Hartz/Meeßen/Wolf, ABC-Führ... / c) Berufsbegleitende (Fort-)Bildung
 

Rz. 22

Stand: EL 110 – ET: 10/2016

Bildungsaufwendungen eines Stpfl, die ihm für eine Fortbildung in einem Erwerbsberuf oder für eine zweite Ausbildung oder Weiterbildung neben seiner beruflichen Beschäftigung entstehen, sind WK, wenn sie beruflich veranlasst sind. Zu Beispielen > Rz 24. Dazu bedarf es eines hinreichend konkreten Zusammenhangs mit künftigen besteuerbaren Einnahmen, auch wenn sich noch kein konkretes Berufsbild abzeichnet (vgl Morsch/Becker, DStR 2004, 73 unter 3.2). Mutmaßlich folgt der BFH der Grundidee, dass nach allgemeiner Lebenserfahrung (> Typisierende Betrachtungsweise) jeder Mensch im Laufe seines Lebens einem Erwerb nachgehen muss und im Zweifel alle Bildungsaufwendungen dem zu dienen geeignet sind (vgl Wolf/Schäfer, DB 2004, 775). Dann kommt ein WK-Abzug in Betracht, soweit dem nicht im Einzelfall ein Abzugsverbot (zB § 9 Abs 6 EStG) oder ein offensichtlich untypischer Sachverhalt zugrunde liegt (> Rz 26) oder der Stpfl dem Arbeitsmarkt nicht uneingeschränkt zur Verfügung steht. Ob ein hinreichend konkreter, objektiv feststellbarer Zusammenhang mit künftigen besteuerbaren Einnahmen besteht, obliegt als "Tatfrage" in erster Linie der Entscheidung des FG, das die wirtschaftlichen Gegebenheiten zu würdigen und die Beweisschwierigkeiten zu berücksichtigen hat (BFH 208, 572 = BStBl 2005 II, 349). Ergänzend > Rz 23 und 26.

 

Rz. 23

Stand: EL 110 – ET: 10/2016

Aufwendungen sind mithin beruflich veranlasst, wenn sie dazu dienen, Kenntnisse zu erwerben, um den beruflichen Anforderungen dauerhaft gerecht zu werden oder beruflich besser voranzukommen und Aufstiegsmöglichkeiten zu nutzen. Sie sind also darauf gerichtet, Einnahmen zu sichern oder (höhere) Einnahmen zu erzielen. Dabei ist es unerheblich, ob die Bildungsmaßnahme eine Voraussetzung für die (weitere) Anstellung ist oder ob sie der ArbN auf Veranlassung des ArbG oder aus eigenem Antrieb betreibt. Nicht entscheidend ist auch, ob der ArbN nach der Bildungsmaßnahme weiterhin beim selben ArbG tätig ist oder den ArbG wechselt.

 

Rz. 24

Stand: EL 110 – ET: 10/2016

Einzelfälle: Zugunsten des WK-Abzugs hat der BFH entschieden bei den Aufwendungen eines Flugbegleiters für den Erwerb des Verkehrsflugzeugführerscheins (BFH/NV 2003, 1411); bei einer Krankenschwester für einen Lehrgang mit dem Ziel, Lehrerin für Pflegeberufe zu werden (BFH 203, 111 = BStBl 2004 II, 886); bei einem Diplom-Kaufmann sowie Anwendungsberater für Steuersoftware und Finanzsoftware für die Steuerberaterprüfung (BFH/NV 2004, 34); bei einer sozialpädagogischen Assistentin für die Schulung zur Heilerzieherin (BFH vom 11.09.2003 VI R 86/02 – nv [HaufeIndex 1 067 373]); bei einem Zweitstudium einer an einer Sonderschule tätigen Gymnasiallehrerin für eine Zusatzausbildung zur analytischen Kinder-Psychotherapeutin und Jugendlichen-Psychotherapeutin – Psychagogin – (BFH/NV 2003, 1415). Ebenso uE, wenn ein Mediziner sich nebenher zum Krankengymnasten ausbilden lässt.

 

Rz. 25

Stand: EL 110 – ET: 10/2016

Vom Ausschluss des WK-Abzugs durch § 9 Abs 6 EStG ist aber besonders ein berufsbegleitendes Erststudium betroffen, das nicht Gegenstand des Dienstvertrags ist (zum berufsintegrierten Erststudium > Rz 21/1), sondern vom ArbN nicht in Erfüllung einer arbeitsvertraglichen Verpflichtung durchgeführt wird, selbst wenn die Maßnahme vom ArbG angeregt worden ist oder er die Aufwendungen bezuschusst (vgl BMF vom 22.09.2010 Rz 28, BStBl 2010 I, 721). Das gilt aber nur, wenn der ArbN noch keine abgeschlossene Berufsausbildung hat.

 

Rz. 26

Stand: EL 110 – ET: 10/2016

Eine für den WK-Abzug erforderliche berufliche Veranlassung ist aber nicht gegeben, wenn eine Bildungsmaßnahme erkennbar nicht zum Ziel hat, den Stpfl zu einer Erwerbstätigkeit zu befähigen, sondern einer Freizeitbeschäftigung/Hobby (>  Liebhaberei) dient. Das entscheidet sich nicht allein nach den Angaben des Stpfl, sondern nach der Verkehrsanschauung und den gesamten Umständen des Falls. So kann die Vermutung, dass die Aufwendungen für ein Hobby gemacht werden, zB nicht durch die bloße Behauptung widerlegt werden, der Fotofernkurs eines Apothekers diene unmittelbar der Ausbildung zum Pressefotografen. Es müssen in solchen Fällen vielmehr zusätzliche, objektiv nachprüfbare Umstände erkennbar sein, die die Richtigkeit einer solchen Behauptung belegen (BFH 126, 437 = BStBl 1979 II, 180; BFH 129, 269 = BStBl 1980 II, 152).

 

Rz. 26/1

Stand: EL 110 – ET: 10/2016

Einzelfälle: Eine berufliche Veranlassung ist nicht gegeben bei Aufwendungen für die Jägerprüfung eines Arztes und eines Diplomlandwirts (EFG 1979, 438; BFH/NV 2012, 783); für die Musikerausbildung eines Richters (EFG 1976, 602); für die Beschäftigung eines Radio-Ingenieurs mit Amateurfunk (EFG 1977, 167); für den Kurs im Rahmen der "Wissenschaft der kreativen Intelligenz" (EFG 1982, 78); für das Seminar für Persönlichkeitsentfaltung (EFG 1981, 383; 1989, 25), das Kreativitätstraining (EFG 1981, 233), die Sportausübung (außer im Hinblick auf den späteren Beruf; > Amateursportler, > Sportlehre...

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