Jahreswechsel 2020/2021: So... / 1 Bedeutung und Funktion der Sozialversicherungswerte

Die Sozialversicherungswerte sind maßgeblich für Fragen der Versicherungspflicht und Versicherungsfreiheit sowie für die Höhe der Beiträge. Sie ändern sich in der Regel von Jahr zu Jahr und werden deshalb zu Beginn des neuen Jahres festgelegt. Die Fortschreibung der Rechengrößen für das Jahr 2021 orientiert sich an der Veränderung der Bruttolöhne und -gehälter in Deutschland im Jahr 2019. Bundesweit betrachtet betrug 2019 die Veränderung (Lohnzuwachsrate) 2,94 % und in den westdeutschen Ländern 2,85 %. Entsprechend erhöhen sich die Rechengrößen für 2021 gegenüber dem Vorjahr.

1.1 Beitragsbemessungsgrenzen

Für die Berechnung der Beiträge wird das beitragspflichtige Einkommen (z. B. Arbeitsentgelt) max. bis zur Höhe der maßgebenden Beitragsbemessungsgrenze herangezogen. Die Beitragsbemessungsgrenzen in der allgemeinen Renten- und Arbeitslosenversicherung betragen im Jahr 2021 monatlich 7 100 EUR/West (+ 200 EUR) bzw. 6 700 EUR/Ost (+ 250 EUR). Die Beitragsbemessungsgrenze Ost wird erst zum 1.1.2025 vollständig dem Westwert entsprechen. In der Kranken- und Pflegeversicherung beträgt die Beitragsbemessungsgrenze bundeseinheitlich monatlich 4 837,50 EUR (+ 150 EUR).

1.2 Jahresarbeitsentgeltgrenzen der Krankenversicherung

Die Jahresarbeitsentgeltgrenzen sind ausschließlich in der Krankenversicherung bei der Feststellung der Krankenversicherungspflicht des Arbeitnehmers zu berücksichtigen. Sie werden deshalb auch als Versicherungspflichtgrenzen bezeichnet. Krankenversicherungspflichtige Arbeitnehmer sind grundsätzlich gesetzlich krankenversichert. Überschreitet das regelmäßige Jahresarbeitsentgelt die Jahresarbeitsentgeltgrenze, tritt mit Ablauf des Kalenderjahres Krankenversicherungsfreiheit ein.[1]

 
Hinweis

Auswirkungen von Kurzarbeit auf eine bestehende Krankenversicherungsfreiheit

Kurzarbeit (mit Ausnahme des Bezugs von Transferkurzarbeitergeld) wirkt sich auf den Versicherungsstatus eines wegen Überschreitens der Jahresarbeitsentgeltgrenze krankenversicherungsfreien Arbeitnehmers nicht aus; eine vorliegende Krankenversicherungsfreiheit besteht fort.

Sofern aber die Kurzarbeit über den Jahreswechsel hinaus andauert und das ausgefallene regelmäßige Jahresarbeitsentgelt des Arbeitnehmers nicht auch die vom Beginn des nächsten Kalenderjahres an geltende Jahresarbeitsentgeltgrenze übersteigt, tritt zum 1. Januar des nächsten Jahres Krankenversicherungspflicht ein. In diesem Fall können sich privat krankenversicherte Arbeitnehmer von der Krankenversicherungspflicht befreien lassen.[2]

Krankenversicherungsfreie Arbeitnehmer können wählen, ob sie die gesetzliche Krankenversicherung freiwillig fortsetzen oder zu einem privaten Krankenversicherungsunternehmen wechseln.[3]

1.2.1 Allgemeine Jahresarbeitsentgeltgrenze

Es sind 2 unterschiedliche Jahresarbeitsentgeltgrenzen zu berücksichtigen: Eine allgemeine sowie eine besondere Jahresarbeitsentgeltgrenze. Grundsätzlich gilt die allgemeine Jahresarbeitsentgeltgrenze. Sie beträgt im Jahr 2021 64 350 EUR (+ 1 800 EUR).

1.2.2 Besondere Jahresarbeitsentgeltgrenze

Die besondere Jahresarbeitsentgeltgrenze gilt nur für Arbeitnehmer, die am 31.12.2002 wegen Überschreitens der Jahresarbeitsentgeltgrenze krankenversicherungsfrei und zum damaligen Zeitpunkt bei einer privaten Krankenversicherung in einer substitutiven Krankenversicherung versichert waren. Sie beträgt im Jahr 2021 58 050 EUR (+ 1 800 EUR).

1.3 Bezugsgröße

Die Bezugsgröße ist z. B. von Bedeutung für die Höhe der Entgeltgrenze in der Familienversicherung und für die Bemessung der Mindestbeiträge von freiwillig Versicherten (z. B. Selbstständigen). Im Jahr 2021 beträgt die Bezugsgröße 39 480 EUR/West – monatlich 3 290 EUR (+ 105 EUR). Die Bezugsgröße Ost beträgt 37 380 EUR – monatlich 3 115 EUR (+ 105 EUR).

 
Hinweis

Bezugsgröße West und Ost

Die Bezugsgröße Ost ist nur für die Renten- und Arbeitslosenversicherung relevant. Sie wird – wie die Beitragsbemessungsgrenze Ost – vom 01.01.2019 bis 01.01.2025 schrittweise auf den West-Wert angehoben. In der Kranken- und Pflegeversicherung gilt bundeseinheitlich bereits nur die Bezugsgröße West.

1.4 Sachbezüge

Der Sachbezug für freie Verpflegung wurde zum 01.01.2021 auf 263 EUR (+ 5 EUR) und der Sachbezug für freie Unterkunft auf 237 EUR (+ 2 EUR) angehoben. Der monatliche Gesamtsachbezugswert beträgt demnach 500 EUR.[1]

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