Anhang 2 – Unterhalt für An... / 3.2 Anwendung der Opfergrenze auf das verfügbare Nettoeinkommen (keine Haushaltsgemeinschaft)
 

Rz. 11

Stand: EL 122 – ET: 6/2020

Unter Berücksichtigung seiner Verhältnisse ist ein Steuerpflichtiger nur insoweit zur Unterhaltsleistung verpflichtet, als die Unterhaltsaufwendungen in einem vernünftigen Verhältnis zu seinen Einkünften stehen und ihm nach Abzug der Unterhaltsaufwendungen genügend Mittel zur Bestreitung des Lebensbedarfs für sich und ggf. für seinen Ehegatten und seine Kinder verbleiben – sog. Opfergrenze (BFH-Urteil vom 27. September 1991, BStBl 1992 II Seite 35).

Soweit keine Haushaltsgemeinschaft mit der unterhaltenen Person besteht, sind Aufwendungen für den Unterhalt im Allgemeinen höchstens insoweit als außergewöhnliche Belastung anzuerkennen, als sie einen bestimmten Prozentsatz des verfügbaren Nettoeinkommens nicht übersteigen. Dieser beträgt 1 Prozent je volle 500 Euro des verfügbaren Nettoeinkommens, höchstens 50 Prozent, und ist um je 5 Prozent für den (ggf. auch geschiedenen) Ehegatten und für jedes Kind, für das der Steuerpflichtige Anspruch auf Freibeträge für Kinder nach § 32 Absatz 6 EStG, Kindergeld oder eine andere Leistung für Kinder (§ 65 EStG) hat, zu kürzen, höchstens um 25 Prozent.

Die Opfergrenzenregelung gilt nicht bei Aufwendungen für den Unterhalt an den (ggf. auch geschiedenen) Ehegatten.

 

Beispiel 1:

A unterstützt seinen im Kalenderjahr 2010 nicht mit ihm in einer Haushaltsgemeinschaft lebenden eingetragenen Lebenspartner B im Sinne des Lebenspartnerschaftsgesetzes. A erzielt Einkünfte aus Gewerbebetrieb in Höhe von 30 000 Euro und einen Verlust aus Vermietung und Verpachtung in Höhe von 5 000 Euro. Hierauf entfallen Einkommensteuervorauszahlungen in Höhe von 5 000 Euro und eigene Beiträge zu einer Basiskranken- und Pflegeversicherung in Höhe von 6 000 Euro. Des Weiteren erhält A im April 2010 eine Einkommensteuererstattung für den Veranlagungszeitraum 2008 in Höhe von 1 000 Euro. B hat keine eigenen Einkünfte und Bezüge.

Berechnung der außergewöhnlichen Belastung nach § 33 a Absatz 1 EStG:

 
Höchstbetrag nach § 33 a Absatz 1 Satz 1 EStG:     8004 EUR
Nettoeinkommen des A:      
Einkünfte aus Gewerbebetrieb 30 000 EUR    
Verlust aus Vermietung und Verpachtung - 5 000 EUR    
zuzüglich Einkommensteuererstattung 1 000 EUR    
abzüglich Beiträge zur Basiskranken- und - 6 000 EUR    
Pflegepflichtversicherung      
abzüglich Einkommensteuervorauszahlung - 5 000 EUR    
Verfügbares Nettoeinkommen für die      
Berechnung der Opfergrenze:   15 000 EUR  
Opfergrenze: 1 % je volle 500 EUR   30 %  
30 % von 15 000 EUR     4500 EUR

A kann maximal Unterhaltsleistungen in Höhe von 4 500 Euro als außergewöhnliche Belastung nach § 33 a Absatz 1 EStG geltend machen.

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