Hartz/Meeßen/Wolf, ABC-Führ... / 2. Der Verlustvortrag
 

Rz. 28

Stand: EL 109 – ET: 05/2016

Soweit ein Rücktrag nicht ausgeglichener Verluste zB wegen Überschreitens der 1-Mio-EUR-Grenze unzulässig oder wegen eines zu niedrigen Einkommens in dem dem Verlustjahr vorangegangenen VZ nicht möglich ist, gilt: Die nicht ausgeglichenen Verluste werden regelmäßig (einschränkend > Rz 20) in den folgenden VZ ohne zeitliche Begrenzung vor SA, AgB usw (> R 2 Abs 1 EStR) vom GdE abgezogen.

 

Beispiel:

C ist das ganze Jahr 2014 und in 2015 bis zum 30. April arbeitslos gewesen. Ab Mai 2015 hat er einen neuen Arbeitsplatz gefunden.

Während der Zeit der Arbeitslosigkeit sind ihm Aufwendungen für Bewerbungen und Vorstellungsreisen entstanden, und zwar in 2014 in Höhe von 4 000 EUR und in 2015 in Höhe von 1 500 EUR. Der Verlust aus 2014 kann in diesem VZ nicht genutzt werden, weil C keine positiven Einkünfte erzielt hat. In 2015 hat er Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit erzielt, die nach Ausgleich mit den in diesem VZ entstandenen WK in Höhe von 1 500 EUR noch 10 000 EUR betragen, die zur Versteuerung anstehen. Das FA kann bei der Veranlagung von C den Gesamtbetrag seiner Einkünfte weiter mindern, indem es den Verlust aus 2014 in Höhe von 4 000 EUR in den VZ 2015 vorträgt, sodass nur noch 6 000 EUR als Besteuerungsgrundlage verbleiben.

 

Rz. 29

Stand: EL 109 – ET: 05/2016

Auch der Verlustvortrag ist der Höhe nach begrenzt: Ein Abzug ist in jedem folgenden VZ bis zu einem GdE von 1 Mio EUR unbeschränkt, darüber hinaus bis zu 60 Prozent des 1 Mio EUR übersteigenden GdE zulässig (§ 10d Abs 2 Satz 1 EStG). Die Begrenzung bezieht sich auf den einzelnen Stpfl, der die negativen Einkünfte erzielt hat. Die Begrenzung gilt ferner für alle Einkunftsarten zusammengefasst und nicht je Einkunftsart. Bei zusammenveranlagten Ehegatten verdoppelt sich der Höchstbetrag auf 2 Mio EUR und kann unabhängig davon, wer von beiden Ehegatten die positiven oder negativen Einkünfte erzielt hat, ausgeschöpft werden (> R 10d Abs 2 Satz 9 EStR). Entsprechendes gilt für > Lebenspartner (vgl § 2 Abs 8 EStG). In die Berechnung des Höchstbetrags sind – wie beim Verlustrücktrag – auch die besonderen Verlustverrechnungsbeschränkungen unterliegenden Einkünfte (> Rz 20) einzubeziehen (BMF vom 29.11.2004, BStBl 2004 I, 1097).

 

Rz. 30

Stand: EL 109 – ET: 05/2016

§ 62d EStDV regelt bei Ehegatten den Wechsel der Veranlagungsart (Einzel- oder Zusammenveranlagung) während des Verlustabzugszeitraums. Ein Ehegatte, der negative Einkünfte hat, die sich bei ihm durch Verlustvorträge steuerlich auswirken können, kann beantragen, einzeln veranlagt zu werden, da dieser Antrag nicht willkürlich ist (> Ehegattenbesteuerung Rz 16 und Rz 16/1; vgl BFH/NV 1999, 1333). Zur Änderung des Veranlagungswahlrechts bei Änderung einer bestandskräftigen Steuerfestsetzung auf Grund eines Verlustrücktrags nach § 10d EStGEhegattenbesteuerung Rz 23.

 

Rz. 31

Stand: EL 109 – ET: 05/2016

Beschränkt Steuerpflichtige können Verluste nur abziehen, wenn diese in wirtschaftlichem Zusammenhang mit > Inländische Einkünfte stehen. Einkünfte, die dem Steuerabzug unterliegen, werden bei einem Verlustabzug aber nicht berücksichtigt (‚Abgeltungsprinzip‘; § 50 Abs 2 Satz 1 EStG; > Rz 21).

Zur Ausnahme von diesem Verlustausgleichsverbots bei beschränkt steuerpflichtigen ArbN, die Staatsangehörige eines EU/EWR-Staates sind, im Hoheitsgebiet eines dieser Staaten ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt haben und die Berücksichtigung der inländischen Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit im Rahmen einer Veranlagung beantragen, vgl § 50 Abs 2 Satz 2 Nr 4b und Satz 7 EStG; zu Einzelheiten > Veranlagung von Arbeitnehmern Rz 143 f iVm 129ff.

 

Rz. 32

Stand: EL 109 – ET: 05/2016

Der Verlustabzug ist auch bei einem Wechsel von der unbeschränkten zur beschränkten Steuerpflicht zulässig (§ 50 Abs 2 Satz 2 Nr 3 iVm § 2 Abs 7 Satz 3 EStG). Umgekehrt sind Verluste aus der Zeit der beschränkten Steuerpflicht, die mit inländischen Einkünften wirtschaftlich zusammenhängen (> Rz 31), voll in VZ rück- oder vortragbar, in denen der Stpfl unbeschränkt steuerpflichtig war oder geworden ist.

 

Rz. 33

Stand: EL 109 – ET: 05/2016

Verluste hingegen, die ein im Inland weder beschränkt noch unbeschränkt Stpfl erzielt, werden nach einem Wohnsitzwechsel ins Inland nicht berücksichtigt (BFH 228, 429 = BStBl 2011 II, 405).

 

Rz. 34

Stand: EL 109 – ET: 05/2016

Randziffer einstweilen frei

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Hartz, ABC-Führer Lohnsteuer (Schäffer-Poeschel). Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Hartz, ABC-Führer Lohnsteuer (Schäffer-Poeschel) 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge