Hartz/Meeßen/Wolf, ABC-Führ... / 3. Abziehbare Aufwendungen
 

Rz. 54

Stand: EL 110 – ET: 10/2016

Aufwendungen für den – mit dem > Grundfreibetrag Rz 1 abgegoltenen – Lebensunterhalt (Ernährung, Kleidung, Wohnung) gehören nicht zu den Kosten der Berufsausbildung, wohl aber die tatsächlichen Mehraufwendungen infolge auswärtiger Unterbringung, besonders für Unterkunft und Verpflegung (§ 10 Abs 1 Nr 7 Satz 3 EStG); Aufwendungen für die Unterkunft am auswärtigen Ort der Bildungseinrichtung sind nur dann abziehbar, wenn eine > Doppelte Haushaltsführung gegeben ist (§ 10 Abs 1 Nr 7 Satz 4 iVm § 9 Abs 4 Satz 8 HS 2 iVm Abs 1 Satz 3 Nr 5 EStG). Hat der Stpfl am Wohnort keinen eigenen Hausstand, zB weil er noch bei den Eltern wohnt, sind die Kosten für die auswärtige Unterbringung nicht abziehbar. Zur Verpflegung > Rz 55. Zu den SA zählen ferner die unmittelbar mit der Bildungsmaßnahme zusammenhängenden Aufwendungen wie zB Semester- oder Kurs- oder Prüfungsgebühren (auch bei Nichtbestehen – BFH/NV 2004, 34), Lernmaterial, berufliche Literatur (> Fachbücher), Geräte (> Arbeitsmittel), Schutzkleidung (> Berufskleidung), Teilnahme an Besichtigungen usw, sowie mittelbare Aufwendungen wie zB Aufwendungen für einen Arbeitsraum (BFH 160, 562 = BStBl 1990 II, 901); für ein häusliches Arbeitszimmer gilt aber die weitgehende Abzugsbeschränkung (> Rz 55).

 

Rz. 54/1

Stand: EL 110 – ET: 10/2016

Zur Verteilung der Aufwendungen für Arbeitsmittel: Anders als bei den WK wird § 6 Abs 2 EStG in § 10 Abs 1 Nr 7 EStG nicht für entsprechend anwendbar erklärt. Gleichwohl erkennt BFH 171, 279 = BStBl 1993 II, 676 auf sinngemäße Anwendung der für WK geltenden Vorschriften des § 9 Abs 1 Satz 3 Nr 6 EStG; zur Verteilung auf die Nutzungsdauer > Absetzung für Abnutzung. Dem BFH folgt die FinVerw (H 10.9 EStH). Gleichwohl hätte der Gesetzgeber seit 1993 mehrfach Gelegenheit gehabt, § 10 Abs 1 Nr 7 EStG dem § 9 Abs 1 Satz 3 Nr 6 EStG anzugleichen. Vgl auch L/B/P/Cöster, § 10 EStG Rz 352. Bis zu 410 EUR (ohne USt) kommt ein Abzug allerdings stets ohne Verteilung auf eine Nutzungsdauer als SA in Betracht; die Höchstgrenze von 6 000 EUR ist zu beachten (> Rz 57). Wegen des Höchstbetrags kann eine Verteilung nach AfA-Grundsätzen für den Stpfl vorteilhaft sein.

 

Rz. 54/2

Stand: EL 110 – ET: 10/2016

Wird ein nicht mehr neuwertiger Gegenstand erstmals für die Berufsausbildung genutzt (Umwidmung), ist er uE mit dem Zeitwert anzusetzen. Begünstigt sind auch Anwalts- und >  Prozesskosten für die Zulassung zum Studium in einem Numerus-clausus-Fach (EFG 1979, 177); ebenso Zinsen für ein Ausbildungsdarlehen, auch wenn sie noch nach Abschluss der Ausbildung gezahlt werden (> Rz 80). Ebenso Aufwendungen für die Diplomurkunde bei Nachdiplomierung, sofern die Aufwendungen nicht WK sind (> Rz 20). Die Tilgung von Studiendarlehen führt dagegen nicht zu abziehbaren Aufwendungen (BFH 112, 262 = BStBl 1974 II, 513; glA EFG 1988, 561 für BAföG-Darlehen; außerdem > Rz 60).

 

Rz. 55

Stand: EL 110 – ET: 10/2016

Bestimmte Abzugsbeschränkungen gelten auch für den SA-Abzug (vgl § 10 Abs 1 Nr 7 Satz 4 EStG). Das gilt

für das häusliche Arbeitszimmer (vgl § 4 Abs 5 Satz 1 Nr 6b EStG; > Arbeitszimmer);
für Verpflegung. Es gelten die gesetzlichen Pauschbeträge von 24 EUR (Abwesenheit 24 Stunden) und 12 EUR (An-/Abreisetag und Abwesenheit von mehr als 8 Stunden). Vgl § 9 Abs 4a EStG; > Reisekosten Rz 84 ff; > Doppelte Haushaltsführung Rz 125 – 129. § 10 Abs 1 Nr 7 EStG ordnet die unmittelbare (und nicht etwa die entsprechende) Anwendung von § 9 Abs 4a EStG an. Dieser setzt voraus, dass der Stpfl außerhalb seiner Wohnung und der ersten Tätigkeitsstätte – die Bildungseinrichtung – beruflich tätig ist. Der Abzug von Verpflegungsmehraufwendungen kommt deshalb nur in Betracht, wenn der Stpfl eine (ggf weitere) Bildungseinrichtung im Rahmen einer ‚Auswärtstätigkeit‘ aufsucht oder wenn ihm zusätzliche Aufwendungen durch eine Bleibe am auswärtigen Bildungsort entstehen (> Rz 54); hier ist die Dreimonatsfrist zu beachten (§ 9 Abs 4a Satz 6 EStG; > R 19.7 Abs 3 iVm R 9.11 Abs 7 LStR);
für Fahrten zum Ausbildungsort (vgl § 9 Abs 1 Satz 3 Nr 4 EStG; > Entfernungspauschale) sowie bei einer auswärtigen Unterbringung (vgl § 9 Abs 1 Satz 3 Nr 5 EStG; > Doppelte Haushaltsführung Rz 112 – 123). Besonders Fahrtkosten zur Vollzeit-Bildungsstätte (> Erste Tätigkeitsstätte) sind nicht in tatsächlicher Höhe oder mit den für Auswärtstätigkeit geltenden Km-Sätzen abziehbar; bei einer DHF gilt die Beschränkung auf eine Zwischenheimfahrt wöchentlich. Die Ausnahme des § 9 Abs 2 EStG für Schwerbehinderte gilt auch hier. Zu weiteren Hinweisen > Fortbildungsveranstaltungen.
 

Rz. 56

Stand: EL 110 – ET: 10/2016

Die ihrer Art nach für eine Begünstigung in Betracht kommenden Aufwendungen müssen sich uE von den Aufwendungen für die übrige allgemeine Lebensführung (besonders Liebhaberei/Hobby, Allgemeinbildung und die Haushaltsführung) leicht und eindeutig trennen lassen. Obwohl das Aufteilungsverbot des § 12 Nr 1 EStG hier nicht gilt (vgl den Eingangssatz der Vorschrift), kommt uE ein...

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