Anhang 2 – Unterhalt für An... / 10.2 Opfergrenzenregelung
 

Rz. 34

Stand: EL 122 – ET: 6/2020

Eine Abzugsbeschränkung von Unterhaltsaufwendungen kann sich auch durch die Berücksichtigung der Verhältnisse des Steuerpflichtigen selbst und die Anwendung der sog. Opfergrenze ergeben (vgl. hierzu Rz. 9–11 des BMFSchreibens "Allgemeine Hinweise zur Berücksichtigung von Unterhaltsaufwendungen nach § 33 a Absatz 1 EStG als außergewöhnliche Belastung" vom 7. Juni 2010).

 

Beispiel 13:

Ein unbeschränkt einkommensteuerpflichtiger ausländischer Arbeitnehmer unterstützt seine im Heimatland (Ländergruppe 1, keine Kürzung) in einem gemeinsamen Haushalt lebenden Angehörigen, und zwar seine Ehefrau, sein minderjähriges Kind (Kindergeld wird gewährt) und seine Schwiegereltern. Er hatte im Kalenderjahr 2009 Aufwendungen für den Unterhalt in Höhe von 8 400 Euro. Die Unterhaltsbedürftigkeit der Ehefrau und der Schwiegereltern ist nachgewiesen. Alle Personen haben keine Bezüge. Der Steuerpflichtige hat Einnahmen (Bruttoarbeitslohn, Steuererstattungen, Kindergeld) in Höhe von 27 998 Euro. Die Abzüge von Lohnund Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag betragen 4 196 Euro. Die Arbeitnehmerbeiträge zur Sozialversicherung belaufen sich auf 5 852 Euro. An Werbungskosten sind ihm 4 250 Euro entstanden.

1. Die Aufwendungen für den Unterhalt sind nach Köpfen auf alle unterstützten Personen aufzuteilen (Rz. 19). Hiernach entfallen auf jede unterstützte Person 2 100 Euro (8 400 Euro : 4).
2. Das minderjährige Kind, für das Kindergeld gewährt wird, gehört nicht zu den begünstigten Unterhaltsempfängern (Rz. 2). Insoweit kommt ein Abzug nicht in Betracht.
3. Für die Unterhaltsleistungen an die Ehefrau gilt die Opfergrenzenregelung nicht. Sie sind in voller Höhe (2 100 Euro) abziehbar.
4.

Für die Unterhaltsleistungen an die Schwiegereltern (4 200 Euro) kann eine Begrenzung durch die Opfergrenze in Betracht kommen.

4.1

Berechnung des Nettoeinkommens:

Verfügbare Einnahmen

 
(Bruttoarbeitslohn, Steuererstattungen, Kindergeld) 27 998 EUR
- Abzüge für Lohn- und Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag -4196 EUR
- Arbeitnehmerbeiträge zur Sozialversicherung - 5 852 EUR
- Werbungskosten -4250 EUR
Verfügbares Nettoeinkommen für die Ermittlung der Opfergrenze 13 700 EUR
4.2

Berechnung der Opfergrenze:

 
1 % je volle 500 EUR des Nettoeinkommens 27 %
(13 700 EUR : 500 EUR = 27,4) abgerundet
abzgl. je 5 %-Punkte für Ehefrau und Kind - 10 %
Maßgebender Prozentsatz für die Berechnung der Opfergrenze 17 %
Die Opfergrenze liegt somit bei 2 329 EUR (17 % von 13 700 EUR).
5.

Berechnung der Abzugsbeträge

5.1

Aufwendungen für den Unterhalt an die Ehefrau:

 
Nachgewiesene Zahlungen (Nr. 3) 2100 EUR
5.2

Aufwendungen für den Unterhalt an die Schwiegereltern:

 
Nachgewiesene Zahlungen (Nr. 4):  
4 200 EUR, davon höchstens zu berücksichtigen (Opfergrenze, Nr. 4.2)

2329 EUR

 
 
Summe der abziehbaren Unterhaltsaufwendungen 4429 EUR

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