Corona-Krise: Steuerliche H... / 4.3 Steuerbegünstigte Körperschaften

Grundsätzlich dürfen gemeinnützige Körperschaften ihre Mittel nach § 55 Abs. 1 Nr. 1 AO nur für die in ihrer Satzung festgeschriebenen Zwecke verwenden. Erhält die Körperschaft über eine Spendenaktion Mittel zur Hilfe von Betroffenen der Corona-Pandemie und verwendet sie diese entsprechend, so steht dies ihrer Steuerbegünstigung jedoch auch ohne Satzungsänderung nicht entgegen. Ebenso ist die Verwendung bereits vorhandener finanzieller Mittel (auch als Spende an entsprechende steuerbegünstigte Körperschaften) sowie die Überlassung von Personal oder Räumlichkeiten zur Bewältigung der Auswirkungen der Corona-Pandemie für die Steuerbegünstigung der Körperschaft unschädlich.

Stellt die begünstigte Körperschaft (§ 5 Abs. 1 Nr. 9 KStG i. V. m. §§ 5168 AO) ihr Personal, ihre Räumlichkeiten, Sachmittel oder andere Leistungen entgeltlich zur Bewältigung der Auswirkungen der Corona-Pandemie zur Verfügung, stellen diese Einnahmen – unabhängig vom eigenen Stiftungszweck – einen nach § 5 Abs. 1 Nr. 9 KStG nicht körperschaftsteuerpflichtigen Zweckbetrieb i. S. d. § 65 AO dar.[67] Auch umsatzsteuerlich führt diese Einstufung zu einer Begünstigung, da die Umsätze dem ermäßigten Steuersatz nach § 12 Abs. 2 Nr. 8 UStG unterliegen.[68] Mit der Überlassung von Sachmitteln, Räumen sowie Arbeitnehmern liegen grundsätzlich umsatzsteuerbare und -pflichtige Umsätze vor, wobei eine umsatzsteuerfreie Überlassung möglich ist, wenn sowohl Leistungserbringer als auch Leistungsempfänger Unternehmer sind, die nach § 4 Nr. 14, 16, 18, 23 oder 25 UStG steuerfreie Umsätze ausführen. Überlässt oder bezieht hingegen ein vorsteuerabzugsberechtigtes Unternehmen solche Leistungen, greift diese spezielle Befreiung nicht.[69]

Erzielen steuerbegünstigte Organisationen im Rahmen ihres wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs oder ihrer Vermögensverwaltung aufgrund der Corona-Pandemie bis zum 31.12.2021 Verluste, dürfen sie diese mit Mitteln des ideellen Bereichs sowie Gewinnen aus ihren Zweckbetrieben, ihrer Vermögensverwaltung oder ihrem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb ausgleichen, ohne die Steuerbegünstigung zu verlieren.[70]

[66] Vgl. BMF, Schreiben v. 9.4.2020, IV C 4 – S 2223/19/10003 :003, Tz. II, III, VII und VIII, BStBl 2020 I S. 498; verlängert durch BMF, Schreiben v. 18.12.2020, IV C 4 – S 2223/19/10003 :006, BStBl 2021 I S. 57.
[67] Vgl. BMF, FAQ "Corona" Steuern, Stand: 26.4.2021.
[68] Vgl. Heuermann, in Sölch/Ringleb, Kommentar zum UStG, § 12 UStG Rn. 630, Stand: 3/2021.
[69] Sofern beispielsweise ein Krankenhaus Personal an ein vorsteuerabzugsberechtigtes Unternehmen überlässt, ergeben sich hieraus keinerlei nachteilige Folgen. Das Krankenhaus führt Umsatzsteuer ab und das Unternehmen erhält spiegelbildlich einen Vorsteuerabzug. Überlässt jedoch ein vorsteuerabzugsberechtigtes Unternehmen solche Leistungen an ein Krankenhaus, ist Umsatzsteuer zu erheben. Das Unternehmen führt diese Umsatzsteuer ab, das Krankenhaus kann jedoch bei gestiegenem Rechnungsbetrag keinen Vorsteuerabzug geltend machen.
[70] Die Mittelverwendung zur Aufstockung des Kurzarbeitergeldes bis zu einer Höhe von 80 % des bisherigen Entgeltes ist ebenfalls unschädlich für nach § 5 Abs. 1 Satz 1 Nr. 9 KStG steuerbegünstigte Körperschaften.

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