Jahreswechsel 2020/2021: Lohnsteuerliche Änderungen

Zusammenfassung

Kurzbeschreibung: Die lohnsteuerlich relevanten Änderungen und Neuerungen für das Jahr 2021 kompakt dargestellt. Hierzu zählen z. B. die Rückführung des Solidaritätszuschlags, die gesetzliche Klarstellung, dass nur echte Zusatzleistungen des Arbeitgebers steuerbegünstigt sind und die Erhöhung der Entfernungspauschale ab dem 21. Kilometer.

Überblick

Nachfolgend erfahren Sie alle lohnsteuerlich relevanten Änderungen und Neuerungen für das Jahr 2021. Aufgrund der Pandemie-Situation haben sich bereits während des Jahres 2020 zahlreiche Änderungen ergeben, die teilweise auch darüber hinaus von Bedeutung sind. Die wichtigsten Änderungen zum Jahreswechsel sind der weitgehende Wegfall des Solidaritätszuschlags und die Anhebung der Entfernungspauschale, von denen jeweils eine Vielzahl von Arbeitnehmern profitieren. Daneben gibt es Entlastungen beim Lohnsteuertarif sowie Verbesserungen für Arbeitnehmer mit Behinderungen. Im Rahmen des Jahressteuergesetzes 2020 wurde die sog. Zusätzlichkeitsvoraussetzung gesetzlich festgeschrieben. Zahlreiche Steuerbefreiungen und Pauschalierungsvorschriften sind nur nutzbar, wenn der Arbeitgeber etwas "zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn" gewährt. Weiterhin kam es zu einer Erhöhung der Übungsleiterpauschalen und der Einführung einer Homeoffice-Pauschale.[1]

Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Änderungen ergeben sich in zahlreichen Vorschriften des Einkommensteuergesetz und beim Solidaritätszuschlaggesetz. Wichtige Änderungen enthält das Gesetz zur Rückführung des Solidaritätszuschlags v. 10.12.2019, BGBl 2019 I S. 2115, das Jahressteuergesetz 2020 v. 21.12.2020, BGBl 2020 I S. 3096 (z. B. HomeOffice-Pauschale und Klarstellung in § 8 Abs. 4 EStG, dass nur "echte" Zusatzleistungen des Arbeitgebers steuerbegünstigt sind) sowie das Gesetz zur Umsetzung des Klimaschutzprogramms 2030 im Steuerrecht v. 21.12.2019, BGBl I S. 2886, das die Anhebung der Entfernungspauschale und die Einführung einer Mobilitätsprämie ab dem Jahr 2021 in § 101ff. EStG vorsieht.

[1] Vgl. dazu z. B. Seifert, StuB 1/2021 S. 30 und Hörster, NWB 2/2021 S. 92 (93f.).

1 Rückführung des Solidaritätszuschlags

1.1 Änderung bei laufendem Arbeitslohn

Ab 2021 entfällt der Solidaritätszuschlag für rund 90 % der Lohn- und Einkommensteuerzahler.[1] Dazu erfolgt eine deutliche Anhebung der Grenzbeträge an Lohnsteuer, bis zu denen kein Solidaritätszuschlag erhoben wird: für Ehegatten bzw. in der Steuerklasse III von 1 944 EUR auf 33 912 EUR im Jahr, in allen übrigen Fällen von 972 EUR auf 16 956 EUR im Jahr.[2] An die Freigrenze schließt sich noch eine Art "Gleitzone" (sog. "Milderungszone") an, innerhalb der sich der zu zahlende Solidaritätszuschlag lediglich schrittweise auf 5,5 % erhöht.

Diese Freigrenzen (sog. Nullzone) werden bereits im Lohnsteuerabzugsverfahren berücksichtigt. Bei monatlicher Lohnzahlung sind dies in Steuerklasse III 2 826 EUR (Jahreswert = 33 912 EUR), bei allen übrigen Steuerklassen 1 413 EUR (Jahreswert = 16 956 EUR).[3] Insoweit tritt bereits im Lohnsteuerabzugsverfahren eine wesentliche Entlastung ein:

 
Freigrenzen nach Steuerklasse 2020 2021
Alleinstehend (Steuerklasse I, II, IV, V, VI) 972 EUR 16 956 EUR
Verheiratet (Steuerklasse III) 1 944 EUR 33 912 EUR
[1] Gesetz zur Rückführung des Solidaritätszuschlags v. 10.12.2019, BGBl 2019 I S. 2115
[2] § 3 Abs. 3 SolzG i. d. F. des Gesetzes zur Rückführung des Solidaritätszuschlags 1995 v. 10.12.2019.
[3] § 3 Abs. 4 SolzG i. d. F. des Gesetzes zur Rückführung des Solidaritätszuschlags 1995 v. 10.12.2019.

1.2 Änderung bei sonstigen Bezügen

Im Lohnsteuerabzugsverfahren wird für sonstige Bezüge nach bisheriger Rechtslage keine Nullzone berücksichtigt. Durch eine neue Vorschrift[1] wird die Anwendung der jährlichen Nullzone auch bei sonstigen Bezügen sichergestellt. Dies bewirkt, dass für gering oder durchschnittlich verdienende Arbeitnehmer nicht vom Arbeitgeber unterjährig ein Solidaritätszuschlag einzubehalten ist, obgleich die jährliche Nullzone nicht überschritten wird.

[1] § 3 Abs. 4a Satz 1 SolzG i. d. F. des Gesetzes zur Rückführung des Solidaritätszuschlags 1995 v. 10.12.2019.

1.3 Keine Änderung bei pauschaler Lohnsteuer

Beim Lohnsteuerabzug bestehen zahlreiche Pauschalierungsmöglichkeiten, meist mit festen Steuersätzen von 15 oder 25 %. Sie gelten z. B. für kurzfristig und geringfügig Beschäftigte[1] sowie für einzelne Lohnbestandteile, z. B. für Fahrtkostenzuschüsse.[2] Auch die Ermittlung besonderer Pauschsteuersätze ist möglich.[3] Auf die Pauschalsteuer fällt bisher zusätzlich Solidaritätszuschlag an, diesbezüglich gibt es keine Änderungen. Der Zuschlag wird auch in 2021 in unveränderter Höhe von 5,5 % auf die Pauschalsteuer erhoben. Bei Minijobs ist er unverändert in den 2-%-Pauschalabgaben enthalten.

 
Achtung

Bei Steuerklassenkombination III/V ergeben sich ggf. hohe Voraus-/Nachzahlungen

Bei Arbeitnehmer-Ehepaaren kann es im Bereich des Solidaritätszuschlags bei bestimmten Fallkonstellationen mit der Steuerklassenkombination III/V ab 2021 zu verhältnismäßig hohen Vorauszahlungen kommen. Ähnliches gilt später bei der Steuererklärung.

Die neuen Freigrenzen wirken sich z. B. bei Arbeitnehmer-Ehegatten mi...

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