In der neu gefassten Rz. 118 werden die im Veranlagungsverfahren geltenden Verlustverrechnungsregeln gem. § 20 Abs. 6 EStG dargelegt. Die Verlustverrechnung kann nicht auf Teilbeträge beschränkt werden. Danach gilt für die Verlustverrechnung in den Verlustverrechnungskreisen im Veranlagungsverfahren folgende Reihenfolge:

a) Aktienveräußerungsgewinne und -verluste aus dem aktuellen Jahr. Hierbei dürfen Aktienveräußerungsverluste nur mit Aktienveräußerungsgewinnen verrechnet werden.
b) Sonstige Kapitalerträge und Verluste aus dem aktuellen Jahr: Zu beachten ist, dass sonstige negative Einkünfte aus § 20 EStG nur mit positiven Einkünften aus § 20 EStG verrechnet werden dürfen.
c) Verlustvorträge aus Aktienveräußerungen i.S.d. § 20 Abs. 6 Satz 3 EStG. Verlustvorträge aus Aktienveräußerungen dürfen nur mit nach Verrechnung gem. lit. a und b verbleibenden Aktienveräußerungsgewinnen verrechnet werden.
d) Sonstige Verlustvorträge i.S.d. § 20 Abs. 6 Satz 3 EStG. Hierbei muss beachtet werden, dass die Verlustvorträge mit positiven Einkünften nach Verrechnung gem. lit. a bis c aus § 20 EStG verrechnet werden.
 

Beraterhinweis

Auf Ebene der auszahlenden Stellen werden negative Kapitalerträge einschließlich gezahlter Stückzinsen bis zur Höhe der positiven Kapitalerträge ausgeglichen. Die verschiedenen Verlustverrechnungskreise für Aktienveräußerungsverluste und sonstige Verluste werden durch die auszahlenden Stellen beachtet. In der neugefassten Rz. 118 wird explizit darauf hingewiesen, dass eine derartige institutsbezogene unterjährige Verlustverrechnung nur zeitlich vorrangig ist. Die Änderung der Verwaltungsauffassung ist auf die BFH-Rspr. vom 29.8.2017 (BFH v. 29.8.2017 – VIII R 23/15, BStBl. II 2019, 54 = ErbStB 2018, 43 m. Komm. Anemüller) zurückzuführen. Nach der Rspr. des BFH kann der Steuerpflichtige durch Ausübung des Veranlagungswahlrechts nach § 32d Abs. 4 EStG eine institutsübergreifende Verlustverrechnung zwischen den Depots verschiedener auszahlender Stellen beantragen. Das BFH-Urteil war ursprünglich zur Verrechnung von Altverlusten i.S.d. § 23 EStG 2008 mit Gewinnen gem. § 20 Abs. 2 EStG ergangen. Allerdings lassen sich die Aussagen des BFH wirtschaftlich auf die Verrechnung von Aktienveräußerungsgewinnen mit Aktienveräußerungsverlusten übertragen.

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