Hartz/Meeßen/Wolf, ABC-Führ... / II. Arbeitszimmer getrennt vom häuslichen Umfeld
 

Rz. 17

Stand: EL 109 – ET: 05/2016

Kein Arbeitszimmer iSv § 4 Abs 5 Satz 1 Nr 6b EStG sind Räumlichkeiten, die zwar in der Nähe der Wohnung liegen, aber ihrer Lage nach nicht in das häusliche Umfeld eingebunden sind (keine lokale Anbindung; > Rz 16/1) oder nach Ausstattung und Funktion nicht der Erledigung betrieblicher oder beruflicher Arbeiten vorwiegend büromäßiger Art dienen (keine funktionale Einbindung: > Rz 16/3). Für einen solchen Raum gilt das Abzugsverbot des § 4 Abs 5 Satz 1 Nr 6b EStG nicht (ggf ist aber § 12 Nr 1 Satz 2 EStG zu prüfen; > Rz 5).

 

Rz. 17/1

Stand: EL 109 – ET: 05/2016

Das kommt zB für ein Arbeitszimmer in einem benachbarten oder gar in einem entfernteren Gebäude in Betracht (EFG 1996, 220); oder für einen von den Wohnräumen durch eine Wand getrennten Raum mit eigenem, auch von fremden Personen genutzten Zugang (BFH/NV 2012, 1776) oder für eine in einem MFH zusätzlich zur Privatwohnung angemietete weitere Wohnung, die insgesamt so gut wie ausschließlich beruflich/betrieblich genutzt wird, weil der innere Bezug zur ersten Wohnung fehlt (BFH 211, 447 = BStBl 2006 II, 428).

Im Einzelfall kann von Bedeutung sein, welcher Teil der zu beurteilenden Räumlichkeiten – der wohnlich oder der betrieblich/beruflich genutzte Teil – dem Ganzen sein Gepräge gibt.

 

Beispiel:

A eröffnet in seinem EFH eine Steuerberaterpraxis; im EG hat A neben seinen Wohnräumen das Arbeitszimmer, ein kleines Wartezimmer, einen Aktenlagerraum sowie ein Empfangszimmer, in dem vormittags eine Aushilfskraft Büroarbeiten erledigt.

Bei einer Gesamtbetrachtung ist das Arbeitszimmer nicht Teil der Wohnung, sondern Teil der Praxis. Diese kann nicht insgesamt als häusliches Arbeitszimmer behandelt werden. Die gesamten Aufwendungen sind als Betriebsausgaben zu berücksichtigen.

 

Rz. 18

Stand: EL 109 – ET: 05/2016

Ein Vollabzug der Aufwendungen ist auch für Räumlichkeiten zulässig, die der typischen funktionalen Bestimmung eineshäuslichen Arbeitszimmersnicht entsprechen. Dafür kommen beruflich/betrieblich genutzte Räume in Betracht, die ihrer Ausstattung und Funktion nach nicht einem Büro entsprechen und für Kunden, Mandanten oder Patienten leicht zugänglich sind. So zB für einen Lagerraum (vgl BFH 162, 82 = BStBl 1991 II, 208), die an die Wohnung angrenzende Backstube und weitere Betriebsräume (BMF vom 02.03.2011 Tz 5, BStBl 2011 I, 195 = > Anh 2 Arbeitszimmer), einen Ausstellungsraum (BFH/NV 2003, 1560), eine Werkstatt (vgl BFH/NV 1999, 41), ein Tonstudio (BFH 201, 27 = BStBl 2003 II, 185; BFH 203, 324 = BStBl 2004 II, 55), der Arbeitsraum eines Heimarbeiters (> Hausgewerbetreibende) oder die freiberufliche Praxis einer Sprachpädagogin (BFH/NV 1995, 875), die mit den Wohnräumen verbundene Notfall- oder Privatpraxis eines Arztes aber nur, wenn die Räumlichkeiten über einen von den privaten Räumen separaten Eingang verfügen (BFH/NV 2009, 1421 mwN) oder die reguläre Beratungspraxis oder Kanzlei eines Angehörigen der beratenden Berufe (vgl BFH 200, 336 = BStBl 2003 II, 139 mwN; BFH/NV 2011, 1682); außerdem das für den ArbG unterhaltene Büro eines Försters (EFG 2015, 811; ergänzend > Rz 84). Wie diese Beispiele zeigen, ist ergänzendes Beweisanzeichen Publikumsverkehr (BFH 211, 477 = BStBl 2006 II, 428; BFH/NV 2004, 1387; 944; 2007, 1650) oder ein Arbeitsplatz für familienfremde ArbN (> Rz 16/4). Unter diesen Voraussetzungen ist auch dann kein häusliches Arbeitszimmer gegeben, wenn eine PersGes oder eine KapGes wie zB eine GmbH ihre betriebliche Tätigkeit von einem Raum mit Bezug zur Privatwohnung des Geschäftsführers aus entfaltet.

 

Rz. 19

Stand: EL 109 – ET: 05/2016

Ob der beruflich genutzte Raum eine Betriebsstätte des Stpfl iSv § 12 AO ist (> Betriebsstätte Rz 7 ff [10]), hält der BFH für unerheblich (vgl BFH/NV 2010, 431 mwN). Die Einordnung als häusliches Arbeitszimmer führt überdies bei selbständig Tätigen nicht dazu, dass der betreffende Raum nicht mehr Betriebsvermögen sein könnte und deshalb entnommen werden müsste (BFH/NV 2006, 268).

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