Hartz/Meeßen/Wolf, ABC-Führ... / II. Abgrenzung der typischen Berufskleidung
 

Rz. 7

Stand: EL 108 – ET: 01/2016

Der Begriff der ‚typischen Berufskleidung‘ wird nicht einheitlich abgegrenzt: Ob zB uniforme Arbeitskleidung zur ‚typischen Berufskleidung‘ gehört, wird für den WK-Bereich und die Steuerbefreiung des § 3 Nr 31 EStG (> Rz 20 ff) unterschiedlich entschieden. Der BFH hat für den WK-Abzug hervorgehoben, dass nicht alle von einer Kleiderkasse angebotenen Kleidungsstücke Arbeitsmittel sind (> Rz 15). Ein seinem Charakter nach zur bürgerlichen Kleidung gehörendes Kleidungsstück (hier: Lodenmantel) wird nicht dadurch zur typischen Berufskleidung, dass es nach der Dienstanweisung des ArbG zur Dienstbekleidung zählt und mit einem Dienstabzeichen versehen ist (BFH 179, 403 = BStBl 1996 II, 202). Die einheitlichen Kostüme, Schuhe und Strümpfe, die während der Dienstzeit vom Verkaufspersonal eines Lederwarengeschäfts getragen werden sollen, sind ebenfalls keine typische Berufskleidung (BFH 212, 574 = BStBl 2006 II, 691). Zu einem ähnlichen Sachverhalt > Fliegendes Personal Rz 2.

 

Rz. 8

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Zu den Arbeitsmitteln gehören als typische Berufskleidung der ‚Blaumann‘ oder (blaue/graue) Kittel der Handwerker. Ebenso die Robe und das Barett der Berufsrichter, die weiße Krawatte, Oberhemden ohne festen Kragen und dazu gehörende weiße Kragen mit Ecken (BFH 69, 174 = BStBl 1959 III, 328), nicht aber weiße Oberhemden mit Umlegekragen (BFH 66, 303 = BStBl 1958 III, 117; EFG 1967, 567) und die weiße Bluse der Richterin (EFG 1989, 344). Bei Ärzten gehören zur typischen Berufskleidung der weiße Arztkittel oder die weiße Arztjacke. Weiße Hosen sind als typische Berufskleidung anzuerkennen, wenn eine außerberufliche Verwendung wegen des rein funktionalen Charakters ausgeschlossen erscheint (keine Tennis- oder Segelhose). Bei Hosen, die nicht im Fachhandel für Berufsbedarf angeschafft worden sind, spricht eine widerlegbare Vermutung gegen das Vorliegen dieser Eigenschaft. Weiße Hemden, weiße T-Shirts, weiße Socken und weiße Schuhe sind keine typische Berufskleidung (BFH 163, 134 = BStBl 1991 II, 348; BFH/NV 1995, 207; glA Offerhaus, StBp 1991, 95). Bei einem Sportlehrer können spezielle Sportschuhe mit Spikes, Stollen oder Hallenschuhe sowie ein im Sportunterricht getragener Trainingsanzug oder Knie- und Armschoner Arbeitsmittel sein, wenn die private Mitnutzung von ganz untergeordneter Bedeutung ist (BFH 148, 469 = BStBl 1987 II, 262; BFH/NV 1990, 765). Ebenso kann Tenniskleidung bei einem hauptberuflichen Tennislehrer typische Berufskleidung sein. Die bloße abstrakte Möglichkeit einer privaten Nutzung von Berufskleidung steht der Berücksichtigung als WK nicht entgegen (BFH 148, 469 – aaO). Ergänzend > Rz 22.

 

Rz. 9

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Ausnahmsweise können zur typischen Berufskleidung auch Kleidungsstücke gehören, die ihrer Art nach der bürgerlichen Kleidung zuzurechnen sind, wenn eine Verwendung dieser Kleidungsstücke für Zwecke der privaten Bedarfsdeckung auf Grund berufsspezifischer Eigenschaften so gut wie ausgeschlossen ist und sie tatsächlich nicht privat getragen werden (BFH 127, 522 = BStBl 1979 II, 519 – der vom ArbG vorgeschriebene schwarze Anzug/Kellnerfrack; BFH 163, 134 = BStBl 1991 II, 348 – Arzt). Dazu gehören auch der Cut eines Empfangschefs; der schwarze Anzug eines Leichenbestatters (BFH 100, 243 = BStBl 1971 II, 50), sofern der Stpfl nicht nur aushilfsweise als Leichenbestatter tätig ist (BFH/NV 1991, 25; kritisch Richter, DStR 1991, 1413); der schwarze Rock einer Serviererin (EFG 1983, 118); die schwarze Hose eines Kellners iVm einer weißen Kellnerjacke (BFH/NV 1988, 703; uE zweifelhaft); der schwarze Anzug eines Geistlichen (BFH/NV 1990, 288) sowie bei einem Offizier die Gesellschaftsuniform (EFG 1991, 471) und die schwarze Hose zur Ausgehuniform (EFG 1992, 735).

 

Rz. 10

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Keine typische Berufskleidung ist die weiße Kleidung von Physiotherapeuten (BFH/NV 1995, 207) oder von Alten-Pflegern im ambulanten Pflegedienst (EFG 2002, 963) oder die weißen Straßenschuhe einer Röntgenassistentin (EFG 1993, 221). Sportschuhe, Tenniskleidung, Jogginganzüge, wie sie in der modernen Freizeitgesellschaft von jedermann getragen werden, sind für Sportlehrer nicht ohne weiteres typische Berufskleidung (EFG 1985, 173; 1985, 291; BFH/NV 2007, 1869). Die Skibekleidung ist keine typische Berufskleidung für Sportlehrer, die mit ihren Schülern auch Skikurse abhalten (FinMin NW vom 10.05.1985, EStG-K § 9 EStG 9.2). Auch ein Skilehrer, der nur nebenberuflich am Wochenende tätig ist, kann seine Aufwendungen für Skiausrüstung und Skibekleidung nicht als WK absetzen (BFH 114, 63 = BStBl 1975 II, 407).

 

Rz. 11

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Keine typische Berufskleidung sind überdies schwarze Röcke und weiße Blusen einer Hotel-Empfangssekretärin (EFG 1989, 110), die Schuhe eines Briefträgers (EFG 1994, 237 mwN; > R 3.31 Abs 1 Satz 4 LStR); >  Tropenkleidung; ebenso wärmere Kleidung für aus tropischen Zonen nach Deutschland versetzte ArbN (BFH 168, 83 = BStBl 1993 II, 192; ...

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