Hartz/Meeßen/Wolf, ABC-Führ... / 1. Der Verlustrücktrag
 

Rz. 23

Stand: EL 109 – ET: 05/2016

Verluste, die bei der Ermittlung des GdE (§ 2 Abs 3 EStG) nicht mit positiven Einkünften desselben VZ ausgeglichen (verrechnet) werden können, werden regelmäßig (einschränkend > Rz 20) vor SA, AgB usw (> R 2 Abs 1 EStR) vom GdE des dem VZ vorangegangenen VZ abgezogen. Ein Rücktrag auf weiter zurückliegende Jahre ist unzulässig. Der auf dem Verlustrücktrag beruhende Erstattungsanspruch entsteht erst mit Ablauf des VZ, in dem der Verlust entstanden ist (BFH 192, 21 = BStBl 2000 II, 491; BFH 198, 473 = BStBl 2002 II, 503; > Rz 38).

 

Rz. 24

Stand: EL 109 – ET: 05/2016

Der Verlustrücktrag ist auf einen Höchstbetrag von 1 Mio EUR für jedes Verlustentstehungsjahr begrenzt (§ 10d Abs 1 Satz 1 EStG). Der Betrag bezieht sich auf den einzelnen Stpfl, der die negativen Einkünfte erzielt hat. Die Begrenzung gilt ferner für alle Einkunftsarten zusammengefasst und nicht je Einkunftsart. Das Erreichen eines mehrfachen Volumens ist nicht möglich. Bei zusammenveranlagten Ehegatten verdoppelt sich dieser Höchstbetrag und kann unabhängig davon, wer von beiden Ehegatten die positiven oder negativen Einkünfte erzielt hat, ausgeschöpft werden (> R 10d Abs 2 EStR). Entsprechendes gilt für > Lebenspartner (vgl § 2 Abs 8 EStG). Wegen des allgemeinen Verweises auf § 10d EStG in den gesetzlichen Regelungen über die besonderen Verlustverrechnungsbeschränkungen (> Rz 20) sind diese in die Betragsbegrenzung des Verlustrücktrags mit einzubeziehen (BMF vom 29.11.2004, BStBl 2004 I, 1097).

 

Beispiel 1:

Der ArbN A ist 2015 ganzjährig und 2014 ab Juli im Ausland tätig. Vom 01.01. bis 31.07.2014 arbeitet er im Inland. Sein im Ausland bezogener Arbeitslohn ist nach DBA steuerfrei. Er hat 2015 einen Verlust aus der Vermietung seines im Inland belegenen Grundstücks in Höhe von 20 000 EUR.

Dieser Verlust kann 2015 nicht genutzt werden, weil A im VZ 2015 im Inland keine steuerpflichtigen positiven Einkünfte hat. Der Verlust wird deshalb vom Gesamtbetrag der Einkünfte 2014 abgezogen. Ist nach dem Verlustrücktrag auf 2014 der Verlust 2015 noch nicht voll verbraucht, so ist er ggf in den folgenden Jahren abziehbar.

 

Rz. 25

Stand: EL 109 – ET: 05/2016

Der Stpfl kann beantragen, ganz oder teilweise von einem Verlustrücktrag abzusehen (§ 10d Abs 1 Satz 5 EStG – Wahlrecht –). Aus dem Antrag muss sich ergeben, in welcher Höhe der abziehbare Verlust zurückgetragen werden soll (§ 10d Abs 1 Satz 6 EStG). Der Stpfl kann also bestimmen, ob ein Verlustrücktrag durchgeführt werden soll und ggf in welcher Höhe. Damit besteht zB die Möglichkeit, den Verlustrücktrag auf den Betrag zu begrenzen, der erforderlich ist, um zu einer Steuer von 0 EUR zu gelangen. Durch eine entsprechende Begrenzung wird verhindert, dass sich die vom Einkommen abziehbaren Beträge im Verlustrücktragsjahr nicht auswirken. Der ggf auf Grund des Antrags nicht zurückgetragene Verlust wird im Rahmen des Verlustvortrags (> Rz 28 ff) berücksichtigt. Der Verlust wird bis zur Höhe des GdE vorgetragen. Zu verfahrensrechtlichen Einzelheiten und zum Wahlrecht > R 10d Abs 3 EStR und > Rz 46.

Macht der Stpfl von seinem Antragsrecht hinsichtlich des Verlustrücktrags keinen Gebrauch, berücksichtigt das FA von Amts wegen die abziehbaren Verluste bis zur Höhe des GdE. Zur Feststellung des verbleibenden Verlustabzugs > Rz 40 ff.

 

Rz. 26

Stand: EL 109 – ET: 05/2016

Der für steuerfreie Lohnersatzleistungen iSd § 32b Abs 1 Nr 1 EStG bestehende >  Progressionsvorbehalt wird beim Verlustabzug nicht angewendet (EFG 1994, 1044). Auch die dem Progressionsvorbehalt unterliegenden ausländischen Einkünfte werden nur noch im Entstehungsjahr berücksichtigt (§ 32b Abs 2 EStG). Im Rahmen des Verlustabzugs wirken sie sich deshalb nicht aus.

 

Beispiel 2:

B hat 2014 einen negativen Gesamtbetrag der Einkünfte von 10 000 EUR. Außerdem hat er in 2014 nach einem DBA steuerbefreite Einkünfte in Höhe von 2 000 EUR erzielt, die dem Progressionsvorbehalt unterliegen. B hat in seiner Steuererklärung für 2014 beantragt, keinen Verlust­rücktrag durchzuführen. In 2015 erzielt B nur noch positive Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit in Höhe von 30 000 EUR.

Der Verlust in Höhe von 10 000 EUR ist im Rahmen des Verlustvortrags bei der Veranlagung 2015 zu berücksichtigen. Die in 2014 bezogenen ausländischen Einkünfte, die sich bei der Veranlagung 2014 nicht im Rahmen des Progressionsvorbehalts auswirken, werden bei der Berechnung des Steuersatzes für das Kalenderjahr 2015 nicht berücksichtigt.

Zu ausländischen Einkünften > Ausland, > Ausländischer Arbeitslohn.

 

Rz. 27

Stand: EL 109 – ET: 05/2016

Haben ArbG und ArbN vereinbart, dass ein Nettolohn gezahlt wird, führt die Abtretung eines Steuererstattungsanspruchs an den ArbG in dem Zeitpunkt, in dem das FA die Erstattung vornimmt, beim ArbN zu negativen Einnahmen aus nichtselbständiger Arbeit (zu Einzelheiten > Nettolohn Rz 8 ff). Diese sind – soweit im Erstattungsjahr, zB wegen Wegfalls der unbeschränkten Steuerpflicht, ein Ausgleich mit positiven Einkünften des ArbN nicht mögl...

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