Hartz/Meeßen/Wolf, ABC-Führ... / V. Aushilfen in der Land- und Forstwirtschaft (§ 40a Abs 3 EStG)
 

Rz. 225

Stand: EL 116 – ET: 01/2019

Zu den zu beachtenden gemeinsamen VoraussetzungenRz 166ff und > Rz 173ff.

 

Rz. 226

Stand: EL 116 – ET: 01/2019

Die Pauschalbesteuerung mit dem besonders günstigen Steuersatz des § 40a Abs 3 EStG ist zur Wahrung einer zutreffenden Besteuerung nur in engen Grenzen zulässig. Dieser Steuersatz beträgt 5 % der BMG. Zur Rechtsentwicklung > Rz 37ff und besonders > Rz 50/1. Der niedrige Pauschsteuersatz unterstellt, dass häufig Familienangehörige bei demselben ArbG mithelfen (BFH 141, 54 = BStBl 1984 II, 569). Deshalb müssen für die BMG alle Aushilfslöhne erfasst werden, auch wenn zB Familien mit Kindern bei der Obsternte tätig werden. Zur Bemessung des Pauschsteuersatzes > Rz 167.

Eine Pauschalierung der LSt nach § 40a Abs 3 EStG (> R 40a.1 Abs 6 LStR) ist nur zulässig, wenn die Aushilfskraft

in einem land- und forstwirtschaftlichen Betrieb iSd § 13 Abs 1 Nr 1–4 EStG tätig ist (> Rz 227) und
ausschließlich typisch land- und forstwirtschaftliche Tätigkeiten ausübt (> Rz 228, 229).

Zu den Aushilfskräften (> Rz 230) idS gehören nur Personen, die keine Fachkraft sind (> Rz 231) und von Fall zu Fall eine im Voraus bestimmte Arbeit von vorübergehender Dauer ausführen (> Rz 232). Zur ArbeitslohngrenzeRz 235.

 

Rz. 227

Stand: EL 116 – ET: 01/2019

Bei land- und forstwirtschaftlichen Betrieben, die lediglich wegen ihrer Rechtsform (zB als GmbH, AG, Genossenschaft) oder der Abfärbetheorie (§ 15 Abs 1 Nr 3 EStG) als Gewerbebetrieb gelten, ist § 40a Abs 3 EStG anwendbar (> R 40a.1 Abs 6 Satz 2 HS 2 LStR; BFH 131, 472 = BStBl 1981 II, 76; BFH 210, 439 = BStBl 2006 II, 92). Hingegen ist die Pauschalierung nach § 40a Abs 3 EStG unzulässig, wenn der Betrieb wegen der Art der tatsächlich ausgeübten Geschäftstätigkeit (hier: Weingut mit Wein- und Getränkehandel) keine Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft iSd § 13 Abs 1 Nr 1–4 EStG, sondern gewerbliche Einkünfte erzielt (BFH 161, 523 = BStBl 1990 II, 1002). Kein Betrieb iSd § 13 EStG ist ein Verein, der landwirtschaftlichen Betrieben in Notfällen Aushilfskräfte zur Verfügung stellt und sie entlohnt (> Landwirtschaftliche Betriebshilfsdienste).

 

Rz. 228

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Nur der > Arbeitslohn für typisch land- und forstwirtschaftliche Arbeiten ist pauschal besteuerbar. Hierzu rechnen grundsätzlich alle anfallenden Arbeiten bis zur Fertigstellung des land- oder forstwirtschaftlichen Erzeugnisses, die im Rahmen des erzeugenden land- und forstwirtschaftlichen Betriebs anfallen. Im Weinbau gehören deshalb bei einem Erzeugerbetrieb auch die Kellerarbeiten (Flaschen spülen, abfüllen, etikettieren, verpacken usw) zu den typisch land- und forstwirtschaftlichen Arbeiten (BFH vom 14.06.1985 – VI R 17/81 -nv-; vgl Radtke, INF 1990, 169); ebenso für Aushilfskraftfahrer, die das Erntegut (zB Zuckerrüben) zum Verwertungsbetrieb fahren. Nicht dazu gehören die mit der Vermarktung von land- und forstwirtschaftlichen Erzeugnissen anfallenden Arbeiten, wie zB Blumenbinden oder der Verkauf (> R 40a.1 Abs 6 Satz 3 LStR). Auch das Schälen von Spargel ist keine typisch land- und forstwirtschaftliche Tätigkeit idS (BFH 221, 152 = BStBl 2009 II, 40).

Der Bau von Waldwegen, die der Erschließung oder Ausnutzung eines dem Land- und Forstwirt gehörenden oder gepachteten Waldgebiets dienen, können grundsätzlich als typisch forstwirtschaftliche Tätigkeit zu qualifizieren sein. Voraussetzung ist aber, dass der Forstwirt einen forstwirtschaftlichen Betrieb unterhält (BFH 146, 553 = BStBl 1986 II, 681; vgl OFD Koblenz vom 17.12.1986, DB 1987, 252).

 

Rz. 229

Stand: EL 116 – ET: 01/2019

Voraussetzung für die Pauschalbesteuerung ist ferner, dass die Aushilfskräfte ausschließlich typische land- und forstwirtschaftliche Arbeiten ausführen. Werden ArbN abwechselnd mit typisch land- und forstwirtschaftlichen und anderen Arbeiten (zB auch im Gewerbe- oder Nebenbetrieb desselben ArbG) betraut, ist § 40a Abs 3 EStG nicht anwendbar (> R 40a.1 Abs 6 Satz 3 LStR).

 

Rz. 230

Stand: EL 116 – ET: 01/2019

Die Pauschalbesteuerung mit 5 % gilt nur für Aushilfskräfte. Das sind ArbN, die der ArbG vorübergehend idR für Saisonarbeiten, aber nicht länger als 180 Tage im Kalenderjahr beschäftigt (§ 40a Abs 3 Satz 3 EStG). Es muss sich um ArbN handeln, die unter Anleitung einer Fachkraft tätig werden und dabei Tätigkeiten erbringen, die außer einer kurzen Anleitung kein weiteres Anlernen erfordern.

 

Rz. 231

Stand: EL 116 – ET: 01/2019

Die Regelung gilt nicht für kurzfristig beschäftigte Fachkräfte. Zu den Fachkräften gehören Aushilfskräfte, wenn sie eine land- und forstwirtschaftliche Ausbildung haben oder wenn sie von ihren – auch angelernten – Fähigkeiten her in der Lage sind, eine Fachkraft zu ersetzen und an Stelle einer Fachkraft eingesetzt sind (BFH 146, 553, aaO). Es kommt insoweit nicht auf die ausgeübte Tätigkeit, sondern auf die persönliche Qualifikation des Beschäftigten an (EFG 1990, 474). Ein ArbN mit einer land- und forstwirtschaftlichen Berufsausbildung gehört zu den Fachkräften, ohne dass es ...

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