Rz. 2

[Autor/Stand][Auszug § 2 AStG betreffend]

Inhaltsübersicht

2. Wohnsitzwechsel in niedrigbesteuernde Gebiete
2.0 Anwendungsbereich
2.0.1 Erweiterte beschränkte Steuerpflicht
2.0.2 Auswirkungen der Doppelbesteuerungsabkommen
2.1 Persönliche Voraussetzungen
2.2 Niedrige Besteuerung
2.3 Wesentliche wirtschaftliche Inlandsinteressen
2.4 Mittelbare Inlandsinteressen
2.5 Umfang der erweiterten beschränkten Einkommensbesteuerung
2.5.0 Allgemeines
2.5.1 Ermittlung des zu versteuernden Einkommens
2.5.2 In die Veranlagung einzubeziehende Einkünfte
2.5.3 Berechnung der Steuer und Anwendung des Progressionsvorbehalts
2.5.4 Verfahrensfragen
2.6 Begrenzung auf die Steuer bei unbeschränkter Steuerpflicht

2. Wohnsitzwechsel in niedrigbesteuernde Gebiete

2.0 Anwendungsbereich

2.0.1 Erweiterte beschränkte Steuerpflicht

2.0.1.1 Die §§ 2 bis 5 AStG erweitern die beschränkte Steuerpflicht für Personen, die ihren Wohnsitz in niedrigbesteuernde Gebiete verlegt haben und nicht mehr unbeschränkt steuerpflichtig sind.

2.0.1.2 Wer die persönlichen Voraussetzungen des § 2 AStG erfüllt (vgl. Tz. 2.1), ist im Jahr des Wohnsitzwechsels und während der folgenden zehn Jahre erweitert beschränkt einkommensteuerpflichtig, soweit er während dieses Zeitraums

1. in einem ausländischen Gebiet ansässig ist und dort nicht oder niedrig besteuert wird oder keinem Gebiet ansässig ist (Tz. 2.2) und
2. wesentliche wirtschaftliche Interessen im Inland hat.

Soweit in diesem Zeitraum die Voraussetzungen der Nrn. 1 und 2 nicht gegeben sind, verbleibt es bei der beschränkten Steuerpflicht nach § 1 Abs. 4 EStG. Beschränkte und erweiterte beschränkte Steuerpflicht können auch wechseln, zB wenn ein Steuerpflichtiger seinen Wohnsitz zunächst in ein nicht niedrig besteuerndes Gebiet und später von dort aus in ein niedrigbesteuerndes Gebiet verlegt.

2.0.1.3 Die erweiterte beschränkte Steuerpflicht kommt trotz Vorliegens der in Tz. 2.0.1.2 angeführten Voraussetzungen für solche Veranlagungszeiträume nicht zur Anwendung, in denen die insgesamt steuerpflichtigen Einkünfte 32.000 DM nicht übersteigen. Steuerfrei bleibende Veräußerungsgewinne, mit Ausnahme der nach § 16 Abs. 4 Satz 3 EStG befreiten Gewinne (§ 50 Abs. 1 Satz 5 EStG), nach einem DBA oder dem Auslandstätigkeitserlaß freigestellte Einkünfte sowie steuerfreie Einnahmen zählen nicht zu den insgesamt steuerpflichtigen Einkünften. Die nach § 50 Abs. 6 EStG abziehbaren Steuern sind bei der Ermittlung der insgesamt steuerpflichtigen Einkünfte zu berücksichtigen.

Ein Verlustausgleich zwischen positiven und negativen inländischen Einkünften ist insoweit zu berücksichtigen. Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen und tarifliche Freibeträge im Sinne des § 50 Abs. 1 Satz 5 EStG können dagegen nicht abgezogen werden, es sei denn, es handelt sich um Grenzpendler, auf die § 50 Abs. 4 EStG anzuwenden ist. Außerdem ist bei erweitert beschränkt steuerpflichtigen Arbeitnehmern, die Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit beziehen, § 50 Abs. 1 Sätze 6 und 7 EStG zu beachten.

2.0.2 Auswirkungen der Doppelbesteuerungsabkommen

2.0.2.1 Solange der Steuerpflichtige in einem ausländischen Gebiet ansässig ist, für das ein DBA besteht, gilt folgendes:

1. Einkünfte und Vermögensteile, für die nach dem DBA dem betreffenden Gebiet (Wohnsitzstaat) das ausschließliche Besteuerungsrecht zusteht, unterliegen nicht der erweiterten beschränkten Steuerpflicht.
2. Begrenzt das Abkommen die deutsche Steuerberechtigung für bestimmte Einkünfte auf einen Höchstsatz (zB bei Dividenden), so darf auch bei der erweiterten beschränkten Steuerpflicht die Steuer von diesen Einkünften nur bis zu dieser Grenze erhoben werden.
3. Wird nach dem DBA die deutsche Steuerberechtigung nicht begrenzt (zB Einkünfte aus einer im Inland belegenen Betriebsstätte oder Einkünfte aus im Inland belegenem unbeweglichen Vermögen), so bemißt sich der Steuersatz für die erweitert beschränkt steuerpflichtigen Einkünfte auch in diesen Fällen nach dem Welteinkommen.
 

Beispiel:

Ein Steuerpflichtiger verlegt seinen Wohnsitz in einen niedrig besteuernden DBA-Staat, unterhält aber weiterhin eine gewerbliche Betriebsstätte im Inland. Die Voraussetzungen für eine erweiterte beschränkte Steuerpflicht liegen vor. Nach dem Betriebsstättenartikel dieses DBA hat die Bundesrepublik Deutschland ein Besteuerungsrecht für die Betriebsstätteneinkünfte. Bei der Bestimmung des auf die Betriebsstätteneinkünfte anzuwendenden Steuersatzes sind sämtliche Einkünfte des Steuerpflichtigen zugrunde zu legen (§ 2 Abs. 5 Satz 1 AStG).

2.0.2.2 Es ist stets zu prüfen, ob der Steuerpflichtige tatsächlich abkommensberechtigt ist, insbesondere, ob er in dem betreffenden Staat im Sinne des Abkommens ansässig ist. Zweifel können im Auskunfts- ggf. im Verständigungsverfahren geklärt werden.

2.0.2.3 Nach dem DBA-Schweiz ist folgendes zu beachten:

1.

Artikel 4 Abs. 4

Die Beschränkungen des Abkommens für das Jahr des Wegzugs und für die folgenden fünf Jahre greifen nicht ein. Dies gilt nicht bei Schweizer Staatsangehörig...

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