25.04.2016 | Mietwohnungsneubau

Wohnungswirtschaft und Handwerk für Änderungen bei Steueranreizen

Der Mietwohnungsbau in Deutschland soll angekurbelt werden.
Bild: Haufe Online Redaktion

Bis 2020 müssen jährlich mindestens 400.000 Wohnungen neu gebaut werden. Vor allem in Ballungsgebieten mangelt es an bezahlbaren Wohnungen. Steuerliche Vorteile für Investoren sind aus Sicht der Wohnungsbranche nur ein Schritt - und korrekturbedürftig.

Die Wohnungswirtschaft pocht auf zusätzliche Schritte, um den Mietwohnungsbau in Deutschland anzukurbeln. Die von der Koalition geplanten Steueranreize für Privatinvestoren seien ein wichtiger Baustein. Die steuerliche Sonderabschreibung müsse aber durch weitere Maßnahmen ergänzt werden, um auch tatsächlich Mietwohnungsneubau in dem benötigten Umfang zu forcieren, heißt es in einer Stellungnahme der Wohnungswirtschaft für eine Anhörung des Finanzausschusses des Bundestages an diesem Montag in Berlin.

Investitionszulagenregelung gefordert

Damit mehr Investorengruppen profitieren, sollte als gleichwertiges Instrument auch eine Investitionszulagenregelung geschaffen werden, fordert die Wohnungswirtschaft. Der Städtetag plädiert für eine direkte Förderung über eine Investitionszulage als Alternative. Auch sollten niedrigere Fördergrenzen als geplant gelten, um vor allem den Bau preiswerter Mietwohnungen anzustoßen.

Bundesregierung plant Sonderabschreibung

Die Bundesregierung will mit einer Sonderabschreibung über drei Jahre Investoren für den Mietwohnungsbau in angespannten Regionen gewinnen. Ziel ist, vor allem Mietwohnungen im unteren und mittleren Preissegment zu bauen. In den ersten beiden Jahren soll der Investor je zehn Prozent der Bau- oder Anschaffungskosten beim Fiskus geltend machen können, im dritten Jahr neun Prozent. Hinzu kommt die reguläre Abschreibung von zwei Prozent pro Jahr. Der Investor kann letztlich 35 Prozent der Kosten gewinnmindernd absetzen.

Um keine "Luxuswohnungen" zu fördern, soll eine Obergrenze eingezogen werden. Nach bisherigen Plänen können Investoren je Quadratmeter bis zu 2.000 EUR Baukosten geltend machen. Übersteigen die Kosten 3.000 EUR, gibt es gar keine Förderung, auch nicht anteilig. Die Obergrenze ist unter den Ländern umstritten. Hintergrund sind auch die Kosten der Sonderabschreibung, die Bund, Länder und Gemeinden bis Ende 2020 gut 2,1 Milliarden EUR kosten könnte. Der Bundesrat schlug Mitte März eine Kappungsgrenze von 2600 EUR vor. Die förderfähige Bemessungsgrundlage sollte auf einen Höchstbetrag von 1.800 EUR je Quadratmeter Wohnfläche begrenzt werden.

Nachbesserungen bei Ausweisung der Fördergebiete

Auch der Städtetag hält die Kappungsgrenze von 3.000 EUR und die Fördergrenze von 2.000 EUR je Quadratmeter Wohnfläche für "sehr großzügig bemessen". Auch sollte die Förderung auf den Bau von Mietwohnungen mit Sozialbindungen beschränkt werden. Nachbesserungen seien auch bei der Ausweisung der Fördergebiete notwendig. Der Handwerksverband ZDH dagegen ist "ausdrücklich für die Beibehaltung der im Regierungsentwurf enthaltenen Obergrenze". Dringend klargestellt werden sollte aber, dass sich diese Grenze von 3.000 EUR grundsätzlich nur auf den Gebäudewert bezieht.

Anpassung der steuerlichen Normalabschreibung

Nach Darstellung der Wohnungswirtschaft bieten Sonderabschreibungen wie die vorgeschlagene nur einen kurzfristigen Vorteil. Für langfristige Effekte sollte die steuerliche Normalabschreibung von bisher zwei auf mindestens drei Prozent angehoben werden. Eine Anpassung der steuerlichen Normalabschreibung auf mindestens drei Prozent ist auch aus Sicht Freier Wohnungsunternehmen "dringend erforderlich". Auch das Handwerk hält die Abschreibung von linear zwei Prozent für nicht mehr sachgerecht. Denn der Anteil von Bauteilen mit einer Nutzungsdauer von deutlich unter 50 Jahren überwiege inzwischen.

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