Hartz/Meeßen/Wolf, ABC-Führ... / II. Besteuerung des Wohnförderkontos
 

Rz. 155

Stand: EL 101 – ET: 12/2013

Das in Wohneigentum gebundene steuerlich geförderte Altersvorsorgekapital (> Rz 110 ff) wird ebenfalls nach § 22 Nr 5 EStG nachgelagert besteuert. Dazu werden die geförderten Beträge in dem nicht mehr beim Anbieter, sondern ab 2014 bei der ZfA geführten Wohnförderkonto erfasst; dazu steht die ZfA im Datenaustausch mit dem Anbieter (vgl § 92a Abs 2 Satz 1 iVm § 52 Abs 23h EStG), den sie über den Stand des Wohnförderkontos informiert. Zu Einzelheiten vgl BMF vom 24.07.2013 Tz 161ff, aaO [> Rz 8].

In diesem Konto sind ua die geförderten Tilgungsleistungen (> Rz 27), die hierfür gewährten Zulagen (> Rz 30 ff) sowie der entnommene Altersvorsorge-Eigenheimbetrag (> Rz 110 ff [111]) vertragsbezogen zu erfassen (§ 92a Abs 2 Satz 1 EStG). Diese Leistungen sind bei der Entnahme zunächst unbesteuert geblieben (> Rz 119). Nach Ablauf eines Beitragsjahres ist der sich aus dem Wohnförderkonto ergebende Gesamtbetrag letztmals zu Beginn der Auszahlungsphase jährlich um 2 Prozent zu erhöhen (§ 92a Abs 2 Satz 3 EStG; die Angabe „1 Prozent“ in § 92 Satz 3 EStG beruht auf einem Redaktionsversehen; vgl Franz, DB 2013, [1992r]).

 

Rz. 155/1

Stand: EL 101 – ET: 12/2013

Das Wohnförderkonto wird vermindert um Zahlungen des Zulageberechtigten, die dieser auf einen auf seinen Namen lautenden Altersvorsorgevertrag leistet. Die nach Entnahmen zur Minderung des Wohnförderkontos geleisteten Beträge sind keine Altersvorsorgebeiträge (§ 82 Abs 4 Nr 4 EStG); insoweit kann keine erneute Förderung beansprucht werden.

 

Rz. 156

Stand: EL 101 – ET: 12/2013

Der verbleibende Stand des Wohnförderkontos wird im Alter nachgelagert sukzessive besteuert. Der sog Verminderungsbetrag führt wirtschaftlich zu einer jährlichen Teilauflösung des Wohnförderkontos und zielt auf ein wirtschaftlich mietfreies Wohnen im Alter ab. Er ergibt sich, indem zu Beginn der „Auszahlungsphase“ der im Wohnförderkonto eingestellte Gesamtbetrag zu gleichen Teilen auf die Jahre bis zur Vollendung des 85. Lebensjahres verteilt wird (§ 92a Abs 2 Satz 5 EStG). Während der gesamten Auszahlungsphase fließt in diesen Fällen keine Rente; besteuert wird vielmehr eine Rechnungsgröße als steuerliche BMG. Der Beginn der fiktiven Auszahlungsphase ergibt sich grundsätzlich aus den vertraglichen Vereinbarungen. Er muss zwischen der Vollendung des 60. und des 68. Lebensjahres des Zulageberechtigten/Stpfl liegen (§ 92a Abs 2 Satz 5 EStG). Der vereinbarte Zeitpunkt kann zwischen Anbieter und Zulageberechtigtem/Stpfl einvernehmlich bis zu Beginn der Auszahlungsphase geändert werden (vgl § 92a Abs 2 Satz 5 EStG).

 

Beispiel 1:

A entnimmt mit 44 Jahren 42 000 EUR zur Finanzierung seiner selbstgenutzten Wohnung aus einem zertifizierten Riester-Sparvertrag. Anschließend erbringt er über 20 Jahre geförderte Tilgungsleistungen iHv 2 100 EUR jährlich (einschließlich Altersvorsorgezulage) auf einen zertifizierten Darlehensvertrag. Mit dem Vertragsanbieter vereinbart er, dass die fiktive Auszahlungsphase mit Vollendung des 65. Lebensjahres beginnen soll.

 

Rz. 156/1

Stand: EL 101 – ET: 12/2013

Hat der Stpfl/Zulageberechtigte die Selbstnutzung der geförderten Wohnung auf Dauer aufgegeben, ist das verbleibende Wohnförderkonto auch in der „Auszahlungsphase“ aufzulösen (§ 92a Abs 3 EStG). Der Auflösungsbetrag (§ 92a Abs 3 Satz 5 EStG) gilt im Zeitpunkt der Aufgabe der Selbstnutzung als steuerpflichtige Leistung (§ 22 Nr 5 Satz 4 iVm Satz 1 EStG). Zu weiteren Einzelheiten und Ausnahmen > Rz 119 ff.

 

Rz. 157

Stand: EL 101 – ET: 12/2013

Anstelle der sukzessiven (fiktiven) Besteuerung durch Verminderung des Wohnförderkontos (> Rz 156) kann der Stpfl die einmalige Besteuerung wählen. Hierfür kann er verlangen, dass das Wohnförderkonto zu Beginn der Auszahlungsphase vollständig aufgelöst wird. Im Fall eines wirksamen Antrags wird der Auflösungsbetrag (> Rz 156/1) nur zu 70 % der Besteuerung unterworfen (§ 22 Nr 5 Satz 5 EStG).

 

Beispiel 2:

Wie Beispiel 1, aber A wählt die Sofortversteuerung. In diesem Fall muss er versteuern:

Stand des Wohnförderkontos zu Beginn der „Auszahlungsphase“ (Alter 65) 114 454 EUR

davon 70 % zu besteuern = 80 117 EUR.

Die steuerliche Belastung dürfte jedoch in diesem Fall regelmäßig im Bereich des Spitzensteuersatzes liegen.

Der „Rabatt“ von 30 % ist keine Subvention, sondern dient der Milderung der Progression – vergleichbar dem hier nicht anwendbaren § 34c Abs 3 EStG.

 

Rz. 158

Stand: EL 101 – ET: 12/2013

Wird die Selbstnutzung der geförderten Wohnung nach der Einmalbesteuerung innerhalb einer Frist von 20 Jahren auf Dauer und nicht nur vorübergehend aufgegeben, ist der bisher noch nicht besteuerte Betrag gestaffelt nach der Haltedauer im Zeitpunkt der Aufgabe der Selbstnutzung eineinhalbfach (innerhalb eines Zeitraums von zehn Jahren ab Beginn der Auszahlungsphase) oder einfach (in den nachfolgenden zehn Jahren) mit dem individuellen Steuersatz der Besteuerung zu unterwerfen (§ 22 Nr 5 Satz 6 EStG). Beim Tode des Zulageberechtigten/Stpfl (vgl § 93 Abs 1 Satz 4 Buchst c EStG; >...

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