Hartz/Meeßen/Wolf, ABC-Führer Lohnsteuer, Steuerberatungskosten
 

Rz. 1

Stand: EL 104 – ET: 10/2014

Zu WK/BA führt nur der Teil der Aufwendungen, die auf die Ermittlung der Einkünfte entfallen; das gilt auch für die Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit (BFH 82, 455, 458, 459 = BStBl 1965 III, 412, 413, 414). Im Übrigen gehören Steuerberatungskosten zu den Aufwendungen für die private > Lebensführung, die grundsätzlich über den > Grundfreibetrag hinaus nicht abziehbar sind (BFHNV 2014, 1200). Die Vergütung wird dem Stpfl aber der Steuerberatervergütungsverordnung folgend in einer Summe und nicht ihrem steuerlich unterschiedlichen Charakter folgend in Rechnung gestellt.

 

Rz. 1/1

Stand: EL 104 – ET: 10/2014

Der stark kritisierte Wegfall des Abzugs von Steuerberatungskosten als Sonderausgaben ist verfassungsgemäß. Die Streichung des § 10 Abs 1 Nr 6 EStG idF bis 2005 verletzt weder das objektive noch das subjektive Nettoprinzip; auch der Gleichheitssatz wird nicht verletzt (BFH 228, 317 = BStBl 2010 II, 617).

 

Rz. 2

Stand: EL 104 – ET: 10/2014

Steuerberatungskosten sind idR im Schätzungswege entweder den abziehbaren WK/BA oder den nicht abziehbaren Aufwendungen für die > Lebensführung (§ 12 Nr 1 EStG) zuzuordnen. > Betriebsausgaben oder > Werbungskosten sind die Aufwendungen, soweit sie zur Ermittlung von Einkünften anfallen. Aufwendungen für die Lebensführung sind sie, soweit sie auf das Übertragen der ermittelten Einkünfte in die Erklärung, auf die Beratung in Tarif- und Veranlagungsfragen oder auf die Ermittlung von SA, AgB, > Steuerermäßigungen oder das > Kindergeld entfallen. Zu Einzelheiten vgl BMF vom 21.12.2007, BStBl 2008 I, 256.

Die FinVerw hat für die Zuordnung in abziehbare und nichtabziehbare Aufwendungen eine Nichtbeanstandungsgrenze eröffnet (aaO Rz 8): Beiträge an LSt-Hilfevereine, Aufwendungen für steuerliche Fachliteratur und für Software können bis zu 50 % den WK/BA zugeordnet werden. Dessen ungeachtet kann ein Stpfl je VZ Aufwendungen für gemischte Steuerberatungskosten bis zu 100 EUR – für Ehegatten/> Lebenspartner insgesamt 100 EUR – als WK/BA ansetzen.

 

Beispiel 1:

Die beide als ArbN tätigen Eheleute A erklären, 220 EUR als Beitrag an einen LSt-Hilfeverein gezahlt zu haben. Außerdem haben sie 130 EUR ausgegeben, um den ABC-Führer Lohnsteuer anzuschaffen, der ihnen nicht nur die bestehenden Regelungen vermittelt, sondern auch die Hintergründe verständlich macht. Das FA kann für beide Eheleute insgesamt 175 EUR (= 50 % der Aufwendungen) als WK abziehen.

 

Beispiel 2:

Wie im Beispiel 1 haben die Eheleute B ebenfalls Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit. Für die Dienste ihres Steuerberaters haben auch sie 220 EUR gezahlt. Auch sie haben den ABC-Führer Lohnsteuer zusätzlich für 130 EUR angeschafft. Die im Beispiel 1 angewandte Regelung gilt zwar für einen Lohnsteuer-Hilfeverein, nicht aber für die Inanspruchnahme eines Steuerberaters. Die Eheleute können folglich für die persönliche Steuerberatung lediglich insgesamt 100 EUR als WK ansetzen. Für Fachliteratur können sie 50 % der Aufwendungen, also 65 EUR abziehen.

 

Rz. 3

Stand: EL 104 – ET: 10/2014

Steuerberatungskosten sind Aufwendungen für die mündliche oder schriftliche Beratung in steuerlichen Angelegenheiten, auch durch Gutachten. Zum Umfang der steuerlichen Angelegenheiten > Hilfe in Steuersachen Rz 4. Deshalb gehören Aufwendungen für das nach der Gebührenordnung bemessene Beratungshonorar des Steuerberaters sowie die Mitgliedsbeiträge für > Lohnsteuer-Hilfevereine zu den Steuerberatungskosten. Das gilt selbst dann, wenn die beratende Person nicht zur Hilfeleistung in Steuersachen befugt war. Zu den Steuerberatungskosten gehören aber auch Aufwendungen des Stpfl für steuerliche Sammelwerke oder Fachliteratur (BFH 157, 512 = BStBl 1989 II, 865; > Rz 5). Steuerberatungskosten sind zudem Aufwendungen des > Erben für eine vom FA für den Erblasser angeforderte Steuererklärung (EFG 2005, 694).

Steuerberatungskosten sind außerdem Nebenkosten wie die Aufwendungen für das Ausfüllen der Steuererklärungs-Vordrucke (BFH 157, 559 = BStBl 1989 II, 967 mwN) sowie Fahrtkosten zum Steuerberater einschließlich Unfallkosten (BFH 157, 559 = BStBl 1989 II, 559, aaO). EFG 1992, 257 erkannte auch Fahrtkosten zum FA (Unfallkosten) als Steuerberatungskosten an, wenn sich der Stpfl vom zuständigen Angehörigen der FinVerw beraten lassen wollte (vgl § 89 AO; uE zweifelhaft). Die Anfertigung der persönlichen Steuererklärung ist übrigens keine berufliche Nutzung für ein häusliches > Arbeitszimmer (BFH/NV 2005, 1549).

 

Rz. 4

Stand: EL 104 – ET: 10/2014

Aufwendungen für die Verteidigung durch einen Steuerberater, die nach der Einleitung eines Steuerstrafverfahrens entstehen, sind keine Werbungskosten, da man solche Aufwendungen nicht zur Erfüllung steuerlicher Pflichten oder zur Wahrnehmung der Rechte bei der Ermittlung der Besteuerungsgrundlagen tätigt; dies gilt auch für die Ermittlung des objektiven Steuerstraftatbestands (BFH 158, 356 = BStBl 1990 II, 20) und ebenso bei einem beschuldigten Steuerberater (EFG 2014, 984 – NZB, BFH VI B 36/14). Gle...

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