrist geändert, bevor wegen derselben vGA ein KSt-Bescheid der Gesellschaft geändert oder erlassen wird, ist der geänderte ESt-Bescheid rechtswidrig. Die Rechtswidrigkeit des geänderten ESt-Bescheids wird jedoch nach § 32a Abs. 1 S. 1 KStG nachträglich beseitigt, wenn ein erstmaliger oder geänderter KSt-Bescheid wegen derselben vGA vor Ablauf der für diesen Bescheid geltenden Festsetzungsfrist erlassen wird (BFH v. 10.12.2019 - VIII R 2/17). EStB 2020, 376
Entzug von Aktien als steuerlicher Verlust beim Privatanleger Ein steuerbarer Aktienverlust beim Privatanleger liegt auch dann vor, wenn aufgrund eines Insolvenzplans das Kapital auf Null herabgesetzt wird und die Aktien entschädigungslos erlöschen. Zwar liegt in solchen Fällen weder eine Veräußerung noch ein Ersatztatbestand nach § 20 EStG vor, aber ein Aktienentzug nach § 225a Abs. 2 InsO wird analog einer Veräußerung behandelt (planwidrige Regelungslücke) (BFH v. 3.12.2019 – VIII R 34/16). EStB 2020, 249
Verluste aus Vollrisikozertifikaten bei Erwerb vor dem 1.1.2009 und Realisierung durch gerichtlichen Vergleich Vollrisikozertifikate erfordern die vollständige Unsicherheit sowohl der Rückzahlung wie auch einer Zinszahlung. Im Übergangszeitraum nach dem 14.3.2007 angeschaffte Vollrisikozertifikate unterfallen mit Ablauf des 30.6.2009 der Abgeltungsteuer. Eine Gewinn- bzw. Verlustrealisierung liegt auch in der Übertragung der Zertifikate gegen eine Vergleichszahlung auf Basis einer prognostizierten Insolvenzquote (BFH v. 29.10.2019 – VIII R 16/16). EStB 2020, 211
Abgeltungsteuersatz bei Darlehensgewährung an eine GmbH durch eine dem Anteilseigner nahe stehende Person § 32d Abs. 2 Nr. 1 Buchst. a EStG ist kein Auffangtatbestand für den Ausschluss von Kapitalerträgen gem. § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG aus dem gesonderten Tarif (§ 32d Abs. 1 EStG), wenn die Voraussetzungen des Ausschlussgrundes gem. § 32d Abs. 2 Nr. 1 Buchst. b EStG nicht erfüllt sind (BFH v. 16.6.2020 – VIII R 5/17). EStB 2020, 433 (in dieser Ausgabe)
Nachträgliche Wahl der Antragsveranlagung nach § 32d Abs. 4 EStG Der Antrag auf Einbeziehung der Kapitalerträge in die ESt-Veranlagung nach § 32d Abs. 4 EStG (sog. Antragsveranlagung) stellt ein unbefristetes Veranlagungswahlrecht dar. Bei der Entscheidung, ob die nachträglich bekanntgewordene Tatsache der Erzielung von Einkünften aus Kapitalvermögen zu einer höheren (§ 173 Abs. 1 Nr. 1 AO) oder einer niedrigeren (§ 173 Abs. 1 Nr. 2 AO) Steuer führt, ist nicht nur die festgesetzte Einkommensteuer, sondern auch die durch den Abzug vom Kapitalertrag abgegoltene Einkommensteuer in den Vergleich einzubeziehen (BFH v. 21.8.2019 – X R 16/17). EStB 2020, 50

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