Hartz/Meeßen/Wolf, ABC-Führ... / II. Teilabzug bis 1 250 EUR, wenn kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht
 

Rz. 45

Stand: EL 109 – ET: 05/2016

Steht dem Stpfl für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz als das häusliche Arbeitszimmer zur Verfügung, kann dieses aber nicht als Mittelpunkt seiner beruflichen Tätigkeit anerkannt werden (> Rz 40 ff), wird die Höhe der abziehbaren Aufwendungen auf 1 250 EUR begrenzt (§ 4 Abs 5 Satz 1 Nr 6b Satz 2 und 3 HS 1 EStG); die Begrenzung auf den Höchstbetrag ist verfassungsgemäß (BFH/NV 2013, 1163 = BStBl 2013 II, 642). Es handelt sich nicht um einen Pauschbetrag, sondern um eine Abzugsbegrenzung der tatsächlichen Aufwendungen. Der Betrag ist auf ein bestimmtes Objekt zu beziehen, das die Voraussetzungen für ein ‚häusliches Arbeitszimmer‘ erfüllt (> Rz 15 – 39). Das kann ein bestimmter Raum sein oder auch mehrere zusammenhängende Räume (> Rz 16/2). Werden in diesem Raum mehrere begünstigte Tätigkeiten ausgeübt oder wird er von mehreren Personen für eine begünstigte Tätigkeit benutzt, bleibt der Höchstbetrag insgesamt unverändert (BFH/NV 2015, 177; > Rz 74: keine Vervielfältigung), wird aber auf die unterschiedlichen Tätigkeiten und Personen aufgeteilt (BMF vom 02.03.2011 Tz 1, BStBl 2011 I, 195 = > Anh 2 Arbeitszimmer).

 

Rz. 46

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Kein anderer Arbeitsplatz (neben dem häuslichen Arbeitszimmer) steht einem Stpfl zur Verfügung, wenn er zumindest einen Teil seiner Berufsarbeit nicht an einem anderen Arbeitsplatz erledigen kann. Der Stpfl muss also auf das häusliche Arbeitszimmer angewiesen sein. Das ist nach objektiven Kriterien jeweils einkunftsbezogen und bezogen auf die jeweilige steuerlich relevante Tätigkeit zu beurteilen; subjektive Erwägungen des Stpfl darüber, ob das häusliche Arbeitszimmer "geeigneter" ist als ein anderer Arbeitsplatz (vgl BFH 203, 130 = BStBl 2004 II, 78: Großraumbüro), sind hingegen nicht maßgebend. Vielmehr muss geprüft werden, ob ein an sich vorhandener anderer Arbeitsplatz auch tatsächlich für alle Aufgabenbereiche des Stpfl genutzt werden kann (BFH 209, 211 = BStBl 2005 II, 488; BFH/NV 2013, 198). Dafür sind die konkreten Arbeitsbedingungen an dem anderen Arbeitsplatz wie Lärmbelästigung und Publikumsverkehr unbeachtlich (BFH 203, 124 = BStBl 2004 II, 83: Schalterhalle einer Bank); anders aber bei Gesundheitsgefahr am anderen Arbeitsplatz, weil dieser saniert werden muss (BFH 245, 150 = BStBl 2014 II, 674). Übt der Stpfl mehrere Tätigkeiten aus, so werden seine Aufwendungen nur berücksichtigt, soweit sie auf eine Tätigkeit entfallen, für die ihm kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht; das ist für jede Tätigkeit gesondert zu prüfen. Ein anderer Arbeitsplatz schließt den Teilabzug der Aufwendungen aber nur dann aus, wenn der Stpfl dort auch tatsächlich alle zu einer bestimmten Erwerbstätigkeit gehörenden Aufgaben wahrnehmen kann (BMF vom 02.03.2011 Tz 15 – 17, aaO). Deshalb auch kein Abzug von WK zB bei Fortbildung (> Sprachkurse) am Arbeitsplatz im Betrieb, selbst wenn dort die dafür erforderlichen Arbeitsmittel (PC-Software) fehlen (BFH 235, 372 = BStBl 2012 II, 127).

 

Rz. 47

Stand: EL 109 – ET: 05/2016

Weitere Beispiele: Keinen anderen Arbeitsplatz hat ein Lehrer, wenn er für die Unterrichtsvorbereitung keinen eigenen Arbeitsplatz (Schreibtisch) in der Schule hat; wenn ein ArbN erhebliche Überstunden leisten muss und dafür den regulären Arbeitsplatz nicht zur Verfügung hat (vgl BFH 203, 124 = BStBl 2004 II, 83; BFH/NV 2009, 585; BVerfG vom 06.07.2010 2 BvL 13/09, BVerfG 126, 268 = BStBl 2011 II, 318). Einem Schulleiter und Lehrer steht das Dienstzimmer in der Schule regelmäßig für die Verwaltungstätigkeit zur Verfügung, nicht aber für die Vorbereitung der Lehrtätigkeit (BFH 203, 122 = BStBl 2004 II, 82; BFH 204, 204 = BFH/NV 2004, 412; FG Sachsen vom 13.08.2014, HaufeIndex 7279508 = BeckRS 2014, 96049). Entsprechendes gilt, wenn die Verhältnisse im Dienstzimmer nicht den Arbeitsschutzbestimmungen entsprechen (BFH/NV 2015, 485), zB weil die Raumtemperatur nachmittags deutlich abgesenkt wird (EFG 1998, 373; 1999, 543; 1999, 1278; 2000, 620). Der Arbeitsplatz muss darüber hinaus objektiv geeignet sein, die erforderlichen Arbeiten zu erledigen. Das ist nicht gegeben, wenn das Dienstzimmer eines Schulleiters so klein ist, dass ein PC nebst Drucker und Scanner darin nicht mehr untergebracht werden können (EFG 2000, 115, im Ergebnis bestätigt durch BFH 203, 128 = BStBl 2004 II, 77; ähnlich EFG 2002, 1162) oder wenn das Dienstzimmer eines Hauptfeldwebels objektiv nicht für bestimmte Tätigkeiten wie zB Arbeit am Computer geeignet ist (BFH/NV 2004, 943). BFH 203, 199 = BStBl 2004 II, 80 verneint das Vorhandensein eines anderen Arbeitsplatzes, wenn ein EDV-Organisator außerhalb seiner regulären Arbeitszeit vom häuslichen Arbeitszimmer aus per Telefon und Teleservice Bereitschaftsdienst leistet.

 

Rz. 47/1

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Keinen anderen Arbeitsplatz hat aber auch ein Kfz-Verkäufer, dem für besondere Aufgaben kein separater, ungestörter Arbeitsplatz zur Verfügung steht (FG Nürnberg vom 31.05.2001, DS...

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